Von Cerstin Gammelin

Am Freitagabend weiß Europa, wie gut seine Banken sind. Die Finanzaufsicht testet 91 europäische Institute, die Ergebnisse werden weitreichende Auswirkungen haben. Doch wie funktioniert der Test?

An diesem Freitag wollen die gelegentlich bunt durcheinander redenden europäischen Akteure nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen. Beinahe generalstabsmäßig haben die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB), der Europäische Ausschuss für Bankenaufsicht (CEBS) und die nationalen Finanzaufseher die Veröffentlichung der Resultate der Stresstests vorbereitet, denen sich 91 europäische Finanzinstitute unterzogen haben. Alle hoffen, dass der Plan klappt.

Bankenverband warnt: Die Krise ist noch nicht zu Ende Bild vergrößern

91 europäische Finanzinstitute haben sich dem Stresstest unterzogen. (© ddp)

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Um Punkt 18 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, wenn die europäischen Börsen ihre Schalter schließen, soll der Europäische Ausschuss für Bankenaufsicht eine standardisierte Zusammenfassung sowie eine Erklärung dazu online veröffentlichen. Parallel dazu werden die einzelnen Banken selbst oder über ihre jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden die Ergebnisse der Prüfungen bekanntgeben. Eine halbe Stunde später soll auf der CEBS-Website eine nach Ländern geordnete Veröffentlichung der Resultate der einzelnen Banken zu finden sein. Und wiederum eine halbe Stunde später sind speziell ausgesuchte Journalisten zu einer Konferenz eingeladen.

Warum organisieren die Gremien die Veröffentlichung so akribisch?

Nationale und europäische Aufseher prüfen eigentlich permanent, wie stabil die Banken arbeiten. Dass um die jüngsten Prüfungen eine derartige öffentliche Aufregung entstanden ist, liegt daran, dass erstmals die Ergebnisse der einzelnen Banken veröffentlicht werden sollen. Bisher wurden die Resultate stets unter Verschluss gehalten, was dazu führte, dass niemand so richtig abschätzen konnte, wie risikoreich die Banken tatsächlich wirtschaften und wie sicher der europäische Finanzplatz ist.

Warum werden die Resultate veröffentlicht?

Die Veröffentlichung soll für Vertrauen sorgen, und zwar sowohl auf dem Finanzmarkt als auch unter Verbrauchern. Die Idee stammt ursprünglich von der spanischen Regierung. Sie hatte darauf gedrängt, weil die Sparkassen des Landes unter den Verdacht geraten waren, nahezu zahlungsunfähig zu sein und die Märkte dem Dementi aus Madrid nicht vertrauten. Angesichts des anhaltenden Misstrauens beschlossen die europäischen Staats- und Regierungschefs, die Resultate für alle Banken veröffentlichen zu lassen.

Warum ist der Zeitpunkt so heikel?

Es ist nicht auszuschließen, dass einige Banken die Tests nicht bestehen werden. Um sofortige Kursabstürze und Herabstufungen an den Börsen auszuschließen, sollen die Daten erst nach Börsenschluss veröffentlich werden. Über das Wochenende können nötige Rettungsaktionen eingeleitet werden.

Was passiert mit den Durchfallern?

Banken, die die Tests nicht bestehen, bekommen einen Rettungs- und Restrukturierungsplan. Für Finanzhilfen stehen nationale Rettungsfonds bereit. Sollten deren Mittel nicht ausreichen, können die jeweiligen Regierungen um Hilfe aus der 440-Milliarden-Euro-Rettungsgesellschaft bitten. Im Extremfall könnten also auch wieder die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden.

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