Die Kurzarbeit war ein wirksames Mittel zur richtigen Zeit. Doch für eine Verlängerung gibt es keinen vernünftigen Grund
In den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung zur Bewältigung der Wirtschaftskrise war die Kurzarbeit ohne Zweifel eine der besseren Ideen. Sie hat dafür gesorgt, dass viele Unternehmen Mitarbeiter auch in den schwersten Zeiten halten konnten - und dass sämtliche Konjunkturforscher mit ihren Prognosen zum Anstieg der deutschen Arbeitslosigkeit weit daneben lagen. Man könnte sagen, die Kurzarbeit war eine wirksame Medizin zur richtigen Zeit.
Das Instrument Kurzarbeit hat den Arbeitsmarkt gerettet. (© Foto: ddp)
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Doch jede gute Medizin hat Nebenwirkungen. So muss ein Antibiotikum zwar ausreichend lange eingenommen, darf aber keinesfalls überdosiert werden. Um unerwünschte Langzeitschäden zu vermeiden, muss es der Patient in gebührender Zeit nach Abklingen der Symptome absetzen.
Genauso verhält es sich mit der Kurzarbeit. Die akuten Symptome der Krise sind bei den meisten Unternehmen abgeklungen. Viele haben es - auch aus eigener Kraft - besser durch das Tal geschafft, als so mancher Aufschrei es zunächst hatte befürchten lassen. Für dieses und das kommende Jahr erwarten Wirtschaftsforscher schon wieder ein Wachstum, das im langjährigen Vergleich ansehnlich ist.
Es gibt also keinen vernünftigen Grund, Firmen bis zum Frühjahr 2012 (!) finanziell dafür zu belohnen, ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Dies hilft nur den Unternehmen, die es in der Krise versäumt haben, neue Märkte zu suchen, innovative Produkte zu entwickeln und Kosten zu senken. Es behindert also den Strukturwandel, den Deutschland im weltweiten Wettbewerb braucht. Nur chronisch Kranke sind auch in guten Zeiten auf Medizin angewiesen. Chronisch kranke Firmen sollte sich die Wirtschaft aber nicht allzu lange leisten.
(SZ vom 19.04.2010/mel)
Wenn es um wirtschaftliche und vor allem volkswirtschaftliche Zusammenhaenge geht weiss man bei der SZ oft nicht mehr ob man lachen oder weinen soll.
"Für dieses und das kommende Jahr erwarten Wirtschaftsforscher schon wieder ein Wachstum, das im langjährigen Vergleich ansehnlich ist."
Ob im "langjährigen Vergleich ansehnlich" oder nicht; entscheidend ist vielmehr der Vergleich diese Wachstums mit dem Einbruch der letzten zwei Jahre. Und da duerfte fuer viele Unternehmen trotz dieses Wachstums die Vor-Finanzkrise Umsaetze noch nicht erreicht sein. Die Belegschaft ist allerdings, nicht zuletzt aufgrund der Kurzarbeit, noch auf dem selben Stand wie vor der Krise.
"...Firmen bis zum Frühjahr 2012 (!) finanziell dafür zu belohnen..."
Belohnen? Welche Firma wird hier "belohnt"? Kurzarbeit sorgt dafuer dass tausende von Arbeitsplaetzen erhalten bleiben und zugleich der Effekt auf das Einkommen der betroffenen Arbeitnehmer gemildert wird. Wo ist hier eine wie auch immer geartete Belohnung?
"Dies hilft nur den Unternehmen, die es in der Krise versäumt haben, neue Märkte zu suchen, innovative Produkte zu entwickeln und Kosten zu senken."
Meine Guete, aus McKinsey's annual report abgeschrieben?
"Chronisch kranke Firmen sollte sich die Wirtschaft aber nicht allzu lange leisten."
Soso. Seltsamerweise kann sich die "Wirtschaft" aber zugleich dutzende von chronisch kranken Banken leisten, siehe HRE und so ziemlich alle LBs. Und das beruecksichtigt noch nicht mal die Schaffung der sog. bad banks die per definitionem chronisch krank sein werden.
