Formel 1 BayernLB pokert mit Bernie Ecclestone

Szene aus dem Münchner Gerichtssaal: Bernie Ecclestone (Mitte) mit seinen Anwälten Sven Thomas (li.) und Norbert Scharf.

(Foto: Matthias Schrader/AP)

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will den gegen ihn laufenden Schmiergeldprozess heute mit einem Deal beenden. Auch bei den Streitigkeiten mit der BayernLB hofft er auf Einigung - gegen eine Zahlung von 25 Millionen Euro. Die Landesbank will aber mehr.

Von Klaus Ott

Bayerns Landesbank war mal ein solides Geldinstitut, bis man anfing, weltweit allzu riskante Geschäfte zu machen und dabei viele Milliarden Euro verlor. Der heutige Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler und seine Leute haben die wenig beneidenswerte Aufgabe, eine Altlast nach der anderen loszuwerden.

Diese Woche könnte das bei der Formel 1 gelingen, deren Hauptaktionär die BayernLB einst war. Renn-Boss Bernie Ecclestone will von gut 30 Millionen Euro, die er Mitte vergangenen Jahrzehnts mutmaßlich zu Unrecht von der weiß-blauen Staatsbank kassiert hat, 25 Millionen zurückzuzahlen.

Ecclestones Angebot gilt bis Freitag, am Dienstag berät der BayernLB-Vorstand. Die Chance, sich zu einigen, gilt als gut. Aus dem Umfeld der Landesbank ist zu hören, das werde voraussichtlich ganz pragmatisch gelöst. Nach dem Motto, lieber die 25 Millionen Euro nehmen und vielleicht noch etwas mehr herausholen, als sich jahrelang teuer bei Gericht streiten. Auf die Gefahr hin, am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Ecclestone soll 100 Millionen Dollar zahlen

Eine schnelle Lösung wäre auch im Sinne von Ecclestone. Dessen Schmiergeldprozess in München soll gegen Zahlung von 100 Millionen Dollar (75 Millionen Euro) an die Staatskasse eingestellt werden. Gelingt es dem Renn-Boss, den Streit mit der Landesbank ebenfalls beizulegen, dann ist er sämtlichen Ärger in Deutschland los.

Die BayernLB fühlt sich von Ecclestone betrogen und hat bereits vor Längerem 400 Millionen Dollar Schadensersatz verlangt. Begründung: Die Landesbank hätte ihre Formel-1-Anteile Mitte vergangenen Jahrzehnts viel besser und teurer veräußern können, wenn der Renn-Boss nicht den damaligen Bank-Vorstand Gerhard Gribkowsky bestochen hätte. Zudem habe Ecclestone auf Betreiben von Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Aktien auch noch mehr als 30 Millionen Euro Provision bekommen, obwohl es gar keinen Grund dafür gegeben habe.

Die alte Forderung in Höhe von 400 Millionen Euro ist inzwischen nicht mehr aus der BayernLB zu hören. Beim Münchner Prozess gegen Ecclestone haben sich dafür schlicht und einfach keine Anhaltspunkte ergeben. Bleibt also die fragwürdige Provision von gut 30 Millionen Euro. Vor zwei Jahren hatte der Renn-Boss angeboten, dieses Geld zurückzuzahlen, plus Zinsen. Das wären dann nahezu 40 Millionen Euro gewesen.

Gribkowsky-Geld soll zu Ecclestones Gunsten berücksichtigt werden

Jetzt will Ecclestone aber nur 25 Millionen Euro überweisen, weil die BayernLB mittlerweile Schadensersatz von Gribkowsky kassiert hat. Das Gribkowsky-Geld müsse man, sagt der Formel-1-Chef, zu seinen Gunsten berücksichtigen.

Auf diese Rechnung will sich die Landesbank offenbar nicht einlassen. Der Milliardär Ecclestone, so das Kalkül, werde es an einigen Millionen Euro nicht scheitern lassen. Käme es so, dann hätte die BayernLB ein weiteres Problem gelöst. Zuletzt war es gelungen, die Budapester Tochterbank MKB, die nur Sorgen bereitete, an den Staat Ungarn zu verkaufen. Ungeklärt ist aber immer noch der Streit mit Österreich, wer in welchem Umgang für die Altlasten der Hypo Alpe Adria aufkommt, die einst der BayernLB gehörte. Hier geht es um Milliardenbeträge.