Ein Kommentar von Martin Hesse

20 Regierungschefs beraten über eine globale Finanzordnung. Doch Moral und Weitsicht lassen sich nicht verordnen. Die Branche braucht gute Regeln - und verantwortungsvolle Akteure.

Die Welt blickt an diesem Wochenende nach Washington. 20 Regierungschefs beraten dort über eine globale Finanzordnung. Sie soll verheerende Verwerfungen verhindern, wie sie die Bankenkrise ausgelöst hat. Die Erwartungen sind hoch, doch es wäre schon ein Erfolg, könnten sich die G 20 auf ein gemeinsames Ziel und den Weg dorthin einigen.

Stiller Protest: Oxfam-Mitglieder geißeln das Verhalten der führenden Staats- und Regierungschefs in Zeiten der Finanzkrise. (© Foto: AFP)

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Rechtsrahmen für die Finanzwelt

Das Ziel sollte sein, eine Art Verfassung für die Finanzwelt zu schreiben. Märkte sind eine demokratische Veranstaltung. Wie eine starke Demokratie brauchen sie einen Rechtsrahmen und Institutionen, die darauf achten, dass er eingehalten wird. Doch noch etwas gilt für Demokratie und Marktwirtschaft gleichermaßen: Sie funktionieren nur gut, wenn ihre Akteure sich verantwortungsvoll verhalten. Zu diesen Akteuren zählen aber nicht nur Bankchefs und Hedgefonds-Manager, sondern alle Bürger.

Zunächst zu den Regeln. Die Verwerfungen der vergangenen Monate zeigten, dass Finanzmärkte ohne Regeln auf Dauer nicht funktionieren. Die soziale Marktwirtschaft in Deutschland basierte auf der Erkenntnis des Ökonomen Walter Eucken, dass die Wirtschaft in eine Staats- und Rechtsordnung eingebettet sein sollte. Der deutsche Ordnungsrahmen funktionierte im nationalen Maßstab über Jahrzehnte insgesamt gut. Doch die Wirtschaft hat sich seit den neunziger Jahren rapide globalisiert, und vor allem in der Finanzwelt sind viele neue Produkte und Akteure aufgetaucht.

International lässt sich ein geschlossener Ordnungsrahmen nicht so leicht zimmern wie im Nationalstaat. Für die Finanzmärkte gibt es ein solch globales Regelwerk überhaupt nicht. Manche Bereiche sind noch nicht einmal auf nationaler Ebene reguliert. Angela Merkel fordert zu Recht, es dürfe keine "blinden Flecken mehr geben, in deren Schutz sich Risiken unbeobachtet aufbauen".

Globale Aufsicht

Merkel ist mit Vorschlägen zum Gipfel gereist, die in die richtige Richtung gehen. Sie orientieren sich an Euckens Maxime, dass der Staat die Wirtschaftsordnung gestalten, nicht aber übermäßig selbst ins Geschehen eingreifen sollte. Ratingagenturen und Hedgefonds staatlicher Aufsicht zu unterwerfen und ihnen wie auch den Banken mehr Transparenz abzuverlangen ist klug. Strangulieren sollte man sie aber nicht. Regulierte Banken, nicht Hedgefonds haben in dieser Krise den größten Schaden angerichtet. Besonders dringlich ist es daher, die Aufsicht über Banken und Investoren zu verbessern. Sinnvoll wäre langfristig eine globale Behörde, der die nationalen Institutionen zuarbeiten. Nach diesem Prinzip funktioniert beispielsweise das europäische Zentralbankensystem.

Lesen Sie weiter, was Bankchefs und Kleinanleger lernen müssen

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