Förderung der Kurzarbeit Schluss mit der Medizin

Die Kurzarbeit war ein wirksames Mittel zur richtigen Zeit. Doch für eine Verlängerung gibt es keinen vernünftigen Grund

Ein Kommentar von Alexandra Borchardt

In den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung zur Bewältigung der Wirtschaftskrise war die Kurzarbeit ohne Zweifel eine der besseren Ideen. Sie hat dafür gesorgt, dass viele Unternehmen Mitarbeiter auch in den schwersten Zeiten halten konnten - und dass sämtliche Konjunkturforscher mit ihren Prognosen zum Anstieg der deutschen Arbeitslosigkeit weit daneben lagen. Man könnte sagen, die Kurzarbeit war eine wirksame Medizin zur richtigen Zeit.

Doch jede gute Medizin hat Nebenwirkungen. So muss ein Antibiotikum zwar ausreichend lange eingenommen, darf aber keinesfalls überdosiert werden. Um unerwünschte Langzeitschäden zu vermeiden, muss es der Patient in gebührender Zeit nach Abklingen der Symptome absetzen.

Genauso verhält es sich mit der Kurzarbeit. Die akuten Symptome der Krise sind bei den meisten Unternehmen abgeklungen. Viele haben es - auch aus eigener Kraft - besser durch das Tal geschafft, als so mancher Aufschrei es zunächst hatte befürchten lassen. Für dieses und das kommende Jahr erwarten Wirtschaftsforscher schon wieder ein Wachstum, das im langjährigen Vergleich ansehnlich ist.

Es gibt also keinen vernünftigen Grund, Firmen bis zum Frühjahr 2012 (!) finanziell dafür zu belohnen, ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Dies hilft nur den Unternehmen, die es in der Krise versäumt haben, neue Märkte zu suchen, innovative Produkte zu entwickeln und Kosten zu senken. Es behindert also den Strukturwandel, den Deutschland im weltweiten Wettbewerb braucht. Nur chronisch Kranke sind auch in guten Zeiten auf Medizin angewiesen. Chronisch kranke Firmen sollte sich die Wirtschaft aber nicht allzu lange leisten.