Von Caspar Dohmen

Während der Rivale Opel ums Überleben kämpft, steckt Ford 200 Millionen Euro in sein Kölner Motorenwerk und sichert so Hunderte von Arbeitsplätzen.

Es geschieht in diesen Wochen und Monaten selten, dass Automanager positive Nachrichten im Gepäck haben. Umso überraschender war daher der Auftritt von Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes bei der Betriebsversammlung des Konzerns in Köln. Seine Botschaft war klar: Ein Personalabbau bei dem Autobauer in Deutschland ist kein Thema. Für die Arbeiter war es ein bewegender Moment. Mattes stand auf einem Podest, hinter ihm auf einem großen blauen Tuch stand das Fordemblem in weißer Schrift. Beifall brandete auf, als der Manager in nüchternen Worten eine Nachricht verkündete, auf welche die Beschäftigten im größten europäischen Ford-Werk sehnlichst gehofft hatten. "Ich freue mich ihnen mitzuteilen, dass die Zukunft des Kölner Motorenwerks gesichert ist", sagte Mattes.

Ford, Köln, AP

Die Ford-Standorte Saarlouis und Köln sind gerettet. (© Foto: AP)

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Und er kündigte an, dass nach dem Auslaufen der V6-Motorenproduktion das Werk einen neuen sparsamen Motor für Kleinwagen bauen und einen dreistelliger Millionenbetrag in das Kölner Motorenwerk investieren werde. Die nordrhein-westfälische Landesregierung sprach von 200 Millionen Euro, die Ford investiere. Zurzeit arbeiten 17.500 Menschen auf dem weitverzweigten Gelände, mehr als 700 davon in dem Motorenwerk. Im Werk Saarlouis können die Mitarbeiter ebenfalls aufatmen: Sie sollen die neue Generation des Ford Focus bauen. "Diese Entscheidungen sichern in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Zukunft beider Standorte", sagte Gesamtbetriebsratschef Dieter Hinkelmann.

Kompromiss zahlt sich aus

Er hatte sein Jackett abgelegt, bevor er an das Mikrofon trat. Dann erinnerte Hinkelmann daran, wie schwierig es gewesen sei, dass europäische Management von Ford umzustimmen. Schließlich hätten sich diese grundsätzlich schon für eine Verlagerung der Motorenproduktion nach Rumänien entschieden. Das war Ende 2007. Damals kalkulierte Ford damit, dass die Produktion eines neuen benzinsparenden Motors in Köln eine halbe Milliarde Euro mehr kosten würde als in Rumänien. Ähnlich äußerte sich damals der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöfer von der Universität Essen-Duisburg.

Nach harten, langen Verhandlungen einigten sich Unternehmen und Betriebsrat nun auf einen Kompromiss: Köln bekommt die Federführung bei den so genannten EcoBoost-Motoren, ab 2011 soll hier die Produktion mit jährlich 350.000 Stück starten. Ein Jahr später beginnt dann die Produktion im rumänischen Craiova. Bislang bauen die Kölner den V6-Motor fast ausschließlich für Fahrzeuge wie Mustang und Ranger in den USA. Die Nachfrage nach diesen Wagen mit einem hohen Benzinverbrauch ist aber rapide eingebrochen. Lieferten die Kölner in Spitzenzeiten 680.000 Motoren jährlich in die USA, sind es nun nur noch 150.000 Stück.

Heile Autowelt

Noch am Montagmorgen hatte Mattes den nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) über die Entscheidung informiert. Rüttgers reagierte prompt und verbreitete die Nachricht, bevor der Unternehmenschef die Mitarbeiter informieren könnte. "Die Investition von 200 Millionen Euro sichert Arbeitsplätze und hilft in der Krise", sagte Rüttgers, der sich auch um die Rettung von Opel sorgen muss. Mattes zufolge habe es keinen Einfluss der Landesregierung auf die Entscheidung gegeben. Im Gegenteil. "Das war eine unternehmerische Entscheidung", sagte Mattes.

Überhaupt ist sie in Köln noch heil, die Autowelt. Dank der staatlichen Abwrackprämie stieg die Nachfrage nach dem neuen Fiesta derart an, dass statt der ursprünglich geplanten Kurzarbeit nun Sonderschichten gefahren werden. "Wir können in Köln produzieren, als ob es keine Krise gäbe", sagte Hinkelmann. 2008 wurden in Deutschland 241.400 Autos verkauft, 2,7 Prozent mehr als 2007. Und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres verzeichnete das Unternehmen mehr als doppelt so viele Pkw-Bestellungen wie im Vergleichszeitraum. Bei den Kleinwagenmodellen Fiesta, Fusion und Ka versechsfachte sich der Auftragseingang sogar. Unvermeidlich dürfte dagegen ein Arbeitsplatzabbau im spanischen Valencia sein. Dort will Ford die Produktion bereits im Mai vom Drei-Schicht- auf Zwei-Schicht-Betrieb umstellen.

Hinkelmann machte unmissverständlich klar, dass für das Schicksal von Ford in Europa die Entwicklung in den USA entscheidend sei. Ford kämpft in den USA mit der allgemeinen Autoabsatzkrise, einem riesigen Schuldenberg. 2008 gab es einen Rekordverlust von knapp 15 Milliarden Dollar.

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(SZ vom 17.03.2009/tob)