Frauenquote in der Telekom-Spitze Die Konzerne tappen in die Frauenfalle

Die Telekom macht gerade vor, wie man mit einer Frauenquote der Sache der Frau schadet. Die Konzerne jagen sich gegenseitig die wenigen geeigneten Kandidatinnen ab oder nehmen wie Daimler eine Frau, die keine Ahnung von Wirtschaft hat. Warum Hektik bei der Suche nach weiblichen Führungskräften schadet.

Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Die Deutsche Telekom gilt als vorbildliches Unternehmen. Nicht etwa, weil sie so großartige Telefon- oder Internet-Angebote machte oder weil ihr Service herausragend wäre. Die Telekom hat sich als erstes deutsches Unternehmen das Ziel gesetzt, die Zahl der Frauen in mittleren und oberen Führungspositionen bis 2015 auf 30 Prozent zu steigern. Mit solchen Versprechungen kann man in der Öffentlichkeit gut Punkte machen.

Doch die Telekom hat gerade vorgeführt, wie man mit der Beförderung von weiblichen Führungskräften der Sache der Frauen schaden kann. Der Bonner Konzern wollte gleich drei Frauen in seinen Vorstand holen. Doch was eine Revolution sein sollte, wurde zu einem Kasperletheater von Management und Regierung - und eine Blamage.

Am peinlichsten ist, dass die Vorstandsbesetzung bei der Telekom, die noch zu knapp einem Drittel im Staatsbesitz ist, offenbar weiter nach politischen Regeln verläuft. So wurde die baden-württembergische CDU-Politikerin Marion Schick für das Personalressort in den Vorstand berufen. Für das neu geschaffene Ressort Compliance wurde die frühere SPD-Bundesjustizministerin Brigitte Zypries von der Telekom angesprochen. Das ist kaum nachvollziehbar. Wo der Eindruck entsteht, ausrangierte Politikerinnen würden mit hochbezahlten Posten abgefunden, werden die Interessen der Frauen missbraucht.

Leider tappen aber auch private Konzerne in die Frauenfalle und erreichen das Gegenteil von dem, was sie bewirken wollen. Im Rennen um weibliche Vorstände jagen sich die Firmen gegenseitig die paar in Frage kommenden Kandidatinnen ab. Die Aufsichtsräte schießen gelegentlich so über das Ziel hinaus, dass die Frauen sich fragen sollten, ob sie wollen, was jetzt geschieht.

Entschlossen, die erste Frau in den Vorstand von Daimler zu holen, berief Konzernchef Dieter Zetsche die 60-jährige Christine Hohmann-Dennhardt, eine ehemalige SPD-Politikerin und Verfassungsrichterin. Ihr Ressort für "Integrität und Recht" wurde eigens geschaffen.

Dass Hohmann-Dennhardt keine Ahnung von Wirtschaft hat, stand in der Zeitung, Daimler hat es nicht dementiert. Ein Hindernis für ihre Berufung war das nicht. Ja, es gibt auch andere Fälle. Der Software-Konzern SAP fand eine geeignete neue Personalchefin. Aber schon bei der BASF wurde es eng. Als der Chemiekonzern eine Frau für das Personalressort suchte, blieb ihm eine Kandidatin, die wegen einer Datenaffäre nicht unbeschädigt von der Bahn geschieden war.

Bald wird Ernüchterung folgen

Der Wille, Frauen in Führungsfunktionen zu bringen, ist längst oben in den Konzernen angekommen. Aber leider mangelt es noch an den Frauen, die für Top-Aufgaben in Frage kommen. So greifen deutsche Aufsichtsräte offenbar nach allem, was einen bekannten Namen hat. Das ist fatal. Die Zeiten sind vorbei, in denen der Personalvorstand ein Management-Halbschwergewicht sein konnte, solange er die Beziehungen zu den Gewerkschaften halbwegs im Griff hatte.

Heute sind die großen deutschen Konzerne international engagiert. Fachleute wissen, dass keine Person auf einem Vorstandssessel etwas zu suchen hat, die nicht mehrsprachig und international erfahren ist. Doch solche Frauen sind selten. Das wird sich ändern. Bald werden genügend Managerinnen in den oberen Etagen angekommen sein, die das Zeug haben für Top-Jobs.

Heute schüren die Konzerne bestenfalls die Illusion, es gebe genügend Frauen für die Vorstände. Man müsse sie nur berufen. Doch bald wird die Ernüchterung folgen. Die entsteht, wenn sich herausstellt, dass viele Quereinsteigerinnen ihren Aufgaben nicht gewachsen sind, aber der weibliche Nachwuchs von innen noch nicht weit genug entwickelt ist. Das Wehklagen wird groß sein. Aber hoffentlich ist dann der Blick auf die Realität nüchterner.

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