Mit dem Boom der Billigflieger wachsen die Passagierzahlen an vielen Regionalflughäfen. Selten sind alle Prognosen einer Entwicklung so über den Haufen geworfen worden wie auf dem Hunsrück-Flughafen Hahn.

Vor zehn Jahren gab es dort den ersten Zivilflug. Am 22. Mai 1993 starteten auf dem damaligen US-Fliegerhorst sonnenhungrige Urlauber nach Mallorca. Seinerzeit priesen ihn die Betreiber als "Airport im Grünen" an. Das Mainzer Verkehrsministerium hielt jährlich eine Million Fluggäste für "nicht unrealistisch" - aber erst von 2010 an.

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Frankfurt-Hahn auf dem Vormarsch: In diesem Jahr werden 2,3 Millionen Fluggäste erwartet. (© dpa)

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Doch dann kam nach dem Rückzug der US-Streitkräfte im Herbst 1993 der Boom. 2002 registrierte der Flughafen Frankfurt-Hahn rund 1,5 Millionen Passagiere. In diesem Jahr werden 2,3 Millionen Fluggäste erwartet. Im ersten Quartal 2003 hat sich der abgelegene Hahn mit gut 464.000 Passagieren bereits auf Rang zehn der 36 deutschen Verkehrsflughäfen geschoben. "In den nächsten zehn Jahren könnten wir unter die Top Five kommen", hofft Hahn-Geschäftsführer Jörg Schumacher.

Ryanair machte den Anfang

Ausgelöst hat den Höhenflug der Erfolg der Billigflieger. Seit vier Jahren startet und landet der irische Preisbrecher Ryanair auf dem Hahn, seit gut einem Jahr betreibt er hier sein einziges deutsches Drehkreuz. Inzwischen fliegt Ryanair von Deutschlands höchstgelegenem Verkehrsflughafen (500 Meter) aus 16 Ziele in Europa an.

Seit kurzem bietet hier auch der italienische Billigflieger Volareweb.com Verbindungen in seine Heimat an. Hinzu kommen Charterflüge von Reiseveranstaltern. Mit anderen Billigfluglinien verhandelt der Flughafen Frankfurt-Hahn noch. Die Hahn-Betreiber sind nach eigener Aussage Marktführer der deutschen Flughäfen mit Billigfliegern. Noch fluchen viele Passagiere über die schlechte Verkehrsanbindung. Erst 2006/2007 ist eine Besserung in Sicht.

Auch der Hahn selbst ist seit zehn Jahren immer wieder eine Baustelle. Nachdem die Passagiere anfangs im ehemaligen Offizierskasino empfangen worden waren, soll am 4. Juni bereits ein zweites neues Passagierterminal eröffnet werden. Dann können auf dem Hahn jährlich fünf Millionen Fluggäste abgefertigt werden.

Die beiden einfachen und funktionalen Gebäude haben zusammen nur elf Millionen Euro gekostet. Neue Terminals anderer deutscher Flughäfen hätten dagegen dreistellige Millionensummen verschlungen, betont Hahn-Sprecherin Maria Horbert.

"Damit können wir konkurrenzlos niedrige Preise an die Fluggesellschaften weitergeben." Nur 4,35 Euro zahlen diese pro Passagier; andere Fluggesellschaften kritisieren dies als Subvention. Der Flughafen Frankfurt-Hahn gehört Fraport und dem Land Rheinland-Pfalz und befindet sich damit überwiegend in öffentlichem Eigentum.

Jede Nacht aus Pisa zurückgeflogen

Vor allem für voll beladene Frachtmaschinen zu anderen Kontinenten wollen die Hahn-Betreiber bis 2005/2006 für 40 Millionen Euro ihre Startbahn von 3045 auf 3800 Meter verlängern. Als attraktiver Köder für neue Fracht-Airlines gilt die Hahn-Nachtfluggenehmigung: Darüber verfügen nur wenige deutsche Verkehrsflughäfen.

Das ruft aber auch Gegner auf den Plan. Der Sprecher der "Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn", Klaus Reitz, erkennt zwar an, dass auf dem Fluggelände mittlerweile rund 2000 Menschen in gut 100 Firmen arbeiten.

Reitz kritisiert aber auch die "ökologischen Schäden" der Billigflieger am Hahn. Ryanair biete teils derartige Spottpreise, dass ein Urlauber-Ehepaar aus dem Hunsrück von Pisa aus lieber an vier Tagen für jede Übernachtung zurück nach Hause geflogen sei als in Italien ein Hotel bezahlen zu müssen.

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(sueddeutsche.de/dpa)