Von A. Hagelüken u. C. Gammelin

Der Präsident als Fußballfan: Nicolas Sarkozy pocht auf ein Gremium, das die Finanzen der EU-Vereine von Madrid bis Manchester kontrolliert - damit der Wettbewerb fairer wird.

Als Europa in den neunziger Jahren die Währungsunion vereinbarte, bestand Deutschland auf strikten Regeln. Um den Euro so stabil zu machen wie die Mark, sollte jedes Land Schuldengrenzen einhalten. Frankreich stimmte damals nur missmutig zu. Von der EU bei den Staatsausgaben eingeschränkt zu werden, passte der Regierung in Paris überhaupt nicht. Nun überrascht der daueraktive Präsident Nicolas Sarkozy mit einem Vorstoß, der ganz ähnlich klingt wie die Maastrichter Schuldengrenzen. Nur geht es diesmal um Fußball. Sarkozys Beamte fordern ein Gremium, das die Finanzen der EU-Vereine von Madrid bis Manchester kontrolliert - damit der Wettbewerb fairer wird.

Frankreichs Präsident Sarkozy hat sein Herz für die Fußballclubs entdeckt. (© Foto: Reuters)

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Die Franzosen ärgern sich darüber, dass sich Europas Spitzenklubs auseinanderentwickeln. Sponsoren, Pay-TV-Verträge und Schulden lassen britische, italienische und spanische Teams im Geld schwimmen - und praktisch durchgehend die Champions League gewinnen. Vereine aus Deutschland, Frankreich und kleinen Ländern haben bei Europas Königswettbewerb kaum noch eine Chance. Das ist unfair, klagt die Regierung in Paris. "Viele Klubs gehen hohe Defizite ein, um Spitzenspieler zu kaufen, die sie sich bei soliden Finanzen nicht leisten könnten", heißt es in einem internen Arbeitspapier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Liga steht unter Druck

Allein die vier englischen Teams Chelsea, Arsenal, Liverpool und Manchester United, die in diesem Jahr den Champions-League-Titel unter sich ausmachten, haben Schulden von 1,2 Milliarden Euro angehäuft. Insgesamt steht die Liga mit vier Milliarden Euro in der Kreide - und gerät unter Druck, da manche Klub-Eigentümer wegen der Finanzkrise an der Pleite schrammen. Weil es "starke finanzielle Ungleichgewichte zwischen den Vereinen in Europa gibt und solide wirtschaftende Klubs nicht benachteiligt werden dürfen", starten die Franzosen einen Vorstoß beim Treffen der EU-Sportminister nächste Woche in Biarritz. Als Stargast für den Eröffnungsvortrag laden sie Michel Platini ein, den Präsident des Fußballverbands Uefa, passenderweise ein Franzose.

Die Uefa hat bereits Regeln dafür, wie solide Vereine sein müssen, um eine Lizenz zu erhalten. Doch diese Regeln legt jedes Land selbst aus. Das riecht nach parteiischen Entscheidungen, finden die Franzosen. Sie schlagen ein unabhängiges Kontrollgremium und eine EU-Lizenz für alle Klubs vor, die an europaweiten Wettbewerben teilnehmen - Uefa-Präsident Platini ist wohl einverstanden.

Angesichts der derzeit großen finanziellen Unterschiede würden von einer solchen Regelung nicht nur französische Klubs profitieren, sondern auch deutsche. Weshalb beispielsweise der FC Bayern München von den Vorschlägen durchaus angetan ist. "Einheitliche Regeln für die Lizenz wären gut", heißt es da. "Bisher reicht Klubs in manchen Ländern eine Bürgschaft vom Nachbarn aus, die in Deutschland nicht akzeptiert würde."

Es ist nicht der erste Vorstoß für mehr Chancengleichheit im Fußball. Aus Brüssel kam bereits die Idee, in allen Staaten die zentrale Vermarktung von Fernsehrechten vorzuschreiben - und die Einnahmen zwischen Topklubs und dem Rest aufzuteilen, wie es in Deutschland üblich ist, aber beispielsweise nicht in Spanien. Bisher haben es Spitzenvereine wie Real Madrid oder Manchester United durch intensives Lobbying aber stets vermocht, alle diese Ideen zu stoppen. Fußballfan Sarkozy hat einen langen Weg vor sich.

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(SZ vom 21.11.2008/mel)