Frühbuchen und Reservierungspflicht sind für französische Bahn-Kunden ganz normal. Die Staatsbahn (SNCF) managt ihre TGV-Züge wie Passagier-Jets.

Wenn Frankreichs Bahn-Kunden einen Groll gegen die SNCF hegen, wird der in der Regel durch Streiks hervorgerufen - nicht durch das Preissystem. Schon seit Jahren haben sich die Reisenden von der Idee verabschiedet, für eine feste Distanz müsse es einen festen Preis geben.

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Konkurrenz zum Flugzeug: In drei Stunden von Paris nach Marseille. (© AP)

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"Das ist ein wenig wie beim Flugzeug", sagt Vielfahrer Jérôme Bernard. Als er noch Student war, suchte er sich die günstigsten Termine aus, frühmorgens oder mitten in der Woche. Seit dem Eintritt ins Berufsleben muss er häufig Spitzenpreise zahlen, findet das aber normal. "Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage."

Der Vergleich zwischen Bahn und Flug ist oft wörtlich zu nehmen. Für die 750-Kilometer-Strecke von Paris nach Marseille braucht die Bahn nur drei Stunden - Bahn-Kunden liefern sich einen Wettstreit mit Flugreisenden, wer am schnellsten ankommt.

Die Segnungen des Zentralstaats

Seit der Einführung des Superschnellzugs TGV Anfang der 80er Jahre hat die SNCF bei den Kunden allmählich das Gefühl erzeugt, sie dürften froh sein, wenn sie mitgenommen werden. Auf den TGV-Verbindungen von Paris in die großen Provinzstädte besteht durchgängig Reservierungspflicht. Fast immer sind die Züge gut besetzt. Eine Chance, den Frühbuchertarif zu erhalten, hat nur, wer sich mindestens eine Woche im voraus festlegt.

Wie Fangarme rollt die SNCF die Schienenstränge des TGV-Netzes von Paris aus durch das Land. Sprintstrecken wie nach Marseille und Bordeaux soll es in wenigen Jahren auch nach Norditalien und Spanien geben. Schon jetzt können Bahnkunden in anderthalb Stunden nach Brüssel rasen - die Air-France-Flugverbindung wurde eingestellt.

Mit 185.000 Mitarbeitern erbringt die SNCF auf den ersten Blick etwa dieselbe Leistung wie die Deutsche Bahn mit 210.000 Mitarbeitern - beide Gesellschaften weisen rund 70 Milliarden Personenkilometer aus.

Der Vergleich täuscht indessen: Einerseits hat das sternförmige System Frankreichs, in dem fast alles auf die Hauptstadt ausgerichtet ist, Effizienzvorteile. Andererseits pumpten alle Regierungen unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung fortlaufend hohe Milliardensummen in die SNCF - was die Deutsche Bahn so nicht behaupten kann. Nur so war es aber möglich, die TGV-Verbindungen aufzubauen, durch die das Unternehmen jetzt einen nahezu ausgeglichenen Haushalt vorlegen kann.

Es gibt Paralellen zu Deutschland

Obwohl die in Deutschland so umstrittenen Änderungen des Tarifsystems in manchen Punkten Ähnlichkeiten mit den SNCF-Preisen haben, will der Sprecher des Personenverkehrs der Deutschen Bahn, Achim Stauß, keine Parallele ziehen. Die strikte Reservierungspflicht in Fernzügen wäre den deutschen Bahnkunden offenbar nicht zuzumuten. "Wir scheuen davor zurück", sagt Stauß.

Es gebe nur wenige Ausnahmen, etwa den ICE-Sprinter Frankfurt-Berlin. Dennoch wirbt der Bahn-Sprecher mit Argumenten, die für Frankreichs Bahnkunden vertraut klingen. Die je nach Reisetermin schwankenden Angebote führten letztlich zu "höherer Preisgerechtigkeit", die Frühbucher-Rabatte zu einer besseren Steuerung der Ausbuchung.

Hat die SNCF solche Debatten auch längst hinter sich, so kann sie sich dennoch nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Stärker als in der Vergangenheit rufen Streiks und Privilegien der Bahn-Bediensteten in der Bevölkerung Unmut hervor.

Außerdem sieht sich die rechts-bürgerliche Regierung ein Jahr nach ihrem Amtsantritt gezwungen, Milliarden-Projekte wegen knapper Kassen auf den Prüfstand zu stellen. Das könnte auch die Rhein-Rhône-Verbindung betreffen, mit der die Strecke Lyon-Frankfurt von 7,5 Stunden auf 4 Stunden und 45 Minuten verkürzt werden soll.

Zwischen Paris und Straßburg schmilzt die Fahrtzeit nach jetziger Planung ab 2007 von vier auf zweieinhalb Stunden. Die zweite Ausbaustufe, die eine Verkürzung auf zwei Stunden brächte, steht aber völlig in den Sternen.

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(sueddeutsche.de/AFP)