Siemens verlangt von Ex-Konzernchef Pierer Schadenersatz in Millionenhöhe. EinUntersuchungsbericht enthält schwere Anschuldigungen.
Mängel über Mängel bei der Bekämpfung der Korruption, Inkompetenz und Versagen: Die Liste der Vorwürfe, die Siemens gegen den früheren Konzernchef Heinrich von Pierer und neun weitere ehemalige Vorstandsmitglieder erhebt, ist lang. Dokumentiert sind die Anschuldigungen in einem bislang unter Verschluss gehaltenem, als "streng vertraulich" eingestuften Untersuchungsbericht der Düsseldorfer Anwaltskanzlei Hengeler Müller. Die vertritt Siemens im Streit mit Pierer & Co.
Heinrich von Pierer führte erst den Siemens-Konzern, dann das Kontrollgremium. (© Foto: ddp)
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Mitte November läuft für den früheren Konzernchef und dessen einstige Kollegen eine von Siemens gesetzte Frist ab. Wer sich bis dahin nicht bereit erklärt, Schadenersatz für den wohl größten Korruptionsfall in der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte zahlen, der wird verklagt. Nur drei der zehn Ex-Manager haben bislang eingelenkt, der Rest verhandelt noch. Das meiste Geld verlangt der Industriekonzern von Pierer: sechs Millionen Euro. Die anderen kommen billiger weg, von vier Millionen bis zu einer halben Million Euro. Der Konzern begründet, der Schmiergeldskandal habe ihn mehrere Milliarden Euro gekostet.
Warum Siemens von Pierer mehr kassieren will als von den anderen Ex-Managern, steht in dem Untersuchungsbericht von Hengeler Müller. Er liegt der Süddeutschen Zeitung auszugsweise vor. Mehrere Passagen sind dem einstigen "Mr. Siemens" gewidmet. Zusammenfassend heißt es: Ein Konzernchef trage eine besondere Verantwortung dafür, dass sein Unternehmen saubere Geschäfte mache, statt kriminell zu agieren. "Dem Vorstandsvorsitzenden kommt eine Sonderrolle zu." Dieser Aufgabe sei Pierer nicht gerecht geworden. Pierer war immerhin mehr als ein Jahrzehnt lang, von 1992 bis 2005, Konzernchef gewesen.
Falsche Unternehmenskultur
Die weltweiten Schmiergeldzahlungen für lukrative Aufträge seien nur deshalb möglich gewesen, weil der frühere Vorstand nicht aufgepasst habe, glaubt die neue Konzernspitze. Im Untersuchungsbericht liest sich das so: Der alte Vorstand habe toleriert, dass Mitarbeiter, die gegen Recht und Gesetz verstoßen hätten, nicht ausreichend zur Rechenschaft gezogen worden seien. Darüber hinaus hätten Pierer & Co die Disziplinierung solcher Beschäftigten "in manchen Fällen sogar bewusst verhindert". Dadurch habe sich bei Siemens keine entsprechende Unternehmenskultur entwickeln können.
Im Untersuchungsbericht wird darauf verwiesen, dass Bestechungszahlungen deutscher Unternehmen im Ausland bis 1999 in der Bundesrepublik nicht strafbar waren und solche Ausgaben sogar von der Steuer abgesetzt werden konnten. "Bei Siemens, dessen Geschäftserfolg in vielen Bereich von der Akquisition von Großprojekten abhängig war, hatte sich daher eine Kultur entwickelt, bei der Bestechungszahlungen als in jedem Sinne "'nützliche Aufwendungen' angesehen wurden." Bereits bei einer Vorstandssitzung am 16. April 1999 habe sich Pierer über die hohe Zahl von Untersuchungen wegen Verstößen beklagt. Der damalige Vorstand habe es aber versäumt, rügen Siemens-Anwälte, die vorhandene Konzernkultur von 1999 an "mit der Änderung der Rechtslage in Einklang zu bringen".
Bewusst weggeschaut?
Der Konzern sei in mehrfacher Hinsicht besonders gefährdet gewesen, schreiben die Anwälte. "Siemens ist ein riesiges Unternehmen mit mehr als 400.000 Mitarbeitern, das in mehr als 190 Ländern tätig ist. Darunter sind stark korruptionsanfällige Länder wie Russland, Saudi-Arabien, Nigeria und Pakistan." Deshalb wäre der Vorstand verpflichtet gewesen, eine wirksame Compliance-Organisation zum Kampf gegen die Korruption und andere Delikte aufzubauen. Der Begriff Compliance steht für interne Maßnahmen von Unternehmen zur Verhinderung beziehungsweise Aufklärung von Unregelmäßigkeiten.
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Linke-Parteitag in Göttingen
unabhängig davon, dass Pierer defintiv seinen Kopf hinhalten muss, weil er seine Aufsichtspflichten offensichtlich nicht ernst genommen hat. Was passiert denn eigentlich mit solchen Grössen wie z.B Cromme oder Ackermann? Die sitzen seit jahren im Aufsichtsrat. und haben da auch nichts mitbekommen? Hat der Aufsichtsrat geschlafen?
