Finanzierung von Großkonzernen Schmutzige Geschäfte

Umweltzerstörung, Korruption und Menschenrechtsverletzungen: Viele globale Konzerne verdienen ihr Geld nach wie vor mit fragwürdigen Geschäftsmodellen. Die Finanzbranche finanziert diese oft bedenkenlos, wie eine neue Untersuchung zeigt. Einer der größten Geldgeber kommt aus Deutschland.

Das Image der Finanzbranche hat unter den jüngsten Manipulationsskandalen bei Libor und Währungsgeschäften gelitten. Es sind aber nicht nur Banken selbst, die durch fragwürdige Praktiken auffallen. Teilweise finanzieren sie - durch Kredite, Aktien, Anteile - Unternehmen aus anderen Branchen, die bedenkliche Geschäfte machen. "Schmutzig" sind diese Geschäfte nach Auffassung der NGO-Kampagne Facing Finance, die eine Liste der beteiligten Unternehmen zusammengestellt hat. In dem Bericht "Dirty Profits 2" zeigt sie, in welchem Umfang Unternehmen vom Geld der Institute profitieren.

Für ihren Bericht hat Facing Finance 26 Unternehmen identifiziert, die demnach durch Verstöße gegen internationale Normen und Standards bei Menschenrechten, Umweltschutz oder Korruption aufgefallen sind. Ihr Gesamtgewinn im Jahr 2012: 90 Milliarden Euro. In der Liste finden sich vor allem Öl- und Waffenkonzerne wie Gazprom oder Lockheed Martin, aber auch der Lebensmittelkonzern Nestlé und der Textilhersteller Adidas aus dem fränkischen Herzogenaurach.

Ein Teil der Gewinne werde immer noch "zu Lasten von Mensch und Umwelt" verdient, sagte Thomas Küchenmeister, Chef der Kampagne. "Dass dies bisweilen nahezu steuerfrei geschieht, ist so unsozial wie leider legal." Adidas etwa taucht in der Liste wegen Ausbeutung und schlechten Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern in Taiwan oder Sri Lanka auf. Gazprom steht unter anderem in der Kritik, weil Greenpeace-Aktivisten bei Protesten gegen den Konzern von der russischen Küstenwache festgenommen und mehr als zwei Monate in Haft gehalten wurden.

Das Ergebnis des Berichts: Die 19 europäischen Institute, die analysiert wurden, darunter auch Deutsche Bank, Allianz und DZ Bank, haben die der Verstöße bezichtigten Konzerne in den vergangenen drei Jahren mit 33 Milliarden Euro finanziert. Am meisten Geld kassierten das Rohstoffunternehmen Glencore Xstrata, Nestlé und Gazprom. "Die Geldgeber tragen eine Mitverantwortung an entstehenden ökologischen und sozialen Schäden, die die Aktivitäten ihrer Kunden hervorrufen", kritisieren die Autoren.

Auf Seiten der Geldgeber fällt aus deutscher Sicht vor allem die Deutsche Bank auf: Das Geldhaus zählt zu den Finanzdienstleistern, die am meisten Geld in die 26 Unternehmen gesteckt haben, insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro. Nur die französische BNP Paribas hat mehr investiert. Der Deutschen Bank folgen die Schweizer Institute Credit Suisse und UBS in der Rangliste.

Die Banken unterhielten zu fast allen "kontroversen" Konzernen Beziehungen, kritisieren die Autoren - sogar zu solchen, die von anderen Instituten bereits kein Geld mehr erhalten. Als positives Beispiel nennt der Bericht die Europäische Investitionsbank, die 17 der 26 Unternehmen auf den Index gesetzt hat.

Facing Finance fordert die Finanzbranche auf, bei ihren Entscheidungen stärker auf die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards zu achten, um so Einfluss auf die Konzerne zu nehmen. Auch der Gesetzgeber sei gefragt. Die Initiatoren fordern: Die Regierungen sollen die Finanzierung von heiklen Sektoren wie etwa Atomwaffen verbieten und steuerliche Vorteile an die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards binden.