Finanzinvestoren werden immer häufiger als Retter maroder Firmen begrüßt. Ob sie allerdings in allen Fällen so verantwortungsbewusst handeln wie sie reden, darf bezweifelt werden.
Jetzt auch noch Märklin. Der Modellbahn-Hersteller ist ein weiteres deutsches Traditionsunternehmen, das an einen Finanzinvestor verkauft wird. Wie schon vor gut einem Jahr beim Armaturenhersteller Grohe sind deshalb Mitarbeiter des Unternehmens auf die Straße gegangen.
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Doch die Märklin-Leute protestierten nicht etwa gegen den Einstieg des britischen Investors Kingsbridge Capital, sondern gegen einige der Alteigentümer, die sich der Übernahme widersetzt hatten. Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft machten sich für Kingsbridge stark.
Was ist los, ein Jahr, nachdem der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Finanzinvestoren mit Heuschrecken verglichen hat, die deutsche Firmen abgrasen und geschwächt hinterlassen? Sind die Plünderer zahm geworden oder schwenkt die Linke ins Lager der Marktradikalen?
Weder noch. Die vermeintlichen Feinde brauchen einander. Märklin droht ohne frisches Kapital die Insolvenz und damit der Verlust aller Arbeitsplätze. Stellen wird wohl auch der neue Eigentümer kürzen, doch vorerst sichert er das Überleben.
Hauptsache die Rendite stimmt
Auch beim Verkauf der Hypothekenbank AHBR, die zum Teil der Gewerkschaftsholding BGAB gehörte, war es die schiere Not des Instituts, die Gewerkschaften und den Finanzinvestor Lone Star zusammenbrachte. Die BGAB hatte zuvor viel Kapital in der Bank versenkt und womöglich zu lange gezögert, AHBR zu sanieren. Finanzinvestoren wie Lone Star und Kingsbridge zögern nicht. Sie legen ihr Geld nur für eine begrenzte Zeit in einem Unternehmen an. Danach muss die Rendite stimmen. Weil die Firmenkäufer mit Gewinn wieder aussteigen wollen, versuchen sie rasch, die Unternehmen effizienter und profitabler zu machen.
Bejubelter Telekomdeal
Auf diesen Effekt hofft auch die Bundesregierung bei der Deutschen Telekom. Die große Koalition mit Heuschrecken-Schreck Müntefering holte in Blackstone eine der größten Beteiligungsfirmen als Minderheitsaktionär ins Boot.
Der Bund hofft, dass der Investor dem Management Beine macht und den dahindümpelnden Aktienkurs endlich nach oben treibt. Gelingt dies, kann nicht nur der Finanzinvestor, sondern auch der Finanzminister künftig mit Gewinn weitere T-Aktien verkaufen.
Schon bejubeln Beteiligungsmanager den Telekomdeal als Signal. "Jetzt steht auch für Finanzinvestoren die Tür bei Privatisierungen offen", sagte vor kurzem Andrew Dechet, Manager jener Texas Pacific Group, der Grohe gehört. Im selben Atemzug sprach Dechet von der großen Verantwortung der Investoren.
Deutschland gilt als heißer Markt
Die Firmenkäufer haben aus der Heuschreckendebatte gelernt, dass sie Politiker und Arbeitnehmer auf ihre Seite bringen müssen, um auch in Zukunft bei deutschen Mittelständlern oder Staatsbetrieben zum Zuge zu kommen. Beteiligungsfirmen haben mehr Geld denn je, und Deutschland gilt als einer der heißesten Märkte.
Ob die Investoren allerdings in allen Fällen so verantwortungsbewusst handeln wie sie reden, darf bezweifelt werden. Sie bürden ihren Firmen heute im Durchschnitt so hohe Schulden auf wie schon lange nicht mehr, um möglichst wenig eigenes Geld hineinstecken zu müssen.
Schon zeichnen sich Fälle ab, in denen Unternehmen diese Last nicht tragen können. Zur Stelle sind dann oft neue Investoren, die wiederum an der Sanierung verdienen.
(SZ vom 12.5.2006)
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