Von Nikolaus Piper

Starke Abschwächung in den USA: Die amerikanische Wirtschaft hat im Vorjahr das schwächste Wachstum seit fünf Jahren erzielt.

Die internationale Finanzkrise zieht immer weitere Kreise. Das US- Wirtschaftswachstum ist überraschend deutlich eingebrochen. Aus 4,9 Prozent im dritten Quartal 2007 wurden 0,6 Prozent im vierten Quartal. Die UBS, der größte Vermögensverwalter der Welt, muss 12,4 Milliarden Euro abschreiben.

US-Börse: Vor der US-Zinsentscheidung eröffnete die Wallstreet nur mit leichten Verlusten. (© Foto: dpa)

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Analysten hatten für die letzten drei Monate des abgelaufenen Jahres zwar mit einem Rückgang des amerikanischen BIP gerechnet, jedoch im Durchschnitt nur auf eine Rate von etwa 1,2 Prozent. Der scharfe Rückgang zum Jahresende bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten im ganzen Jahr 2007 nur noch um 2,2 Prozent zugelegt hat - das schwächste Wachstum seit fünf Jahren.

Wichtigste Ursache für den Rückgang ist ein scharfer Einbruch beim Wohnungsbau als Konsequenz aus der anhaltenden Immobilien- und Hypothekenkrise. Die Ausgaben für neue Häuser gingen um nicht weniger als 25 Prozent zurück. Eine derartige Branchenkrise in der Wohnungswirtschaft hatte es in den USA zuletzt vor 26 Jahren gegeben.

Experten reagierten erleichtert

Außerdem haben die Unternehmen deutlich weniger in die Lagerbildung investiert, ein Zeichen für rückläufige Absatzerwartungen. Dagegen haben der private Konsum, der Gewerbebau, der Export und die Anlageinvestitionen weiterhin zum Wachstum der amerikanischen Wirtschaft beigetragen. Der Absatz dauerhafter Konsumgüter stieg sogar überraschend stark um 4,2 Prozent.

Daher reagierten Experten überwiegend erleichtert auf die neuen Zahlen."Die gute Nachricht ist: Der Einbruch im Wohnungsbau ist nicht auf andere Branchen übergesprungen", sagte Torsten Slok, Volkswirt bei der Deutschen Bank in New York. "Eine Rezession ist jetzt unwahrscheinlicher geworden."

Die Notenbank hatte schon vor ihrer regulären Sitzung in einer überraschenden Aktion am Dienstag voriger Woche den Leitzins um 0,75 Punkte auf 3,5 Prozent gesenkt. In einem weiteren Schritt zur Verhinderung einer Rezession verabschiedete das demokratisch dominierte Repräsentantenhaus am Dienstag mit überwältigender Mehrheit ein Konjunkturprogramm über 146 Milliarden Dollar, das Präsident George Bush vorgelegt hatte.

Inflationsdruck steigt

Vor dem Hintergrund des laufenden Präsidentschaftswahlkampfes bemühen sich Demokraten und Republikaner um Pragmatismus bei der Krisenbewältigung. Trotzdem gilt es als sicher, dass der ebenfalls von den Demokraten beherrschte Kongress noch ein eigenes, teureres Konjunkturpaket verabschieden wird. Wann welche Steuernachlässe und Ausgabenprogramme umgesetzt werden können, ist daher noch offen.

Während Notenbank und Regierung versuchen, eine Rezession abzuwenden, nimmt gleichzeitig der Inflationsdruck in der amerikanischen Wirtschaft zu. Wie das Handelsministerium berichtete, stiegen die Verbraucherpreise im vierten Quartal um 3,9 Prozent nach einem Plus von 1,8 Prozent in den drei Monaten zuvor.

Die von der Notenbank besonders beachtete Kerninflationsrate, aus der die saisonal schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie ausgeschlossen sind, stieg um 2,7 Prozent nach 2,0 Prozent im dritten Quartal.

Unterdessen musste die schweizerische Großbank UBS mit 12,4 Milliarden Euro inzwischen ähnlich schlimme Schäden einräumen wie die beiden US-Finanzkonzerne Citigroup und Merrill Lynch - ein Desaster, wie es der Bankenplatz Schweiz noch nicht erlebt hat.

In Frankreich wiederum bleibt auch nach dem Milliardenverlust bei der Société Générale Bankenchef Daniel Bouton im Amt. Trotz aller Kritik sprach der Verwaltungsrat der Bank ihm "einstimmig" das Vertrauen aus, wie ein Sprecher der Bank in Paris mitteilte. Der angeschlagenen Bank könnte eine feindliche Übernahme drohen.

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(SZ vom 31.01.2008/ckn)