Frankreich Geiselnahme im Arbeitskampf

Revolte in einer Sony-Fabrik nahe Bordeaux: Erboste Arbeiter haben den Frankreich-Manager des Konzerns vorübergehend als Geisel genommen. Sie revoltierten damit gegen die geplante Werksschließung.

In der Nähe von Bordeaux haben aufgebrachte Arbeiter einer Sony-Fabrik den Frankreich-Manager des japanischen Konzerns als Geisel genommen. Aus Protest gegen die Werksschließung hielten sie Serge Foucher und den Personalchef Roland Bentz seit Donnerstagabend fest.

Sony-Frankreich-Chef Serge Foucher (Mitte) verlässt das Werk in Pontox-sur-l'Adour, nachdem er die Nacht auf dem Betriebsgelände verbringen musste.

(Foto: Foto: AFP)

Die Arbeiter verlangten bessere Abfindungen, wenn das Werk Mitte April geschlossen werden soll. Am Freitagvormittag ließen sie Serge Foucher und weitere Sony-Vertreter frei, die sie über Nacht in der Fabrik in Pontonx-sur-l'Adour festgehalten hatten.

Den Arbeitern wurde zugesichert, dass die Manager an einer neuen Verhandlungsrunde teilnehmen würden. Erst am Vortag hatte der deutsche Reifenkonzern Continental die Wut von Arbeitern zu spüren bekommen, war aber relativ glimpflich davongekommen.

Der Besuch des Frankreich-Managers Foucher am Donnerstag sollte der letzte vor der endgültigen Schließung des Werks am 17. April sein. Sony wollte in der Fabrik zunächst statt Magnet-Bauteilen Sonnenkollektoren herstellen lassen, ließ den Plan dann aber fallen - zum Ärger der 311 Mitarbeiter, die auf einen Erhalt ihrer Arbeitsplätze gehofft hatte.

Höhere Abfindungen gefordert

"Wir wollen mit Würde behandelt werden", sagte Patrick Achaguer von der Gewerkschaft CGT. Neben höheren Abfindungen fordern die Arbeiter Fortbildungen sowie Hilfe bei der Suche neuer Jobs.

Den örtlichen Behörden zufolge blockierten die Arbeiter am Donnerstagabend die Zufahrt zur Fabrik mit Baumstämmen und schlossen die Manager in dem Werk ein. Behördenvertreter vermittelten, um einen Polizei-Einsatz und eine weitere Eskalation zu verhindern.

"Wir hoffen, dass wir dieses Mal gehört werden", sagte der Gewerkschaftsvertreter Patrick Hachaguer, als sich die freigelassenen Manager und die Arbeiter in Kleinbussen auf den Weg zu weiteren Verhandlungen machten.

Die Abfindungsangebote seien nicht ausreichend. Um neue Gespräche zu erzwingen, hätten sie keinen anderen Weg gesehen.

Zorn kocht hoch

In Frankreich kocht der Zorn hoch, weil die weltweite Wirtschaftskrise auch hier eine Welle von Fabrikschließungen und Massenentlassungen ausgelöst hat. Der hannoversche Autozulieferer Continental plant die Schließung des Werks Clairoix mit gut 1100 Beschäftigten.

Am Donnerstag hatten Arbeiter Manager beschimpft und mit Eiern beworfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte nach einem deutsch-französischen Regierungstreffen an, die Regierung werde sich die Schließung des Werks anschauen. "Wir werden noch einmal mit dem Unternehmen sprechen, ob es Zusagen gegeben hat, die eventuell nicht eingehalten worden sind", sagte Merkel.