Führungswechsel bei Dax-Konzern Linde-Chef Reitzle kündigt Rückzug an

Linde-Chef Wolfgang Reitzle will seinen Vertrag 2014 nicht verlängern.

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Wolfgang Reitzle gibt seinen Posten als Vorstandschef des Industriegase-Herstellers Linde auf. Er werde seinen bis 2014 laufenden Vertrag nicht verlängern, kündigte der Manager in einem Interview an - und kritisierte, dass es ein Gesetz verbietet, direkt in den Aufsichtsrat des Dax-Konzerns zu wechseln.

Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle will den Münchner Industriegase-Hersteller nach elf Jahren an der Spitze verlassen. "Ich werde 2014 aufhören, wie mein Vertrag es vorsieht. Daran wird sich nichts mehr ändern", sagte Reitzle der Welt am Sonntag. Auch einen sofortigen Wechsel in den Aufsichtsrat schloss der 63-Jährige aus: "Nein, ich werde nicht für den Aufsichtsrat oder dessen Vorsitz kandidieren. Auch das ist klar."

Nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Schneider ist die Nachfolgesuche bereits weit vorangeschritten. Voraussichtlich werde ein Manager Reitzle folgen, der noch nicht im Unternehmen ist: "Wenn Sie mich nach einer Tendenz fragen, dann favorisiere ich im besten Interesse des Unternehmens die externe Lösung", sagte Schneider dem Blatt. Er habe zwei Kandidaten, "über die ich rechtzeitig mit meinen Aufsichtsratskollegen entscheiden werde".

Schneider selbst will auf der Hauptversammlung 2013 noch einmal kandidieren. "Wir sind im Aufsichtsrat zum Schluss gekommen, dass wir zunächst die Nachfolge an der Vorstandsspitze regeln und ich meinem Nachfolger im Aufsichtsrat ebenfalls etwas Zeit gebe, sich einzuarbeiten", sagte der 74-Jährige. Er habe schon einen Nachfolger im Visier. "Ein Mann mit der richtigen Expertise, so viel verrate ich heute." Als Favorit gilt dem Bericht zufolge der Ex-Bosch-Chef Franz Fehrenbach, der im Mai für den Linde-Aufsichtsrat kandidieren werde und Matthew Miau aus Taiwan ersetzen soll.

Schneider kritisierte Politik und Medien scharf für ihren Umgang mit dem Wechsel von Vorständen in den Aufsichtsrat: "Das Beispiel Reitzle zeigt doch gerade, dass der Gesetzgeber zu weit gegangen ist, als er den Wechsel quasi untersagt hat, indem er hohe Hürden baute. Und die größte Hürde ist inzwischen die Stimmung in der öffentlichen Meinung. Jedem, der jetzt noch bleiben und seinem Unternehmen weiterhin nützlich sein kann, wird vorgeworfen, er klebe an seinem Sessel."

Auch Reitzle betonte in der Welt am Sonntag: "Die öffentliche Debatte macht einen solchen Schritt sehr schwer." Er ergänzte: "Jetzt, nachdem unsere Entscheidung feststeht, kann ich es klar sagen: Dieses Gesetz, das den Wechsel in den Aufsichtsrat derartig erschwert, schadet den deutschen Unternehmen mehr, als dass es ihnen nützt."

Am kommenden Donnerstag legt Linde die Jahresbilanz 2012 vor. Der Dax-Konzern hatte ein operatives Konzernergebnis von mindestens vier Milliarden Euro als Ziel ausgegeben.