Finanzkrise Juncker sichert Zypern rasche Untersuchung des Hilfsantrags zu

Der Eurogruppen-Chef begrüßt den nächsten Kandidaten unter dem Rettungsschirm: Juncker verspricht Zypern eine rasche Reaktion auf das Hilfegesuch. Mit dem Antrag spitzt sich die Euro-Krise wenige Tage vor dem EU-Gipfel weiter zu.

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, hat das Hilfegesuch aus Zypern begrüßt. "Die Euro-Gruppe wird den Antrag nun rasch untersuchen und Zypern eine formelle Antwort geben", erklärte Luxemburgs Premier gestern Abend. Er erwarte, dass die 17 Euro-Länder der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank den Auftrag erteilen, Auflagen für die Hilfen auszuarbeiten.

Bald unter dem Rettungsschirm: Zypern.

(Foto: dpa)

Dabei gehe es vor allem um den Finanzsektor, der eng mit den Banken des maroden Griechenland verflochten ist. "Ich gehe davon aus, dass Zypern sich mit starker Entschlossenheit an die nötigen politischen Handlungen macht", heißt es in Junckers Mitteilung weiter.

Zypern flüchtet als fünftes Land unter den Euro-Rettungsschirm. Der Inselstaat bat seine europäischen Partner gestern um Hilfe aus den Krisenfonds EFSF oder ESM, wie die Regierung am Abend in der Hauptstadt Nikosia mitteilte. Wenige Tage vor dem EU-Gipfel spitzt sich die Euro-Krise damit weiter zu.

Zypern, das am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz übernimmt, hat alleine nicht genug Geld für seine verschuldeten Banken. Die Ratingagentur Fitch rechnet damit, dass das Land etwa vier Milliarden Euro brauchen wird. Die Euro-Gruppe wird nun mit Zypern über den Umfang der Hilfen und die damit verbundenen Auflagen verhandeln. Das Volumen dieser Rettungsaktion ist allerdings relativ überschaubar: Den mutmaßlich vier Milliarden Euro für Zypern stehen rund 800 Milliarden Euro gegenüber - diesen Umfang werden alle Euro-Rettungsschirme zusammengezählt in Zukunft haben.

Zypern ist wegen Bindung an Griechenland in der Krise

Der Hilferuf war angekündigt. Zypern könnte außerdem einen günstigen Milliardenkredit von Russland bekommen. Als Begründung verwies Zypern auf die Auswirkungen der Griechenland-Krise. Der Inselstaat ist wegen seiner engen Bindung an Griechenland in den Strudel der Schuldenkrise geraten. Griechisch ist Landessprache, auch in der Wirtschaft. Ein Fünftel des Handels läuft mit Hellas, ein Viertel der Auslandsinvestitionen kommen von dort. Jeder dritte Euro auf einer zypriotischen Bank gehört einem Griechen.

Besonders die Cyprus Popular Bank, das zweitgrößte Geldhaus des Landes, leidet unter dem Schuldenerlass für Griechenland. Banken und Versicherungen hatten Athen die Hälfte der Schulden erlassen. Die Zentralbank Zyperns schätzt, dass das Land bis Ende Juni mindestens 1,8 Milliarden Euro auftreiben muss, um die Cyprus Popular Bank zu rekapitalisieren. Für die kleine Volkswirtschaft ist das eine enorme Summe, die etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Das Geld wird nun voraussichtlich aus den Rettungsfonds kommen.

Die Ratingagentur Fitch hatte zuvor die Kreditwürdigkeit Zyperns auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Fitch führt Zypern jetzt nur noch auf BB+. Damit rutscht die Kreditbewertung um eine Stufe nach unten und knapp in den Bereich der spekulativen Anlagen, die gemeinhin als Ramsch-Status bezeichnet werden. Zudem setzte die Agentur den Ausblick für Zypern auf "negativ". Damit ist in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung wahrscheinlich.