Folgen der Konjunkturkrise Siemens sagt Osram-Börsengang ab

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten durchkreuzen die Pläne von Siemens: Der Elektrokonzern hat den Börsengang seines Tochterunternehmens Osram abgesagt. Stattdessen will er Osram-Anteile direkt an seine Aktionäre weitergeben. Auch in der Bilanz hinterlässt die Konjunkturkrise inzwischen deutliche Spuren. Der Konzern muss sparen.

Der Beleuchtungshersteller Osram geht nun doch nicht an die Börse. Die Erstnotiz des Tochterunternehmens von Siemens sollte ursprünglich im Herbst erfolgen. Noch vor drei Wochen hatte Siemens-Vorstandschef Peter Löscher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt, die Absicht, Osram an die Börse zu bringen, sei "unverändert". Doch angesichts der unsicheren Lage an den Finanzmärkten hat Löscher nun seine Meinung geändert.

Stattdessen will Siemens im kommenden Jahr Osram an seine Aktionäre abgeben. Die Aktien der Licht-Tochter sollen dann als Teil der Siemens-Jahresdividende an die Investoren ausgeschüttet werden. Als "Ankeraktionär" werde Siemens aber weiterhin an Osram beteiligt bleiben.

Im vergangenen Quartal hat Siemens, Europas größter Elektrokonzern, seinen Umsatz um zehn Prozent auf 19,5 Milliarden Euro gesteigert, der Gerinn kletterte um 70 Prozent auf 850 Millionen Euro - und lag damit aber deutlich unter den Erwartungen. Ursache dafür waren auch Abschreibungen von 443 Millionen Euro bei Osram, die die Unternehmenstochter selbst sogar in die roten Zahlen rutschen ließen. Der Auftragseingang bei Siemens sank um 23 Prozent - im Vorjahr hatte der Konzern mit dem Bau des neuen Schnellzugs ICx der Deutschen Bahn allerdings auch den größten Auftrag in der Konzerngeschichte erhalten.

Nun sieht Löscher die ursprünglichen Geschäftsziele in Gefahr: "Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen", sagte er. "Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind, vor allem in den industriellen kurzzyklischen Geschäften", erklärte er. Kurzzyklische Geschäfte, das sind zum Beispiel Elektromotoren und Steuerungsanlagen für die Industrie. Mit Antriebs- und Automatisierungstechnik macht Siemens ein Drittel seines Gewinns.

Die Siemens-Belegschaft muss sich nun auf Einschnitte gefasst machen. Die Wachstumsstrategie des Konzerns konzentriere sich "auf die Verbesserung von Kosten, Produktivität, Effizienz und Prozessen", sagte Löscher. Wie Siemens die Umsatzschwelle von 100 Milliarden Euro in absehbarer Zeit ohne größere Zukäufe erreichen will, ist Experten ein Rätsel. Zuletzt erlösten die Münchner im Jahr knapp 74 Milliarden Euro.