Die Börsen im Aufruhr, die Wirtschaft im Abschwung: Wer trägt Schuld an der Finanzkrise? Wer ist verantwortlich für Milliardenverluste und Existenzängste?
Schnell wird mit dem Finger auf gierige Banker, säumige Aufsichtsbehörden und skrupellose Ratingagenturen gezeigt. Das globale Finanzsystem sei auf Vertrauen gebaut, glaubt Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank. Schwindet das Vertrauen, gerät das System unter Stress.
Banger Blick auf den Monitor: Wie entwickeln sich die Kurse an den Börsen? (© Foto: AFP)
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Hinter all diesen Thesen verbirgt sich die Annahme, dass die Weltwirtschaft im Grunde solide ist, dass mit weniger Gier und mehr Vertrauen bald alles gut wird und die Konjunktur zur gewohnten Stärke zurückfindet. Deshalb wird so enorm viel Geld in wackelige Banken - und bald wohl auch in marode Unternehmen - gepumpt, damit die Volkswirtschaften eine tiefe Rezession vermeiden.
Mehr und mehr Ökonomen fragen allerdings, ob da nicht die falsche Medizin verordnet werde - ja schlimmer noch: Ob die Krankheit richtig erkannt worden sei. Vielleicht ist der Stress in der Bankenwelt nicht Ursache des Übels, sondern nur ein Symptom der Krise, ein Warnsignal, das auf tieferliegende Gefahren hinweist: auf die gewaltigen Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, in den Handels- und Finanzströmen, die rund um den Globus fließen.
"Ökonomisches Armageddon"
Einer der Experten, die sich schon früh den Kopf darüber zerbrochen haben, ob das wilde Auf und Ab an den Kapital-, Devisen- und Immobilienmärkten etwas mit den makroökonomischen Ungleichgewichten zu tun hat, ist Stephen Roach, ehemals Chefökonom der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley. Er warnt schon seit Jahren, dass die Welt aus der Balance gerate und ein "ökonomisches Armageddon" drohe.
Denn die USA führen jeden Tag weit mehr Waren und Dienstleistungen ein als aus. Das Land gibt mehr Geld aus, als es einnimmt. Dafür überschwemmt Amerika die Welt mit jeder Menge Dollar. Das Geld türmt sich in jenen Ländern, die Amerika beliefern, vor allem in China, Japan und anderen asiatischen Volkswirtschaften. Die Globalisierung hat zu extremen Leistungsbilanzüberschüssen in Asien und einem 731 Milliarden Dollar schweren Defizit in den USA geführt. "Die globalen Ungleichgewichte haben entscheidend zur Verschuldungs- und Finanzkrise beigetragen", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.
Nach der Asienkrise vor elf Jahren, haben viele Länder dafür gesorgt, dass ihre Währungen unterbewertet bleiben, um den Export anzukurbeln. In der Folge häuften sie riesige Leistungsbilanzüberschüsse und Devisenreserven an. Da die heimische Bevölkerung lieber brav sparte, als fröhlich zu konsumieren, und Investitionen in Infrastruktur, Umwelt und Bildung zu kurz kamen, blieben jede Menge Dollar übrig, die vorzugsweise in amerikanische Staatsanleihen gesteckt wurden. Das brachte zwar nur eine lächerliche Rendite. Es half aber, den Dollar zu stabilisieren und die eigene Währung zu schwächen. Die gigantische Nachfrage Chinas nach Dollar-Staatsanleihen hielt nicht nur die eigene Währung unten, sondern auch die Anleihezinsen in den USA niedrig.
Vor allem aber erlaubte dieser Kreislauf Amerika, mit dem geborgten Geld in unerhörter Weise zu konsumieren und wiederum chinesische Waren zu kaufen. Seit langem leben die Vereinigten Staaten auf Pump, Regierung und Verbraucher häuften einen gigantischen Schuldenberg an, um zu kaufen, was sie sich eigentlich gar nicht leisten konnten, was sie nicht erwirtschaftet hatten. Geliehen hat man sich das Geld im Ausland. Das war ein Leichtes, weil die USA die Vorteile des Dollars als Weltwährung zu nutzen wussten: Wer die Leitwährung druckt, kann sich günstig verschulden. Und so saugt Amerikas kolossales Leistungsbilanzdefizit drei Viertel der weltweiten Ersparnisse auf.
Lesen Sie weiter, warum der kreditfinanzierte Boom im Westen möglich war.
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Erster Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank
Amerika...
Amerika, du hast es gut,
man trägt dort nicht Zylinderhut,
nur Uncle Sam - macht alles recht
und was er sagt, ist niemals schlecht.
Alles ist great! Das muß so sein?
Ist dir zum Heulen, you feel fine.
Nur für die Armen, Schwachen, Alten
ist es bei dir nicht auszuhalten.
Amerika, du hast`s noch besser,
bei dir gibt`s keine Menschenfresser,
denn die sind alle längst im Knast,
Elektrostuhl nimmt dir die Last.
Amerika, du bist das Größte,
das sage ich, weil ich dich tröste,
die ganze Welt hast du am Zaum,
und alles folgt dir, wie im Traum.
Doch ist dein Dollar schon ganz schwach,
dein Militär nur Ach und Krach,
dein Umweltschutz ist zum Vergessen,
auf Religion bist du versessen.
Es sind nicht nur des Geldes Werte,
die hier noch zählen auf der Erde.
Ersetzt die Show die Ehrlichkeit,
ist`s mit Kultur nicht all zu weit.
Amerika, du brauchst die Wende,
bei dir ist Anfang schon vom Ende,
Es kann nicht nur die Freiheit sein,
auch Menschlichkeit gehört hinein.
Du hast die Zukunft nur gepachtet,
hast deine Armen stets verachtet,
dein Geld ist Tand, nicht Gottes Lohn,
es wartet schon Revolution.
Ortolan 14.12.2007
Sie werden aber nur dann im Inland zu mehr Beschäftigung kommen, wenn die Leute mehr Geld in der Tasche haben.
Versuchen Sie doch bitte als Arbeitnehmer, eine Stunde in einer Autowerkstatt zu bezahlen. Für 80 Brutto auf der Rechnung müssen Sie als Normalverdiener mit 3000 Brutto, Frau und Kind (=2150 Netto bzw. 13,50 Netto, bzw. 3700 Arbeitskosten) etwa 6 Stunden arbeiten. Von den 80 Euro auf der Rechnung kommen nach MWST etwa 67 im Betrieb an. Der Mechaniker mit ebenfalls 3000 Brutto bzw. 3700 Arbeitskosten incl. aller Arbeitgeberbeiträge kostet etwa 23/h. Wovon diesem 13.50 bleiben.
Also in der direkten Wertschöpfungskette Richtung Handwerker müssen Sie selbst 137 erarbeiten, damit Ihnen 80 Netto ausbezahlt werden. Formal kommen 23 beim Mechaniker an, wovon dem 13.50 ausbezahlt werden. Auch wenn man anfallende Arbeit wie Werkstatt aufräumen und warten auf den nächsten Auftrag (nicht vom Kunden bezahlt, aber anteiling in den Preisen enthalten) einrechnet, ist die Quote von Brieftasche zu Brieftasche grausig.
@Ankur:
Sie haben mich missverstanden. Mein Beitrag zielte genau darauhin ab. Mit Mehrzahl der Bevölkerung sind natürlich die Klein- und Mittelständischen Unternehmen und deren Arbeitnehmer gemeint. Die hatten in Summe nichts von den enormen Produktivitätszuwächsen (erwähnenswert z. B. die Computerrevolution).
Im BIP werden sie diese internationalen Gewinne nie finden (schon alleine daher, dass man Verluste im Ausland mit Gewinnen im Inland gegenrechnen kann. Was glauben sie, was Multinationale Konzere machen?)
Bitte jetzt nichts mit billigen Waren antworten. Wenn die Ware hier produziert worden wäre, wäre auch das Lohnniveau höher.
Daher schrieb ich auch: "immenser Gewinne für einen kleinen Teil der Beölkerung zwar zugelassen.."
Was in diesem Artikel leider ziemlich unter den Tisch fällt: Auch unsere Volkswirtschaft ist am Ungleichgewicht beteiligt: Exportweltmeister und seit Jahrzehnten (ausser zwei Jahre nach der Wiedervereinigung) Handelsbilanzüberschüsse.
Seit Jahren wird uns aber gepredigt, wir - das heisst alle ausser den Managern und Kapitalbesitzern - müssten Opfer bringen, damit das so bleibt. Dabei wurde, wie beschrieben, dadurch nur ein Ungleichgewicht erschaffen, das nun, wie es die Theorie der Marktwirtschaft fordert, zusammenbricht.
Merke: Nicht die Marktwirtschaft ist in einer Krise - sondern die, die über Jahre blödsinnige Theorien vertraten - aber jetzt wieder als "Experten" auftreten. Warum werden die immer noch gehört - der einzige der einigermassen richtige Prognosen ablieferte, G. Horn, wurde von seinem neuen Chef, Herrn Hüther, wenn ich nicht irre, rausgeschmissen. Vielleicht sollte man die anderen, ausser Bofinger, rausschmeissen und durch Horn ersetzen. Das wäre ein Ersatz von Ideologie durch Qualität.
Wir brauchen nämlich eine Wirtschaft, in der Vollbeschäftigung ohne Exportüberschüsse möglich ist. Aber diese Ansatz ist für unsere beliebten Experten und Wirtschaftsfunktionäre völlig undenkbar.
Dummerweise stützt die Entwicklung des BIP und die Entwicklung der Lohnsummen nicht Ihre These von riesigen Gewinnen. Es mag sein, dass sich manche Unternehmen wie die Energieversorger eine goldene Nase verdienen, aber viele Mittelständler und Kleinbetriebe leben von der Hand in den Mund und verfügen nicht über riesige Rückstellungen. Letzte sind dummerweise die breite Masse, bei dem die Mehrzahl aller Angestellten beschäftigt ist.
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