Kleine Lichtblicke: Der Ifo-Index steigt, Bundesbankpräsident Weber sieht "Zeichen der Stabilisierung" - doch viele Experten sind kritisch.
In der deutschen Wirtschaft gibt es erste Äußerungen von vorsichtigem Optimismus. Der Index des Münchner Ifo-Instituts für das Geschäftsklima in Deutschland stieg im April stärker als erwartet. Bundesbankpräsident Axel Weber sagte, es gebe "Hinweise auf eine gewisse Stabilisierung".
Hoffnung für die Wirtschaft: Der Ifo-Index ist gestiegen. (© Foto: ddp)
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In Washington sind am Freitag Finanzminister und Notenbankchefs aus der ganzen Welt zusammengekommen, um während der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank über weitere Maßnahmen gegen die globale Wirtschaftskrise zu beraten. Insbesondere sollen die Beschlüsse des Weltfinanzgipfels vom 2. April in London und deren Umsetzung erörtert werden.
Besonders die Vereinigten Staaten drängen die Europäer zu zusätzlichen Konjunkturprogrammen. Deutsche Regierungsvertreter verweisen darauf, dass die sozialen Sicherungssysteme in Europa, im Gegensatz zu den USA, stabilisierend auf die Konjunktur wirken. Umgekehrt sehen viele Experten in Europa die bisherigen Programme Washingtons zur Stabilisierung der Banken kritisch.
Ifo-Index steigt
Deutschland wird in Washington durch Bundesbankpräsident Weber und Staatssekretär Jörg Asmussen aus dem Finanzministerium vertreten. Der Bundesfinanzminister nimmt an der Landesdelegiertenkonferenz der nordrhein-westfälischen SPD teil.
Weber räumte vor Journalisten ein, dass das erste Quartal dieses Jahres vermutlich noch schlechter gewesen sein dürfte als das letzte Quartal 2008. Nun scheine sich die Lage aber zu stabilisieren. Im März habe in den Bilanzen der Banken ein "Turnaround" stattgefunden. Er glaube auch nicht, dass der deutschen Wirtschaft Inflation oder eine Deflation, also ein sich selbst verstärkender Preisrückgang auf breiter Front, drohe. Zwar würden vermutlich während einiger Monate in diesem Sommer infolge des billigeren Öls die Preise tatsächlich sinken, das sei jedoch derzeit nur eine "willkommene Entlastung für die Haushalte". Durch die aggressive Geldpolitik der Notenbanken werde zwar viel "Überschuss-Liquidität" geschaffen, die Europäische Zentralbank werde jedoch ihren Auftrag ernst nehmen, und diese Liquidität auch wieder abschöpfen, sobald sich die Wirtschaft wieder erhole. Allerdings werde danach das "Wachstumspotential" der Wirtschaft nach der Krise niedriger liegen als zuvor.
Der Ifo-Index, einer der wichtigsten Frühindikatoren der deutschen Wirtschaft, war zuletzt fünfmal in Folge gefallen und hatte im März den tiefsten Stand seit 1982 erreicht. Im April stieg er nun erstmals wieder - von 82,2 auf 83,7 Punkte. Dies sei noch keine Trendwende, meinte Ifo-Experte Klaus Abberger, sondern die "Hoffnung auf ein Ende des Erdrutsches". Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte, der Rückgang der Wirtschaftsleistung werde sich damit "deutlich verlangsamen". Die Unternehmen wollten aber weiter Stellen abbauen. Im Detail zeigen die Daten des Instituts, dass die Firmen ihre derzeit Lage fast ebenso ungünstig bewerten wie im März, da ihre Anlagen erheblich geringer ausgelastet sind als zu Jahresbeginn. Den kommenden Monaten sehen sie aber weniger pessimistisch entgegen. So erwarten sie, dass das Auslandsgeschäft etwas langsamer schrumpfen wird.
Flaute in Japan
Zuvor hatten die großen Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um sechs Prozent vorausgesagt. Auch der IWF rechnet in seinem jüngsten Wirtschaftsausblick damit, dass die deutsche Wirtschaft 2009 um 5,6 Prozent schrumpft. Die Bundesrepublik wäre damit das Land in der Gruppe der sieben großen Industrieländer (G 7) am zweitschwersten von der Rezession getroffen wird.
Nur in Japan geht die Wirtschaftsleistung noch stärker, um 6,2 Prozent, zurück. Sowohl Deutschland, als auch Japan sind als Exportnationen besonders vom Rückgang des Welthandels betroffen. Als besorgniserregend gilt weiterhin die Lage der EU-Mitglieder Irland und Großbritannien wegen der ungewöhnlichen Größe des Finanzsektors in diesen Ländern. Einige osteuropäische Staaten sind von der Rezession in Osteuropa besonders betroffen und müssen zum Teil einen zweistelligen Rückgang der Wirtschaftsleistung hinnehmen.
Der IWF drängt seine Mitglieder, noch mehr für die Eindämmung der Krise zu tun. Die Konjunkturprogramme müssten noch ins nächste Jahr ausgedehnt werden, die Maßnahmen zur Säuberung der Bankbilanzen von faulen Wertpapieren beschleunigt werden.
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(SZ vom 25.04.2009/tob)