Von Michael Kläsgen

Weil die Regierung Ernst machen will mit Reformen, steckt Frankreich im Streikchaos. Präsident Sarkozy kann nun zum Helden werden - vielleicht.

Man kann sie gar nicht alle aufzählen: Am Dienstag haben in Frankreich nicht mehr nur Eisenbahner und Busfahrer gestreikt, sondern auch Lehrer, Postbeamte, Angestellte von France Télécom, die Studenten wie seit zwei Wochen sowieso, aber auch Fluglotsen, Krankenpfleger und Zeitungsausträger. Letztere wollen es vorerst bei einem Tag belassen.

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Genauso wie die Staatsanwälte und Richter, die in der kommenden Woche den Aufstand proben. Den einen geht es um ihre Renten, den anderen um mehr Lohn und den Erhalt von Stellen, den Justizangestellten darum, dass nicht wie geplant viele kleine Gerichte auf dem Land geschlossen werden.

"Es liegt ein Hauch von Revolution in der Luft", titelte eine Regionalzeitung, die trotz des Druckerstreiks erschienen ist. Das war eher witzig gemeint und auf Hugo Chavez bezogen.

Venezuelas populistischer Präsident speiste am Dienstag mit Nicolas Sarkozy zu Mittag. Wenigstens Chavez hatte seinem französischen Kollegen etwas Erfreuliches mitzuteilen: Er wisse, dass die seit Jahren verschleppte franko-kolumbianische Geisel Ingrid Betancourt noch am Leben sei.

Lunch mit Chavez

Davon abgesehen ist es ein eher betrüblicher Tag für Sarkozy. Die Protestwelle gegen seine Sozialreformen hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Während er mit Chavez aß, versammelten sich in Paris, Marseille und anderen Städten Zehntausende Menschen zu Protestmärschen. Barrikaden brannten, jede zweite Schule stand leer, das öffentliche Leben lag im ganzen Land weitgehend lahm.

Schon am Morgen stauten sich wie seit einer Woche über Kilometer hinweg die Autos auf den Zufahrtsstraßen der großen Städte. "Um diese Uhrzeit hätte ich schon bei zwei Kunden sein müssen", sagte ein Lkw-Fahrer durch sein heruntergekurbeltes Fenster in Paris.

"Bei dem Verkehr brauche ich aber noch anderthalb Stunden, um bei dem ersten anzukommen". Unter der Erde, in den Metrostationen der Stadt, drängten sich die Menschen wie Sardinen an den Bahnsteigen.

Auch dort herrschte abermals so gut wie Stillstand, nur etwa jede fünfte Metro fuhr. Doch die Waggons waren so voll, dass kaum mehr jemand in sie hineinpasste.

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