Laut einer Umfrage kennen sich Frauen nicht mit Geld aus. Anders Monika Arens. Sie leitet das Commerzbank-Projekt "money - made by women", das Frauen an Finanzthemen heran führt. Ein Gespräch über Geld, Kosmetik und Lebensphasen.
sueddeutsche.de: Können Frauen nicht mit Geld umgehen, Frau Arens?
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Arens: Doch, sie können es schon. Wir haben zwar in unserer Studie (Anm. d. Red.: "Finanzielle Allgemeinbildung in Deutschland", Detailauswertung "Frauen", August 2003) festgestellt, dass Frauen im Durchschnitt ein sehr schlechtes Finanzwissen haben, also schlechter als das von Männern. Aber es gibt Unterschiede: Frauen zwischen 30 und 39 Jahren haben sehr gut abgeschnitten, Frauen in leitenden Positionen, genauso wie Frauen mit einer kaufmännischen Ausbildung. Es liegt also nicht daran, dass Frauen nicht mit Finanzen umgehen können. Das ist kein genetisches Problem. Viele von ihnen müssen sich einfach nur stärker mit dem Thema beschäftigen.
sueddeutsche.de: Woher kommt das Desinteresse? Liegt es daran, dass Frauen weniger Geld verdienen, ergo weniger anlegen können?
Arens: Sicherlich. Wir wissen ja, dass Frauen in gleichen Positionen nur etwa 80 Prozent von dem verdienen, was Männer bekommen. Aber es ist nicht so, dass nur Frauen sich zu wenig mit dem Thema beschäftigen. Auch Männer haben kein besonders gutes Finanz-Wissen. Vielleicht liegt es daran, dass Geld ein Tabu-Thema ist, eines, mit dem man sich nicht gerne beschäftigt.
Bei Frauen kommt hinzu, dass viele es an ihre Männer übergeben und sagen: "Damit will ich nichts zu tun haben." Das ist immer schlecht: Womit ich mich nicht beschäftige, damit kenne ich mich nicht aus.
sueddeutsche.de: Aber es gibt haufenweise Literatur. Weshalb noch eine spezielle Bankberatung?
Arens: Wir haben uns, bevor wir das Projekt gestartet haben (Anm. d. Red.: im August 2002), natürlich umgeschaut. Es gibt eine Reihe von Studien, die belegen, dass Frauen nicht sehr glücklich sind mit ihrer Bankberatung. Sie fühlen sich im Gespräch häufig nicht ernst genommen, was wahrscheinlich daran liegt, dass ihre Bedürfnisse dort nicht aufgegriffen werden.
Frauen haben oftmals ganz andere Lebensläufe. Sie erleben viel mehr Brüche: durch Kindererziehungszeiten, Teilzeitarbeit. Frauen werden nicht zuletzt auch älter als Männer. All das wirkt sich auf die Rente, beziehungsweise die Rentenhöhe aus.
sueddeutsche.de: Und was hat das mit der Geldanlage zu tun?
Arens: Frauen gehen ganz anders mit Geld um. Insgesamt sind sie viel risikoscheuer. Wir haben uns die Depots unserer Kundinnen und Kunden angeguckt. Die der Männer haben eine ganz andere Zusammensetzung: mehr Aktien, weniger Investmentfonds. Männer handeln auch mehr mit Wertpapieren. Frauen entscheiden sich eher für etwas und bleiben dabei.
sueddeutsche.de: Das ist ein Unterschied im Anlageverhalten. Nochmal: Weshalb brauchen Frauen eine spezielle Frauen-Beratung? Die individuelle Beratung - ob risikofreudig oder risikoarm - kann doch geschlechtsneutral ausfallen.
Arens: Ja, das stimmt. Es geht auch nicht darum, dass wir grundsätzlich eine andere Beratung anbieten für Frauen und Männer. Es geht darum, sowohl bei unseren Beratern als auch nach außen hin, für dieses Thema zu sensibilisieren. Sie haben Recht: Fragen nach Anlagehorizont und Risikomentalität müssen bei beiden gestellt werden, Männern wie Frauen. Aber was fehlt, ist eine Lebensphasen-orientierte Beratung. Gerade für eine Frau: In welcher Lebensphase befindet sie sich? Will sie Kinder haben? Will sie mal aussetzen?
sueddeutsche.de: Anders gefragt: Die Commerzbank nennt drei Beratungstypen, "die Berufseinsteigerin — Natalie, 25 Jahre, Single", "die Karrierefrau — Cordula, 45 Jahre, Single" und "die Familienmanagerin — Annette, 35 Jahre, verheiratet, zwei Kinder". Was unterscheidet die ersten beiden von ihren männlichen Pendants?
Arens: Ich denke, es geht darum, das Bewusstsein zu schaffen, dass es verschiedene Lebensphasen gibt. Dass ich eine Phase habe, in der ich weniger Geld habe. Dass ich dann eine Phase habe, in der ich meine Familie plane. Schließlich eine Phase, in der ich wieder alleine bin, ganz anders über mein Geld verfügen kann. Darauf versuchen wir bei unseren Vorträgen für Frauen hinzuweisen: Der Lebenslauf verläuft nicht immer linear. Das kommt bei Männern viel öfter vor.
sueddeutsche.de: Aber auch Männer erleben immer häufiger Brüche im Lebenslauf. Sie wechseln den Job, den Wohnort, sind eine Zeit lang ohne Arbeit. Brauchen sie dann nicht auch eine Beratung, die ihre verschiedenen Lebensphasen berücksichtigt?
Arens: Auf alle Fälle. Ich denke, das wird bei Männern genauso kommen. Ich glaube auch, dass es immer mehr Männer gibt, die bereit sind, eine Zeit lang im Beruf auszusetzen, sich mehr der Familie zu widmen.
sueddeutsche.de: Und wann bieten sie "money made by men" an?
Arens: Das sehen wir dann. Im Moment gibt es, denke ich, noch keine Notwendigkeit dafür.
sueddeutsche.de: Zurück zu den Frauen: Wenn die Unterschiede wirklich so groß sind, wäre es dann nicht konsequent, ihnen auch spezielle Geldanlagen anzubieten — und nicht bloß Vorträge?
Arens: Ich kann ihnen sagen, dass wir darüber nachdenken. Es gibt verschiedene Positionen zu dem Thema. Man muss aufpassen, dass man nicht in die Ecke kommt, nennen wir es mal "Douglas-Fonds": Man macht irgendwie Anlageprodukte für Frauen und mischt alles rein, was mit Kosmetik und Ähnlichem zu tun hat. Das ist, glaube ich, genau der falsche Weg.
sueddeutsche.de: Vielen Dank für das Gespräch.
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak