Folgen der Euro-Krise Deutsche Exporte brechen dramatisch ein

Mit etwas Verzögerung trifft die Krise nun auch den deutschen Außenhandel: Die Exportumsätze hierzulande sind im September so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. In den kommenden Monaten drohen neue Gefahren.

Die negativen Auswirkungen der Euro-Krise kommen in Deutschland mit Verzögerung an. So zeigt sich zum Beispiel der Arbeitsmarkt bisher relativ robust, auch in der Exportwirtschaft sah es bis zuletzt einigermaßen gut aus. Doch jetzt trifft die Krise auch den deutschen Außenhandel: Der Exportumsatz ist im September wegen der schwachen Nachfrage aus den Ländern der Euro-Zone so stark eingebrochen wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr.

Die Ausfuhren sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent auf 91,7 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Das ist der stärkste Rückgang im Jahresvergleich seit November 2009", sagte ein Statistiker der Nachrichtenagentur Reuters. Verglichen mit August 2012 fielen die Ausfuhren um 2,5 Prozent. Ökonomen hatten für September lediglich mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet.

Grund für die schlechten Zahlen ist die Rezession in vielen Euro-Ländern. "Die europäische Schuldenkrise wirft ihre Schatten auf den deutschen Außenhandel", sagte der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner. Die Exporte in die 17 Staaten der Euro-Zone brachen um 9,1 Prozent ein, die in alle EU-Länder um 7,0 Prozent. Dagegen legten die Ausfuhren in Drittländer wie die USA oder China um 1,8 Prozent zu.

Ein besonders großes Umsatzminus mussten die deutschen Autohersteller hinnehmen. Die Umsätze der Kfz-Industrie blieben 7,4 Prozent hinter dem Vormonat zurück. Die Erlöse der Autoindustrie im Euro-Ausland sanken sogar um 9,8 Prozent. Überdurchschnittlich war auch die Elektronikindustrie betroffen, die im Geschäft mit anderen Eurostaaten 5,3 Prozent weniger umsetzte.

Neue Gefahren in den nächsten Monaten

"Die Einbrüche schmerzen, aber sie haben nicht das Niveau aus der Finanzkrise", so Börner. Andere Experten reagierten kritischer auf die neuesten Zahlen: "Die Schuldenkrise ist in Deutschland angekommen", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Auch in den kommenden Monaten müssten sich die Unternehmen auf ein schwieriges Geschäft einstellen.

"Das wird sich auch in den kommenden Monaten in schwächeren Exporten niederschlagen", befürchtet Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. Das sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ähnlich. "Die Hoffnung ist aber, dass Europa die Talsohle erreicht hat", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Bis sich das in den Exporten niederschlägt, dauert es aber noch ein bisschen."

Auf der anderen Seite bauen sich neue Gefahren auf. "Ein Risiko sind die USA. Dort laufen die Geschäfte bislang sehr gut - vor allem wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit und der sich stabilisierenden Häuserpreise", sagte Treier. "Sollte es aber zum Jahresbeginn zu automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen kommen, kann das die Wirtschaft belasten. Das nächste Jahr wird also zäh."