Von Michael Kläsgen

Paul Passalacqua hatte zwei Häuser und Aussicht auf ein schönes Rentnerleben, bis er sich mit Immobiliengeschäften verzockte - wie Tausende anderer Franzosen.

Die geräumigen Häuser liegen direkt am Wald, und Paris ist nicht weit. "Man braucht aber schon ein Auto", sagt Paul Passalacqua und kurvt mit seinem Mercedes durchs Grün.

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Immobilien zu verkaufen in Marseille: Die Immobilienkrise hat Frankreich erreicht. (© Foto: Reuters)

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Ein Haus steht umringt von großen Gärten in gebührendem Abstand neben dem anderen, und alle Bauten gleichen sich bei näherem Hinsehen wie ein Ei dem anderen. Unwillkürlich fühlt man sich an amerikanische Siedlungen mit Einfamilienhäusern erinnert, dazu hätte es der Finanzkrise gar nicht bedurft.

Man kennt diese Siedlungen, wenn nicht in natura, dann aus amerikanischen Serien wie Desperate Housewives. Wie in Amerika mehren sich nun auch hier im gutbürgerlichen Teil des französischen Dorfes Santeny, 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, die Schilder mit der Aufschrift "Zu verkaufen". Nur dass es auf französisch "A vendre" und nicht "For sale" heißt. Drei Schilder hängen vor dem Haus von Passalacqua, 66. Man sieht sie von weitem. Sie wirken wie ein Hilferuf.

Keiner hat sich bisher erbarmt

Ein Schild dient gleichzeitig dazu, das Gartentor zur Garage zu schließen. Ein kleines hängt schräg an der Hauswand und der Hilfeschrei prangt mit einer Schnur befestigt am Laternenpfahl, der aus der Hecke vor seinem Haus aufragt. "Da habe ich sogar meine Telefonnummer drauf geschrieben", sagt der Rentner. Er will, dass jeder, der vorbeikommt, die Schilder sieht und das Angebot liest. Doch bisher hat sich keiner erbarmt.

Nach dem amerikanischen, dem englischen, dem irischen und dem spanischen Immobilienmarkt ist nun auch der französische in die Krise geschlittert. Die ist allein für sich schon schlimm und vermutlich wird sie noch schlimmer.

Monsieur Passalacqua hat aber ein besonderes Problem, so wie schätzungsweise 140.000 Haushalte in Frankreich. Etwa 30.000 von ihnen straucheln deswegen, manche müssen Pfändung, Zwangsräumung oder Überschuldung fürchten.

Sie haben wie Passalacqua zum falschen Zeitpunkt einen crédit relais aufgenommen, einen Überbrückungskredit. Sie haben eine neue Immobilie gekauft und wollten diese mit der alten finanzieren. Dann aber brach der Markt zusammen und mit ihm auch das Finanzierungsmodell.

Immerhin den Mercedes behalten

"Ich stecke tief in der Scheiße", sagt der Rentner und wiederholt den Satz mehrmals. Doch wirkt er nicht wie jemand, der mit Kraftausdrücken um sich wirft. Streng genommen, steht es so schlimm um ihn auch wieder nicht.

Andererseits hatte man ihm Gas, Wasser, Strom und Telefon schon abgezwackt, weil seine Bank kurzerhand sein Konto sperrte. Natürlich war das ein Schock. Passalacqua lacht gequält auf und schüttelt den Kopf, als er die Geschichte erzählt. Er konnte das wieder zurechtbiegen. In seinem Büro ist es trotz winterlicher Temperaturen angenehm warm, und auch das Telefon klingelt wieder.

Immerhin habe er den Mercedes behalten, seinen alten Dienstwagen, den er nach Ausscheiden aus dem Berufsleben 2001 übernommen hat. Er war Verkaufsdirektor in einem großen französisch-belgischen Konzern, dessen Namen er nicht nennen will.

Früher wohnte er in einer Wohnung an den Champs-Elysées, und war Nachbar von Alfred Sirven, dem Schmiergeld-König des untergegangenen Öl-Konzerns Elf. Jetzt wohnt Passalacqua unter Ärzten, Managern und Architekten, wie er mehrmals erwähnt.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie Passalacqua nun die Krise zu seinen Gunsten nutzen will.

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