Flughafen Berlin Wenn nach einem Vierteljahrhundert die Tür klemmt

Wird der überhaupt jemals fertig? Ein Arbeiter am unvollendeten Berliner Flughafen BER.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Die Eröffnung des Berliner Flughafens für 2017 wurde endgültig abgesagt.
  • Grund der Verzögerung sind wieder einmal Probleme mit den Türen.
  • Aufsichtsratschef Müller hofft, dass der mindestens 6,5 Milliarden Euro teure Flughafen 2018 in Betrieb geht. Ursprünglich sollte der BER bereits 2011 starten.
Von Markus Balser und Jens Schneider, Berlin

Es fühlte sich an wie der Einlauf in die Zielgerade. Da war nichts mehr, worüber sich spotten ließe, und das nicht nur, weil viele längst des Spottens müde waren nach all den Pannen rund um den ewig unfertigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld bei Berlin. Als Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld und Technikchef Jörg Marks zuletzt im vergangenen Herbst Journalisten zum Rundgang luden, verbreitete Marks sogar eine Art wohligen Grusel.

Er blickte zurück auf Baustellen-Elend, das überwunden schien. Marks führte Raumdecken vor, hinter denen in den Anfangsjahren Leitungen chaotisch verlegt gewesen waren. Und zeigte, wie man das jetzt gelöst hatte. Er präsentierte Türen, die endlich funktionieren würden, wie das geplant war. Flughafenchef Mühlenfeld stellte fest, dass es voran ging, wenn auch nicht ganz so schnell wie erhofft. "Wir haben die Planung glatt gezogen und sind bereits dabei, wichtige technische Systeme in Betrieb zu nehmen", verkündete er Anfang Oktober. Er schrieb: "2017 könnte klappen." Das klang nach einer normalen Baustelle, als hätte man 25 Jahre nach Beginn der Planungen endlich alles im Griff.

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Hatten sie aber nicht: Zehn Monate vor dem erhofften Eröffnungstermin im November 2017 kam am Samstag die endgültige Absage. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), und Mühlenfeld bestätigten offiziell, dass der geplante Eröffnungstermin für den BER Ende 2017 nicht zu halten ist. Intern hatte die Flughafengesellschaft dies dem Aufsichtsrat schon vor einigen Tagen signalisiert. Irritierend an der Absage ist, dass es neue, unerwartete Probleme sind, die das Projekt weiter verzögern. Die Auswirkungen lassen sich nicht abschätzen, ein neuer Termin kann also noch nicht genannt werden.

Noch bis vor Kurzem hieß es aus dem Umfeld der Geschäftsführung des BER stets, dass eben im Frühjahr 2018 der erste Flieger abheben werde, wenn 2017 nicht zu schaffen ist. Auch davon ist einstweilen keine Rede mehr. Mühlenfeld will abwarten, bis die Folgen der neuen Probleme abzuschätzen sind. Man geht offenbar von einigen Monaten Bauverzögerung aus.

Der leere Airport verschlingt jeden Monat 17 Millionen Euro Betriebskosten

Grund der Verzögerung sind wieder einmal Probleme mit den Türen, konkret geht es um die elektronische Türsteuerung im Fluggastterminal, die zahlreiche Funktionen ermöglichen muss. Die Türen dienen als Sicherheitsschleusen, aber auch als Teil der Entrauchungsanlage, deren Probleme eigentlich gelöst sein sollen. Mehr als zwei Drittel der Türen können nach SZ-Informationen nicht wie gewünscht angesteuert werden. Zudem sind Teile der Sprinkleranlage eventuell nicht so gebaut, wie erforderlich.

Aufsichtsratschef Müller hofft, dass der mindestens 6,5 Milliarden Euro teure Flughafen 2018 in Betrieb geht. Ursprünglich sollte der BER bereits 2011 starten. Inzwischen wurde der Termin fünf Mal vertagt. Müller forderte die BER-Geschäftsführung auf, noch im ersten Quartal zu sagen, welchen konkreten Eröffnungstermin sie nun anpeilt. Der Aufsichtsrat wolle sich nicht länger hinhalten lassen. "Wir brauchen mal einen Termin", sagte Müller.

Armer Brandt

Wegen der andauernden Pannen und der erneut verschobenen Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER verdient dieser aus Sicht der Berliner Jungliberalen nicht mehr, den Namen des Altkanzlers Willy Brandt zu tragen. Der Airport sei "endgültig zum Symbol für Chaos und Planungslosigkeit geworden", sagte der Landesvorsitzende der FDP-Nachwuchsorganisation Roman-Francesco Rogat am Wochenende. Es könne nicht sein, dass für dieses Projekt "ein so erfolgreicher und verdienter Kanzler wie Willy Brandt mit seinem Namen herhalten muss". dpa

Schon lange galt eine Eröffnung 2017 als höchst unwahrscheinlich. Seit Wochen kursierten unter den Anteilseigenern des Flughafens - das sind die Länder Berlin und Brandenburg und der Bund - Zweifel, ob der noch unter dem früheren Flughafenchef Hartmut Mehdorn verkündete Termin zu halten ist. In der Bundesregierung hätte man sich dem Vernehmen nach schon früher eine Absage gewünscht. Dem Bundesverkehrsministerium sei das Festhalten an diesem Starttermin als zu riskant erschienen, heißt es in Kreisen der Behörde. Man habe gegenüber der Flughafenführung gewarnt. Die aber habe an dem Termin festhalten wollen.

Mühlenfeld hatte stets darauf gepocht, dass es zwar Risiken gebe, er aber "Druck auf dem Kessel" halten, also den Baufortschritt durch Termindruck forcieren wollte. Er widersprach am Sonntag zudem Medienberichten, wonach die Absage des Termins aus Rücksicht auf die Wahlen in Berlin im letzten September hinausgezögert worden sei. "Ausschlaggebend dafür, dass der BER in diesem Jahr nicht eröffnet werden kann, war der neue Sachstand aus dem Baubereich", erklärte ein Sprecher Mühlenfelds.

Die Verzögerung hat auch gravierende finanzielle Folgen. Der leere Airport verschlingt jeden Monat 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen Euro. Klarheit will Müller beim nächsten Aufsichtsratstreffen am 7. Februar: "Dann werden wir Sicherheit haben, wo wir stehen."

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