Was ist mit Kaeser? War doch auch ein Beschuldigter und sitzt noch immer im Vorstand.
Soviel zum Thema Aufarbeitung. Man lügt sich doch in die eigene Tasche und will an Pierer offenkundig ein Exempel statuieren. Man kann durchaus davon ausgehen, das bei einer eventuellen Verurteilung Pierers ein weiteres Erdbeben Siemens erschüttern könnte, wenn Pierer "auspackt" oder auspacken lässt. Der Filz ist mMn noch längst nicht ausgetrocknet.
Der Vorstand wußte mit Sicherheit was da läuft. Doch wenn man sowas, wie der Heinerich, weiß und duldet, dann geht man nicht her und schreibt ein Buch mit dem Titel "Zwischen Profit und Moral" wie geschehen.
Aber der Heinerich hat sich seine Anschauungen und Vorstellungen vom Siemens-Konzern immer so hingedreht wie es ihm passte. Er fühlte sich nicht zuständig.
Im Frühjahr 2003 hatte Siemens ca. 230 Mitarbeiter der Kommunikationssparte gekündigt. Wider Erwarten strengten alle 230 eine Kündigungsschutzklage an. Im Laufe der langen Prozeßdauer verlangte ein Betriebsrat auf einer Mitarbeiter-Veranstalter vom Heinerich, diese Klagen zurückzunehmen. Antwort: Ich habe keinen gekündigt, also kann ich auch keine zurücknehmen. Das aus dem Munde des höchsten Siemensianers, kläglich.
Ein Anruf oder eine Anweisung an einen seiner Atlaten hätte gereicht. Aber Heinerich fühlte sich genau wie bei der Korruption nicht zuständig.
Übrigens hat Siemens alle Klagen verloren und mußte alle Mitarbeiter weiterbeschäftigen, die waren dann super motiviert. Da zehrt heute noch Nokia Siemens Networks von.
Der SZ-Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf!
Bei Siemens hat sich eine Kultur der Duckmäuser entwickelt. Geduldet wird derjenige, der sich anpaßt und nicht derjenige, der sinnlose Prozesse hinterfrägt oder z.B. Korruptionsverdacht meldet.
In Norwegen wurde ein Siemens-Mitarbeiter fristlos gekündigt, weil dieser die Korruption an die Konzernspitze gemeldet hatte. Gekündigt wurde ihm von der Konzernspitze!
Bei Siemens hat sich im Laufe der Zeit eine Kultur entwickelt, die äußerst bedenklich ist. Kritische Mitarbeiter werden oft als negativ empfunden. Es gibt sogar sehr wenige, die das operative Geschäft ausführen - d.h. 10 Anschffer und 1 Ausführer! Fehler im System sollen von Unternehmensberatern gefunden werden. Diese Unternehmensberatungen schlagen oft das vor, was die Mitarbeiter (meist einfache Angestellte) bereits vor Jahren vorgeschlagen haben. Man hat den Eindruck, dass den Führungskräften mehr an guten Manieren und gepflegten Smaltalk liegt, als an produktiver Arbeit. Es mag sein, dass das nicht in allen Bereichen so ist, aber in der damaligen Telekommunikatinssparte war es so und die Nachfolge-Firmen (SEN und NSN) leiden noch heute unter diesem System.
Das führt zwangsläufig in den Ruin! Für diese beiden Bereiche wird das letzte Stündchen bald geschlagen haben.
dieser Herr Saubermann, gleichzeitiger Kanzler(in) berater. Was ja beweist ,dass diese Heuchler untereinander sehr wohl über die Machenschaften informiert waren.Das Kartell von Kapital und Politik ist ungeschriebenes Gesetz in einer Bananenrepublik, heuchlerische Empörung kommt immer nur dann erst auf, wenn die Wahrheiten ans Tageslicht kommen.Nun sind sie dran , diese Krämerseelen und Eliten in den oberen Etagen ! Das freut den Mob. Aber ,gemach, die Gauner haben soviel exorbitante "Schmiergelder" sprich Alimentationen angehäuft, dass sie die Geld-Strafen - damit soll dem Bürger Gerechtigkeit vorgetäuscht werden- Knast wär gerechter -aus der Portokassen bezahlen können.Der ganze Sumpf hat eine charakterisierende Bezeichnung - Kapitalismus pur ( Akkumulation um jeden Preis).
"Siemens ist ein riesiges Unternehmen mit mehr als 400.000 Mitarbeitern, das in mehr als 190 Ländern tätig ist. Darunter sind stark korruptionsanfällige Länder wie Russland, Saudi-Arabien, Nigeria und Pakistan."
Wenn man sieht wieviele Politiker, Richter, Beamte auf der Gehaltsliste der Grossunternehmen stehen, dann fragt man sich, ob hier nicht andere Länder absichtlich in Misskredit gebracht werden sollen. Sind die sog. Expertisen und Gutachten, die von Unternehmen in Auftrag gebracht werden, wirklich soviel Wert oder gefaket? Und ganz andere "Leistungen" damit beabsichtigt?
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