Zwei von drei Frauen wissen nichts mit dem Begriff "Rendite" anzufangen. Jede Zweite scheitert beim Unterschied zwischen EC- und Kreditkarte. Trotzdem verzichten die meisten Banken auf eine Beratung speziell für ihre weibliche Kundschaft.
"Wir haben festgestellt, dass Frauen im Durchschnitt ein sehr schlechtes Finanzwissen haben" sagt Commerzbank-Expertin Monika Arens. "Schlechter als das von Männern." Bei einer Auftrags-Umfrage der Bank glänzten die Frauen durch Nichtwissen: Den Unterschied zwischen EC- und Kreditkarte? Kannte knapp die Hälfte. "Rendite"? Mit dem Begriff wusste nur ein Drittel etwas anzufangen.
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Duftendes cool-down
Doch je mehr ein Kunde aus seinem Geld macht, desto mehr macht eine Bank aus ihrem Kunden. Das gilt natürlich auch für Kundinnen, dachten sich Arens und ihre Kollegen und entwickelten vergangenes Jahr ein Projekt namens "money — made by women".
Zentraler Aspekt aller Marketing-Aktionen unter diesem Dach ist die private Altersvorsorge: Die Kundinnen erfahren — aus Vorträgen, einer Broschüre oder dem Internetauftritt der Bank —, dass sie brüchigere Erwerbsbiografien haben, weniger Geld verdienen und deshalb als Frauen zusehen müssen, dass sie ihre finanzielle Versorgung unter Dach und Fach bringen. Nicht bei der Konkurrenz, versteht sich.
Deshalb gab es in diesem Jahr bundesweit bislang 20 "money — made by women"-Veranstaltungen, mit insgesamt rund 1.000 Teilnehmern. Um den Damen die Scheu vor dem eigenen Geld zu nehmen, hängt die Commerzbank an ihre Vorträge häufig noch ein cool-down an. So konnten sich die Kundinnen der Hamburger Filiale nach dem trockenen Finanzvortrag beim "Duftseminar" eines Parfumherstellers entspannen.
Individuell ja, weiblich nein
Und die anderen Großbanken? Rümpfen die Nase: "Wir haben keine speziellen Produkte geplant, um auf diese Zielgruppe individuell einzugehen", sagt eine Sprecherin der Deutschen Bank. Auch die Dresdner Bank verzichtet auf Finanzangebote speziell für Frauen. "Die Beratung für Frauen und Männer ist nicht grundsätzlich unterschiedlich", erklärt ein Sprecher. Dafür sei sie aber "sehr individuell".
Genau wie bei der HypoVereinsbank. Deren Vorsorge-Expertin Annemarie Reith ist zwar gegen "Frauen- und Männer-Schubladen"; wichtiger sei eine individuelle Beratung. Allerdings gesteht sie ein, dass Frauen einen "erhöhten Vorsorgebedarf" haben. Deshalb bietet auch ihre Bank seit dem Frühjahr Informationsveranstaltungen unter dem Motto "Frauen und Finanzen" an.
Vorträge, Broschüren, Duftseminare — wenn überhaupt, bieten Deutschlands Großbanken ihrer weiblichen Kundschaft bislang nur kurzweilige Anreize. Mehr nicht. Anlageprodukte speziell für Frauen? Fehlanzeige. Dabei unterscheiden sich die Finanzstrategien von Frauen und Männern: "Frauen sind viel risikoscheuer", weiß Commerzbank-Projektleiterin Arens. Männer setzten mehr auf Aktien, während Frauen bei ihren einmal getroffenen Entscheidungen blieben. Ob das für die Banken auch gilt?
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