Trotz des nachlassenden Ölpreises ist die Inflation zuletzt nur schwach gefallen. Doch wie wird sich die Finanzkrise weiter auf die Realwirtschaft auswirken? Ökonomen suchen Antworten - und zeichnen ein düsteres Bild.
Eigentlich, so glaubten Experten, müsste sich die Finanzkrise positiv auf den Inflationsdruck auswirken - immerhin gab der Ölpreis zuletzt stark auf knapp mehr als 100 Dollar pro Barrel nach. Doch im September hat sich die Lebenshaltung kaum verbilligt. Zum Vormonat gingen die Preise nur leicht um 0,1 Prozent zurück, teilte das Statistische Bundesamt mit. Für Strom und Gas mussten die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen, während sich Heizöl bis zu 1,5 Prozent verbilligte. Lebensmittel waren in den meisten Bundesländern günstiger. Die Jahresteuerung fiel mit 2,9 Prozent etwas niedriger aus als im August mit plus 3,1 Prozent.
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Die Realwirtschaft wird noch eine Weile unter den Folgen der Finanzkrise leiden, glauben Ökonomen. (© Foto: ddp)
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Trotzdem - die Finanzkrise wird die Weltwirtschaft noch eine Weile beschäftigen - und, nach Einschätzung führender Ökonomen, für einen lange anhaltenden Abschwung sorgen. "Nachdem die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren über ihrem langfristigen Trend gewachsen ist, wird sie in den kommenden Jahren darunter liegen", sagte die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro dem Handelsblatt.
Eine Zeit lang sei kein Preis für Risiko vorhanden gewesen - weil es von den Zentralbanken enorme Liquidität gegeben habe, die von den Finanzmärkten noch vervielfacht worden sei, argumentiert sie. "Der Abbau dieser Ungleichgewichte, die aus der hohen Verschuldung der US-Haushalte und den aufgeblasenen Bilanzen der Banken bestehen, wird die große Aufgabe der kommenden Jahre werden."
Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, ist noch skeptischer: "Die US-Wirtschaft wird enorm geschwächt aus dieser Krise hervorgehen. Bis wir erste Anzeichen einer Erholung sehen, wird bedeutend mehr Zeit als ein Jahr vergehen", sagte er der Zeitung. Zum einen warteten noch erhebliche finanzielle Risiken. Zum anderen würden sich die bislang bekannten Bankpleiten verzögert auf die Investitionen, den Arbeitsmarkt und den Konsum auswirken.
"Fatale Schwäche"
Die Finanzkrise hat aus Snowers Sicht eine so "ungeheure Wucht", dass sie selbst Wachstumstreiber wie den technischen Fortschritt beeinträchtigen werde - Innovationen müssten schließlich finanziert werden. Und den Schwellenländern traut es der Ökonom nicht zu, der Schwäche der US-Wirtschaft entgegen zu steuern: "Sie werden voraussichtlich angesteckt und synchron abwärts rauschen."
Auch den Paulson-Plan sieht Snower sehr skeptisch. Er habe eine "fatale Schwäche", sagt er: "Entweder zahlt die US-Regierung weniger für das Vermögen als es wert ist - dann hätten die Banken zu wenig Kapital. Oder der Staat zahlt ihnen zu viel - dann würden ausgerechnet diejenigen belohnt, die verantwortungslos gehandelt haben."
Erleichterung für den Aktienmarkt
Dem Analysten Matthias Huth von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zufolge ist das Paulson-Paket der richtige Schritt aus der Krise. Mit den Maßnahmen dürften Zusammenbrüche größerer Banken wie Washington Mutual die Ausnahme bleiben, schreibt der Analyst in einer Studie. Trotz der Bedenken im Kongress sei eine Zustimmung wahrscheinlich, da ein Scheitern des Rettungspaketes im Senat aus seiner Sicht noch weitaus größere Risiken in sich berge. Änderungen in Detailfragen gegenüber dem Entwurf seien jedoch wahrscheinlich.
LBBW-Analyst Gernot Griebling sagte: "Positiv wirkt das Abwenden eines Super-Gau auf die Börse und das dürfte eine Erleichterung am Aktienmarkt bringen. Jedoch ist mit einer Beschleunigung der Inflation zu rechnen und das trübt die Perspektiven für den Aktienmarkt ein."
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(sueddeutsche.de/dpa-AFX/Reuters/tob/mel)
Finanzmärkte zogen in den beiden vergangenen Jahrzehnten enorm hohe Wechsel auf die Zukunft. Allerdings wurden die großen Anteile nichtproduktiver Arbeit zugunsten produktiver nicht im selben Maß gewandelt; was die Einlösung dieser Wechsel ermöglicht hätte. Aufgrund dieser über Jahre hinweg unterlassenen Umwandlung mussten sich letztlich Institutionen auf den Finanzmärkten den Hals brechen. Die offene Frage ist daher vielmehr, weshalb insbesondere Industriebetriebe massiv über einen solchen langen Zeitraum untätig bleiben, ihre Anteile nichtproduktiver Arbeit großzügig unangetastet lassen konnten und bislang keinen Preis für dieses Fehlen zahlen mussten.
Doch nur die Länder die in den vergangenen Jahren ein übermäßiges Wachstum verspürten. Also werden eher einige osteuropäische, asiatische und südamerikanische Volkswirtschaften die Verlierer sein.
"Ökonomen suchen Antworten. Und zeichnen ein düsteres Bild."
Soso. Eigentlich zeichnet in dem Artikel nur ein Oekonom ein duesteres Bild - der Mr Snower. Frau Weder di Mauro sagt dass die Weltwirtschaft "in den vergangenen Jahren über ihrem langfristigen Trend gewachsen ist, wird sie in den kommenden Jahren darunter liegen", also lediglich nicht uebermaessig wachsen wird. Von duesterem Bild sehe ich da nix.
De beiden Analysten von der selben Bank (LBBW) sind auch nicht furchtbar pessimistisch - und nachdem sie bei der gleichen Bank arbeiten haben sie natuerlich auch die gleiche Meinung - zumindest in der Oeffentlichkeit.
Also SZ, wie kommt man von diesem Artikel, der 2 Oekonomen und 2 Analysten zitiert, auf die Ueberschrift "Ökonomen suchen Antworten. Und zeichnen ein düsteres Bild."?