Flughafen Berlin-Brandenburg Verwirrende Berichte über Zukunft des Flughafen-Chefs

Chaos auf dem Bau, Chaos bei der Berichterstattung: Eine Zeitung berichtet, der Chef des Flughafens Berlin-Brandenburg, Rainer Schwarz, solle im November entlassen werden. Brandenburg habe seinen Widerstand dagegen aufgegeben, nur noch Wowereit stehe hinter ihm. Dies wird nun eilig dementiert.

Rainer Schwarz ist noch einmal in die Offensive gegangen. Der Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg hatte im Gespräch mit einer Nachrichtenagentur den Vorwurf zurückgwiesen, er habe den Aufsichtsrat getäuscht und ihm die pünktliche Eröffnung des Chaos-Flughafens zugesichert - obwohl er wusste, dass es zu Verzögerungen kommen würde: "Noch Anfang Mai ist von den Projektbeteiligten an keiner Stelle der Hinweis gekommen, dass die Inbetriebnahme nicht funktioniert."

Glaubt man den Potsdamer Neuesten Nachrichten, könnte das vergebens gewesen sein. Das Blatt hatte mit einer Meldung Verwirrung ausgelöst: Schwarz werde bald entlassen. Ein Sprecher der Flughafen-Gesellschaft behauptete, die Zeitung aus Potsdam betreibe "Latrinenjournalismus". Die Dokumente, derentwegen Druck auf Schwarz gemacht werde, seien "olle Kamellen". Auch aus der Brandenburger Landesregierung heißt es: "Falschmeldung".

Wann wusste wer was?

Die Potsdamer Neuesten Nachrichten wollen aus Kreisen von Bundesregierung und Land Brandenburg erfahren haben, dass sich Ministerpräsident Matthias Platzeck dem Wunsch der Bundesregierung nicht mehr verweigern will, Schwarz zu feuern. Sie beruft sich auf Mitglieder des Aufsichtsrats und Politiker aus der Bundespolitik. Demnach dürfte es im November zu seiner Entlassung kommen, dann solle der Bund einen entsprechenden Antrag in den Aufsichtsrat einbringen. Nicht klar sei, wie Berlin stimmen werde, der dritte Teilhaber der Flughafengesellschaft. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Aufsichtsratschef der Gesellschaft, steht bisher hinter Rainer Schwarz.

Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent an dem Projekt, der Bund 26 Prozent. Der Flughafen BER soll die beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld, auf dessen Gelände er teilweise entsteht, ersetzen. Im Frühjahr dieses Jahres waren erhebliche Mängel und Verzögerungen beim Bau bekannt geworden. Unter anderem hatte der TÜV die Abnahme der modernen - und entsprechend teuren - Entrauchungsanlage verweigert. Der Termin der Eröffnung wurde mehrfach verschoben, vom geplanten Datum im Juni 2012 auf nun Oktober 2013. Die Kosten für den Flughafen liegen derzeit bei 4,2 Milliarden Euro - 1,7 Milliarden mehr als geplant.

Schwarz streitet mit Medien darüber, wann er den Aufsichtsrat über die Verzögerungen hätte informieren müssen. In seinen Äußerungen vom Montag widerspricht er der Bild-Zeitung. Die hatte unter anderem von einem Brief der Unternehmensberatung McKinsey vom 13. April berichtet. Dieser enthalte die Warnung: "Es bestehen also weiterhin erhebliche und - aufgrund des sehr eingeschränkten Probebetriebs - teilweise noch unvorhersehbare Inbetriebnahmerisiken." Schwarz habe trotz dieses Papiers dem Aufsichtsrat am 20. April mitgeteilt, der Flughafen-Start sei "aus heutiger Sicht sichergestellt". Schwarz interpretiert den Brief dagegen ganz anders als die Zeitung. Die Berater schrieben, dass eine pünktliche Inbetriebnahme "möglich erscheint", zitiert er daraus.

Ebenfalls am Montag war bekannt geworden, dass das ZDF auf Dokumente gestoßen sei, die belegen sollen, dass die Architekten des Flughafens schon Ende 2011 in ihren monatlichen Berichten vor gravierenden Mängeln beim Bau warnten, welche die Eröffnung gefährden könnten. Im Bericht vom Dezember heiße es: "Inbetriebnahme und Gesamtablauf kritisch." Als im Sommer 2012 die Eröffnung mehrfach verschoben werden musste, ließ der Aufsichtsrat zuerst die Planer büßen. Der zuständigen Planungsgesellschaft wurde gekündigt.