Finanzmarkt Deutsche Bank überweist versehentlich 28 Milliarden Euro

Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt.

(Foto: dpa)
  • Bei der Deutschen Bank ist es zu einer peinlichen Panne gekommen. Das Geldhaus soll versehentlich 28 Milliarden Euro auf ein sogenanntes Clearing-Konto überwiesen haben.
  • Die Überweisung überschreitet den gesamten Wert des Geldhauses, der derzeit etwa bei 24 Milliarden Euro liegt.
Von Meike Schreiber, Frankfurt, und Jan Schmidbauer

Die Deutsche Bank sorgt erneut mit einer schweren Panne für Aufmerksamkeit. Deutschlands größtes Geldhaus hat versehentlich 28 Milliarden Euro auf ein bankeigenes Verrechnungskonto bei der Deutsche-Börse-Tochter Eurex überwiesen, berichtet Bloomberg. Der Fehler sei im März bei einer Routine-Maßnahme im täglichen Derivategeschäft der Bank passiert. Tatsächlich sei eine Überweisung auf das sogenannte Clearing-Konto der Bank vorgesehen gewesen, allerdings in wesentlich geringerer Höhe.

Die Summe überschreitet den Börsenwert der Deutschen Bank, der derzeit bei etwa 24 Milliarden Euro liegt. Liquide Mittel hat das Geldhaus jedoch mit 280 Milliarden Euro deutlich mehr zur Verfügung. Dem Bericht zufolge sei allerdings kein finanzieller Schaden entstanden. "Der Fehler wurde binnen Minuten erkannt und rückgängig gemacht. Wir haben die Gründe für den Fehler gründlich analysiert und Maßnahmen ergriffen, damit sich der Fehler nicht wiederholt", sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher.

Das Geld hat die Bank zwar nicht verlassen, weil es auf ein eigenes Konto bei der Terminbörse überwiesen wurde. Die Panne wirft dennoch neue Fragen nach den Kontrollmechanismen und der IT der Bank auf. Der kürzlich abberufene Vorstandschef John Cryan, in dessen Amtszeit der Fehler noch fiel, hatte sich vorgenommen, die EDV zu verbessern. Vieles jedoch konnte Cryan nicht so schnell umsetzen wie erhofft. Auch die bislang zuständige IT-Chefin Kim Hammonds verlässt die Bank zur Hauptversammlung Ende Mai und damit vor Ablauf ihres Vertrages. Sie hatte die Bank kürzlich als "unfähigste Firma der Welt" bezeichnet.

Es ist nicht die erste Panne dieser Art

Dem Institut waren in der Vergangenheit häufiger peinliche Fehler dieser Art unterlaufen. Im Sommer 2015 hatte die Bank versehentlich sechs Milliarden Dollar an einen amerikanischen Hedgefonds überwiesen. Ein Jahr später erschreckte sie ihre Privatkunden mit einer Panne im Onlinebanking. Dort waren zum Monatswechsel fällige Beträge - etwa für Miete, Versicherungen oder Strom - gleich zweimal gebucht worden, Tausende Konten rutschten tief ins Minus.

Nach der letzten großen Überweisungspanne hatte die Bank eigentlich ein neues Sicherheitssystem namens "Bear-Trap" (zu Deutsch: Bärenfalle) installiert. Dieses System hat bei der jüngsten Panne offenbar nicht gegriffen. Normalerweise laufen derartig große Überweisungen nicht einfach so durch, sondern müssen erst von einem System freigeschaltet werden. Im aktuellen Fall hatte die Bank das Geld an ihr Konto bei der Terminbörse überwiesen, um dort Sicherheiten zu hinterlegen. Dazu sind Banken im Derivatehandel verpflichtet, damit die Handelspartner im Fall einer Schieflage des jeweiligen Geldhauses nicht mit leeren Händen dastehen.

Auch abseits solcher Pannen läuft es nicht gut für Deutschlands größtes Geldhaus. Kürzlich musste es seinen dritten Jahresverlust in Folge bekannt geben, außerdem sinken die Erträge stärker als erwartet. Die Bank versucht es nun mit neuem Personal. Christian Sewing, vormals Leiter des Privatkundengeschäfts, wurde nach Ostern vom Aufsichtsrat zum Nachfolger von Cryan berufen und soll die Bank nun wieder fit machen.

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