Fraport Bonus für den Vorstand

Lohnrunde paradox: Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will die Gehälter im Top-Management anheben - und den übrigen Beschäftigten drohen Einbußen.

Von Hans Leyendecker

Trotz der Debatte über exorbitante Managergehälter zeichnet sich ausgerechnet bei dem börsennotierten, aber noch immer mehrheitlich in öffentlichem Besitz befindlichen Flughafenbetreiber Fraport AG eine neue lukrative Lohnrunde für das Top-Management ab.

Die Frankfurter Personalberatungsfirma Towers Perrin Human Capital Group wurde vom Präsidialausschuss des Fraport-Aufsichtsrats beauftragt, die Vorstandsvergütungen bei Deutschlands größtem Flughafenbetreiber zu prüfen. Das Ergebnis der Prüfung war erwartbar: "Trotz Krise steigen die Vergütungs-Budgets", beschreibt das Unternehmen auf seiner Webseite die Lage.

Ausgelöst wurde die externe Sondierung durch den stellvertretenden Vorstandschef Stefan Schulte, der Ambitionen und auch gute Chancen hat, Nachfolger des langjährigen Fraport-Vorstandschefs Wilhelm Bender zu werden. Wie Insider berichten, soll der 49 Jahre alte Schulte bereits auf einer Sitzung des Kontrollgremiums im Herbst eine rasche Klärung der Nachfolge verlangt haben. In diesem Zusammenhang soll er auch die Prüfung der Vorstandsvergütungen angeregt haben, die dann in Auftrag gegeben wurde.

Job-Hopper macht Karriere

Der letzte Fraport-Geschäftsbericht weist Schultes nominale Gesamtbezüge für das vergangene Jahr 2007 mit insgesamt 786.700 Euro aus. Benders Gesamtbezüge lagen bei nominal 846.500 Euro. Schulte, der im Wirtschaftsrat der CDU sitzt und bei Fraport unter anderem für den Flughafen-Ausbau verantwortlich ist, hat sehr zielstrebig Karriere gemacht. Kritiker werfen dem Hobby-Reiter vor, ein Job-Hopper zu sein. Er war zunächst bei der Deutschen Bank, arbeitete dann unter anderem bei Mannesmann Arcor in Eschborn und wechselte später in den Vorstand des Kölner Motorenherstellers Deutz AG.

Bevor er im April 2003 als Finanzvorstand zur Fraport kam, mussten an der Spitze des Flughafenbetreibers die Gehälter deutlich angehoben werden, damit noch ein bisschen Abstand zu dem Neuen blieb. Die üppige Gehaltserhöhung brachte dem Ministerpräsidenten Roland Koch, der damals Aufsichtsratschef des Frankfurter Konzerns war, öffentliche Kritik ein: "Spendabler Roland Koch" schrieb der Spiegel. Wegen der "angespannten Wirtschaftslage" hatte der Konzern kurz zuvor das Weihnachtsgeld für die Fraport-Rentner gestrichen.

Eine neue Erhöhung für Schulte und Kollegen wäre aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen halten Hessen und die Stadt Frankfurt noch immer die Aktienmehrheit an Fraport. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist derzeit der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU). Politiker aller Parteien haben Manager vielstimmig zur Mäßigung aufgerufen. Zum anderen soll bei dem Konzern ganz unten massiv gespart werden, mehr noch als 2003. Für das Bodenpersonal werden im Top-Management erhebliche Einschnitte bei der betrieblichen Alterversorgung und Einbußen beim Lohn bis zu zwanzig Prozent diskutiert. Allein am Frankfurter Flughafen wären mehr als 5000 Beschäftigte von möglichen Lohnkürzungen betroffen. Je nach Einzelfall drohen ihnen Lohneinbußen bis zu 550 Euro im Monat.