Finanzmärkte Chinas Börsenbeben schockt Händler weltweit

Abruptes Ende: Direkt nach Börsenstart wurde der Handel ausgesetzt

(Foto: AP)

Schon wieder stürzen die Kurse ab. Milliardär George Soros warnt vor einer neuen globalen Finanzkrise, der Dax fällt unter 10.000 Punkte.

Analyse von Bastian Brinkmann

In China isst man gerne um Punkt zwölf Uhr Mittag, heißt es. Deswegen gibt es an den Börsen in Shanghai und Shenzhen eine Mittagspause, die schon um 11:30 Uhr beginnt - damit der Finanzhändler pünktlich zu Tisch ist. Die Kurse ruhen dann, nichts verändert sich. Mahlzeit.

An diesem Donnerstag hatten Chinas Händler noch viel früher Pause. Um 9:59 Uhr Ortszeit stoppte laut Daten der Finanzagentur Bloomberg die Börsenaufsicht den Handel - gleich für den Rest des Tages. Denn die Kurse von Chinas Leitindex sind um mehr als sieben Prozent abgestürzt. Eine neue Regel sieht vor, dass der Handel dann bis zum folgenden Morgen ausgesetzt wird. Feierabend statt früher Mittagspause.

Für Chinas Finanzwelt ist dieses Börsenbeben ein Desaster. Denn erst am Montag wurde die Regel zum ersten Mal angewandt - direkt am ersten Tag, an dem sie in Kraft war. Die Börsenaufsicht stoppte um 13:34 Uhr nach einem Kurssturz von sieben Prozent den Handel.

Peking hat deswegen massiv in die Finanzmärkte eingegriffen. Der Kurssturz am Montag war auch von Ängsten getrieben, dass Großinvestoren eine auslaufende Frist am Ende dieser Woche nutzen, um massiv Aktien zu verkaufen. Die Börsenaufsicht hat deswegen die Regeln dafür verschärft. Großaktionäre dürfen nun nur alle drei Monate maximal ein Prozent ihrer Anteile an einem Unternehmen verkaufen. Zudem müsse der Verkauf 15 Handelstage vorher angekündigt werden. Die Zentralbank hatte zudem Anfang der Woche den Finanzmärkten umgerechnet mehrere Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um die Händler zu beruhigen.

Doch das reichte nicht. Die Zentralbank hat den Kurs von Chinas Währung am Donnerstagmorgen abgewertet. Das löste den Absturz an der Börse aus. Eigentlich ist ein billigerer Yuan gut für Chinas Wirtschaft, weil eine schwache Währung Unternehmen hilft, mehr zu exportieren. Andererseits ist eine schwacher Yuan ein Zeichen dafür, dass es der chinesischen Wirtschaft nicht gutgeht - und das nachlassende Wirtschaftswachstum des Landes ist eins der größten Probleme der Weltwirtschaft.

China ist in einer schwierigen Situation. Das Land unternimmt immer wieder kleine Schritte, um die Wirtschaft zu liberalisieren, etwa im Handel mit dem Yuan. China bleibt aber eine kommunistische Diktatur. Peking will die Kontrolle über die Wirtschaft behalten. Die Börsenkurse des Landes sind deswegen manipuliert und wenig aussagekräftig. In Japan, Deutschland oder den USA kaufen Investoren Aktien, wenn sie glauben, dass die Firma künftig mehr Gewinne machen wird. In China kaufen Investoren Aktien, wenn sie glauben, dass die Kommunistische Partei der Firma wohlgesonnen ist.

Weltweit wächst nun die Angst, dass das Börsenbeben in China eine neue Finanzkrise auslösen könnte. Der Deutsche Aktienindex fiel zum Handelsbeginn um rund drei Prozent unter die Marke von 10 000 Punkten. Die ersten Investoren flüchten in Gold, der Preis für eine Unze stieg auf mehr als 1100 Dollar. Das Edelmetall gilt als Krisenwährung, das eine Kernschmelze der Finanzmärkte übersteht. Greift Panik um sich, steigt der Goldkurs. So sieht es auch der bekannte Investor und Milliardär George Soros. Er fühlt sich "an die Krise von 2008" erinnert, sagte er an diesem Donnerstag. Damals löste ein Beben an der Wall Street in New York eine weltweite Finanzkrise aus - nun schauen Händler weltweit auf Shanghai, Shenzen und Peking.