Die Forderung des Kartellamtes, 370 der bundesweit 2900 Plus-Märkte zu verkaufen, ist für Tengelmann auf den ersten Blick leicht zu erfüllen. Interessenten für diese Standorte gibt es genug. Rewe-Chef Alain Caparros hatte erst in der vergangenen Woche gesagt: "Wir sind gesprächsbereit." Rewe hätte die gesamte Plus-Kette gerne selbst übernommen, um zusammen mit den hauseigenen knapp 2000 Penny-Läden einen starken Wettbewerber zu Aldi und Lidl zu formen.
Anzeige
Nach Informationen aus der Branche ist auch die mit der Edeka-Tochter namensgleiche Netto-Gruppe, ein Ableger des dänischen Unternehmens Dansk Supermarked, an der Übernahme von Plus-Märkten interessiert. Die seit 1990 in Deutschland tätige Discount-Kette, an der Edeka mit 25 Prozent beteiligt ist, verfügt bundesweit über ein Netz von 259 Märkten, vornehmlich in Ostdeutschland. Somit dürfte ein Zukauf aus kartellrechtlichen Gründen unproblematisch sein. Auch der mit ihren Läden vornehmlich im Süden Deutschlands vertretenen Norma-Gruppe, die in Fürth zu Hause ist, wird Interesse an Standorten von Plus nachgesagt.
Tengelmann als Verkäufer der Märkte befindet sich in einer schlechten Verhandlungsposition: Alle Bieter wissen um die Nöte des Familienunternehmens, sich von den Läden trennen zu müssen, und hoffen, zu einem günstigen Preis den Zuschlag zu bekommen. Für denkbar halten es Beobachter auch, dass Edeka und Tengelmann nach Möglichkeiten suchen, die vom Kartellamt als kritisch eingestuften Filialen intern zu verwerten. Etwa indem Plus-Märkte in Filialen der ebenfalls zu Tengelmann gehörenden Textilkette Kik umgebaut werden.
Plus kann kaum weitergeführt werden
Von einschneidender Bedeutung für Tengelmann ist die Auflage des Kartellamtes, auf einen gemeinsamen Einkauf mit Edeka verzichten zu müssen. Denn auf diese Weise wollte das Mülheimer Unternehmen die im Konkurrenzvergleich hohen Beschaffungskosten für seine Supermärkte (Kaiser's, Tengelmann) senken. Wenn es dazu nicht kommt, ist die Wettbewerbsfähigkeit dieser Geschäfte eingeschränkt.
Eine Alternative zu dem Verkauf der Plus-Kette an Edeka hat Tengelmann dagegen nach Einschätzung von Branchenkennern nicht. Im Falle einer Untersagung der Fusion mit Netto sei der Discounter kaum in der Lage, das Geschäft eigenständig weiterzuführen, heißt es.
Weil der Verlust der Selbständigkeit absehbar war, hat die gesamte oberste Führungsriege das Unternehmen verlassen. Und auch unterhalb der Top-Ebene gibt es zahlreiche Abgänge. Die ungewisse Zukunft hat zudem Auswirkungen auf das Geschäft. Im Wettstreit mit den anderen Discountern verliert Plus seit Monaten Marktanteile.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Discounter Plus Abschied vor dem Showdown 14.05.2008
- Edeka und Plus Pokern mit dem Kartellamt 09.05.2008
- Keine Fusion mit Plus Kartellamt stoppt Edeka 07.04.2008
- Kritik vom Kartellamt Übernahme von Plus vor dem Aus 06.04.2008
(SZ vom 05.06.2008)