Prognose Top-Banker rechnet mit dem Ende des Euros

Spanien steckt in einem Teufelskreis: Die Zinsen für Madrid steigen auf gefährliches Niveau. Das Schicksal der Banken hängt zu eng an dem des Staates. Die Krise spitzt sich zu: Ein Manager der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank sieht bereits schwarz: "Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario".

Von Cerstin Gammelin, Sebastian Schoepp und Markus Zydra

Geld rein, Geld raus: So sieht ein Teufelskreis aus. Da möchte der spanische Staat die nationalen Banken retten und will sich deshalb bald 100 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsfonds leihen, das wiederum erhöht den eigenen Schuldenberg, und deshalb fallen die Preise für spanische Bonds - und das bedeutet: Spanien muss immer höhere Zinsen bezahlen.

Hohe Zinsen für Spanien: die Börse in Madrid.

(Foto: REUTERS)

Gleichzeitig haben die spanischen Institute ihr Geld in spanische Staatsanleihen investiert, es geht um 263 Milliarden Euro. Je mehr der Wert der Spanien-Bonds fällt, desto höher fällt der Verlust aus für die Banken. Die Rettungsaktion des Staats für die Banken verschlechtert damit - ungewollt - deren Finanzlage.

Wie lange kann Spanien das noch durchhalten? Am Dienstag lieh sich die Madrider Regierung erneut Geld, die Investoren verlangten für Papiere mit einer Laufzeit von zwölf und 18 Monaten Zinsen bis zu 5,1 Prozent - vor einigen Wochen im Mai lag der Zins noch bei 3,3 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland wird am Mittwoch ein zweijähriges Schuldpapier für null Prozent begeben.

Deutsche-Bank-Analyst schlägt Alarm

Wie lange hält die Euro-Zone diese Pole noch aus? "Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario", sagt Georg Schuh, Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank, und das ist schon ein deutlicher Alarm. Im Moment gebe es keine überzeugende Lösung für die Probleme im gemeinsamen Währungsraum, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) "noch ein paar Schüsse" freihabe, so Schuh: "Der Kapitalmarkt hat ein Auseinanderbrechen bereits eingepreist."

Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote für Spanien zuletzt nahezu auf Ramschniveau herabgesetzt. Für zehnjährige Anleihen müsste Spanien nun über sieben Prozent Zinsen bezahlen. Sieben Prozent gilt als gefährliche Grenze - bei dieser Zinsbelastung sind Portugal und Irland ganz unter den Euro-Rettungsschirm gegangen.

Nur spanische Banken geben Madrid noch Kredit

Am Donnerstag will Spanien weitere Milliarden einsammeln. Internationale Investoren zögern. Das Land, so Moody's, erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die wiederum nur von der EZB generös mit Geld versorgt würden. Angeblich bereitet Madrid sich auf eine Auktion längerfristiger Papiere vor, die dann der Gradmesser sein könnte, ob Spanien ganz unter den Rettungsschirm muss - was Regierungschef Mariano Rajoy um jeden Preis vermeiden will.

Dabei wird derzeit in Brüssel noch über die Konditionen für die 100-Milliarden-Euro-Bankenhilfe an Spanien gefeilscht. In der zweiten Hälfte dieser Woche wird Madrid von den Prüfern Oliver Wyman und Roland Berger die genauen Zahlen zur Lage ihrer Banken erhalten. "Danach werden die spanischen Behörden offiziell einen genauen Antrag auf Hilfen formulieren können", hieß es am Dienstag in Brüssel.

Unabhängig davon wollen die Finanzminister der Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) an diesem Donnerstag über die Konditionen für spanische Bankenhilfen beraten. So ist bisher unklar, aus welchem Topf die Hilfen fließen sollen. Kommt der Antrag in den nächsten Tagen, muss er an den provisorischen Rettungsfonds EFSF gerichtet werden. Der neue permanente Rettungsfonds ESM wird wohl nicht wie geplant am 1. Juli, sondern erst im Laufe des Monats Juli arbeitsbereit sein - der spanische Antrag könnte aber vom EFSF dorthin weitergeleitet werden.

Die meisten Euro-Länder möchten lieber den ESM nutzen. Das liegt vor allem daran, dass Spanien dann trotz der Bankenhilfen als Garantiegeber für den ESM erhalten bliebe - während es bei Hilfen aus dem EFSF bisher so war, dass die Länder, denen geholfen wurde, als Garantiegeber ausfielen.