Führungswechsel Telekom-Chef Obermann geht Ende 2013

Hat für Dezember 2013 seinen Rücktritt eingereicht: Telekom-Chef René Obermann.

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Der Vorstandsvorsitzende der Telekom, René Obermann, wird Ende 2013 seinen Posten abgeben. Dem Unternehmen zufolge steht der Nachfolger bereits fest: Der bisherige Finanzvorstand Timotheus Höttges soll übernehmen.

Unerwarteter Wechsel an der Spitze der Deutschen Telekom: Vorstandschef René Obermann wird Ende kommenden Jahres als Unternehmenschef abtreten. Er habe den Aufsichtsrat um die Entbindung von seinen Aufgaben gebeten, teilte der Dax-Konzern in Bonn mit. Diesem Wunsch sei entsprochen worden. Nachfolger soll ab Januar 2014 der derzeitige Finanzvorstand Timotheus Höttges werden.

Obermann war seit Herbst 2006 Vorstandschef des Unternehmens. Er hatte den Posten von Kai-Uwe Ricke übernommen, mit dessen Person Obermanns Werdegang im Konzern eng verbunden war. 1998 kam Obermann zur Tochter T-Mobile, wo er zunächst im Vertrieb tätig war. Später trat er dort die Nachfolge Rickes als Verantwortlicher für das gesamte Deutschlandgeschäft an. Als Ricke schließlich zum Vorstandsvorsitzenden berufen wurde, übernahm Obermann die gesamte Mobilfunksparte und rückte 2002 auch in den Vorstand der Telekom auf, dessen Vorsitz er vier Jahre später übernahm.

Zur Begründung für seinen Rückzug heißt es in der Mitteilung, Obermann wolle nach 16 Jahren Tätigkeit für die Deutsche Telekom, davon dann sieben Jahre an der Spitze des Unternehmens, wieder "näher ans operative Geschäft rücken", als es für den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns möglich sei. "Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben", so wird Obermann zitiert.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner reagierte der Mitteilung zufolge mit Bedauern auf Obermanns Entscheidung: "Ich respektiere seinen Schritt, auch wenn ich unsere erfolgreiche Zusammenarbeit sehr gerne weitergeführt hätte."

Die Bundesregierung als Großaktionär bedauert die überraschende Rücktrittsankündigung des Telekom-Chefs, zeigt sich aber mit der Nachfolgrregelung zufrieden: "Wir bedauern die Entscheidung, respektieren aber seine Gründe. Wenn der bisherige Chefstratege jetzt Kapitän wird, spricht das dafür, dass Kurs gehalten wird", hieß es aus dem Finanzministerium. Man habe sowohl mit Obermann als auch mit Höttges gute Erfahrungen gemacht, hieß es im Ministerium.

"Jetzt ist ein geeigneter Zeitpunkt, um die Staffelübergabe vorzubereiten und einen geordneten Übergang sicherzustellen", ließ Obermann mitteilen. Die Telekom habe in den vergangenen Jahren "Lösungen für die wesentlichen Baustellen" gefunden.

Höttges sollte sich eigentlich um das US-Geschäft kümmern

Das ist allerdings Interpretationssache, denn die Telekom kämpft seit langem mit großen Problemen: Das Unternehmen wächst kaum noch. Zuletzt wurde bekannt, dass mittlerweile sogar die Bundesregierung prüft, den Bonner Konzern finanziell zu entlasten. 15 Prozent der Telekom-Aktien hält der Staat direkt, über die staatliche KfW-Förderbank befinden sich weitere 17 Prozent in indirektem Besitz der Regierung. Die Idee: Die Telekom soll der KfW keine Dividende mehr ausschütten, sondern stattdessen im gleichen Wert neue Aktien ausgeben. Das Handelsblatt hatte über entsprechende Pläne der Telekom berichtet.

Die Telekom hatte Anfang Dezember angekündigt, dass sie nach Jahren des Schrumpfens mit verstärkten Investitionen in den Netzausbau wieder auf Wachstumskurs gehen wolle. Um die Belastungen zu stemmen, wolle der Konzern weniger Geld an die Aktionäre ausschütten.

Höttges, der nun zum 1. Januar 2014 auf Obermann folgt, war nach Informationen des Manager-Magazins eigentlich dafür vorgesehen, das kriselnde US-Geschäft der Telekom zu überwachen. Dort sieht sich der deutsche Konzern seit Jahren mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die US-Tochter wollte die Telekom im vergangenen Jahr eigentlich für 39 Milliarden Dollar an den dortigen Rivalen AT&T verkaufen, doch die Wettbewerbshüter blockierten das Geschäft.

Nun muss die Telekom die US-Sparte erst einmal behalten - und Höttges muss sich darum kümmern, sie durch eine Fusion mit einem kleineren Wettbewerber konkurrenzfähig zu machen. Er will dem Konzern nach eigenen Aussagen keinen Kurswechsel verordnen. Er werde Obermanns Strategie weiterführen, wenn er Leitung des Konzerns übernehme, sagte Höttges.. "Ich habe noch viele Themen vor, die das Unternehmen nach vorne bringen sollen."

Der 50-Jährige gilt als enger Vertrauter Obermanns. Die beiden sind auch privat befreundet und Höttges Aufstieg ist eng mit der Karriere Obermanns verbunden gewesen. Auf das Duo Ricke-Obermann folgte gewissermaßen das Duo Obermann-Höttges.

Höttges stieg im Jahr 2000 als Geschäftsführer Finanzen und Controlling bei T-Mobile ins Unternehmen ein. Bereits zwei Jahre später übernahm er das Mobilfunkgeschäft - von Obermann.

Jetzt soll er erneut dessen Nachfolge antreten - diesmal als Vorstandschef.