Ich dachte, genau das habe die sog. Regierung beschlossen? Aber darueber berichtet die SZ ja nicht, genauso wenig wie ueber die anderen Absprachen der Koaltition wie zB Zwangsarbeit und dergl.
Ist wahrscheinlich keine Politik, im Gegensatz zur taeglichen Berichterstattung ueber die Vorbilder in der kath. Kirche.
"Es kann nicht Aufgabe der Politik sein, sich jede Branche anzuschauen und dann individuell zu fördern. "
Richtig. Es darf aber auch nicht Ergebnis der Politik sein, das bestimmte Branchen durch den Wirtschaftszyklus bedingt vom Werkzeug der Kurzarbeit quasi ausgenommen werden. Entweder es herrscht Auftragsmangel oder nicht, wann dieser kommt darf keine Rolle spielen.
Das Kurzarbeitergeld ist quasi ein Arbeitslosengeld "Light". Im Endeffekt wird die Arbeit weniger mit Abgaben belastet, da der Staat über das KUG eine Rückzahlung vornimmt. Dem Staat entgehen also Einnahmen. Allerdings ist das billiger wie Arbeitslosigkeit, da der Kurzarbeiter immerhin überhaupt noch ein Einkommen hat und (wenn auch geringere) Abgaben leistet. Für den Arbeitgeber ist Kurzarbeit teuer gewesen, da früher auch Arbeitgeberanteile der Sozialversicherung auf ausgefallene Arbeit geleistet werden mussten. Das ist seit dieser Krise temporär abgeschafft. Trotzdem steigen die Arbeitskosten, da Abschreibungen bzw. Finanzierungskosten der Maschinen und sonstige Fixkosten weiterlaufen.
Sie können gerne auf Banken und Opel schimpfen, da werde ich Ihnen zumindest bei Banken nicht widersprechen. Nur lassen Sie ihren Ärger nicht an den Falschen aus.
"Es kann nicht Aufgabe der Politik sein, sich jede Branche anzuschauen und dann individuell zu fördern."
Ich denke, damit liegen Sie falsch. Es ist nun einmal so, das unterschiedliche Branchen auch zu unterschiedlichen Zeiten von einem Aufschwung profitieren und unter einem Abschwung leiden. Es ist Aufgabe des Kurzarbeitergeldes, Arbeitsplätze zu erhalten, die kurzfristig aufgrund von Auftragseinbrüchen bedroht sind und bisher hat dieses Instrument sehr gut funktioniert. Es ist auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Warum soll dieses Instrument dann nur auf die Branchen angewendet werden, die zuerst vom Abschwung betroffen waren?
Damit das Kurzarbeitergeld unrentable Arbeitsplätze nicht auf Dauer subventioniert, ist es für einzelne Unternehmen ohnehin befristet und ein Unternehmen das langfristig keine Perspektive für einen Teil seiner Beschäftigten sieht, wird diese Arbeitsplätze ohnehin abbauen (alles andere ist ökonomisch ja auch wenig sinnvoll).
Lieber brechen die Staatsanwälte ihren Amstseid!
Dennn die Staatsanwalten sind in Deutschland nicht unabhängig!
Uwe Dolata hat bei "Pelzig unter hält sich" sehr schön gesagt: Die OECD hat bereits 1990 veröffentlicht, dass Deutschland das korrupteste Land ist.
Im Buch "Die Affäre Leune" kann man schön nachlesen, wie unter Helmut Kohl diese Korruption so richtig blühte und angetrieben wurde.
Hier hat die Staatsanwaltschaft eher die Aufklärer verfolgt: In Wikipedia Bruno Schirra googeln - Ja - richtig - die Hausdurchsuchung bei ihm und Cicero!
In Deutschland sitzen die Verursacher der Finanzkrise ganz oben und werden gedeckt!
Paging