Finanz-Start-ups Anschub für die Revolution

Wie hier am Finanzplatz Frankfurt sehen sich etliche Banken mit neuen Konkurrenten konfrontiert, die sie in ihrem Kerngeschäft angreifen.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Die Bundesregierung will die Bedingungen für Fintechs in Deutschland verbessern.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

In der Finanzbranche spielt sich derzeit eine kleine Revolution ab: Digitale Banken-Start-ups - Fintechs genannt - wirbeln das Geldgewerbe durcheinander. Sie greifen die etablierten Banken im Kern an oder wollen sich zumindest Teile der Wertschöpfungskette einverleiben.

Auch Deutschland spielt dabei mit, allerdings eher unter ferner liefen. Mit Abstand fließt in Europa das meiste Kapital zu Fintechs in London. In den Ranglisten der Zukunfts-Investitionen ist Deutschland weit abgeschlagen. Mehr noch: Anders als die Bundesregierung locken die Briten die Fintech-Branche mit zahlreichen Fördermaßnahmen. Die Finanzaufsicht bietet eine Art regulatorischen Sandkasten, in dem die Firmen ihre Angebote erst einmal ausprobieren können. Finanzminister George Osborne ernannte jüngst sogar eigens eine Fintech-Beauftragte. Insgesamt 17 Fintech-Initiativen hat Unternehmensberater Peter Barkow von Barkow Consulting am Finanzplatz London gezählt. "In Deutschland gibt es unseres Wissens keine einzige vergleichbare Fintech-Initiative von Politik oder Aufsicht", sagt er.

Das möchte die Bundesregierung nicht so ganz auf sich sitzen lassen und spricht sich nun erstmals für die Verbesserung des Standorts aus. "Fintechs können eine große Chance für den Finanzmarkt Deutschland sein", sagte Jens Spahn (CDU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, der Süddeutschen Zeitung. "Klar ist, dass diese Unternehmen viel Potenzial haben und viel verändern, zum Beispiel die Art und Weise, wie wir bezahlen oder wo wir Kredite aufnehmen." Das Ministerium stünde in Kontakt mit der Branche um zu prüfen, ob, und wenn ja, welche Maßnahmen zur Unterstützung nötig seien. "Andere Länder, etwa Großbritannien, sind da deutlich aggressiver, bis hin zu massiven steuerlichen Förderungen", sagte Spahn. Das könne aber auch Fehlanreize setzen.

Mit Blick auf die dem Ministerium unterstellte deutsche Finanzaufsicht Bafin mahnte Spahn zu einer besseren Betreuung der Fintechs: "Ein erster Schritt ist, dass die zuständige Aufsicht konkreter auf die Bedürfnisse von Fintechs eingeht". Oft hätten die jungen Unternehmen - anders als die etablierten Banken - keine eigene Rechtsabteilung und bräuchten besondere Unterstützung. "Damit verbunden ist eine klare Botschaft: Mit Frankfurt als wichtigstem Finanzplatz in Kontinentaleuropa hat die Bundesregierung ein großes Interesse daran, dass es bei uns ein Ökosystem gibt, das Gründungen im Bereich Fintech unterstützt und auch die etablierten Banken dazu ermuntert, hier aktiver zu werden." Sonst finde die Wertschöpfung auch in diesem Bereich irgendwann in London, Singapur oder New York statt.

Tatsächlich gab es zuletzt auch hierzulande Betriebsamkeit. Der Deutsche Bundestag befragte Fintech-Experten für die Digitale Agenda, und der Lobbyverband der privaten Banken will sich nun auch für Fintechs öffnen. Viele etablierten Institute sehen in den Start-ups inzwischen eher wertvolle Kooperationspartner.

Nicht nur das knappe Risikokapital ist deshalb ein Problem für die Branche, sondern auch die Einstellung der Finanzaufsicht. "Deutsche Behörden sind hier viel zurückhaltender und beobachten mehr, als dass sie eine aktive Rolle spielen", sagte Andreas Krautscheid vom Bankenverband. Dies aber habe unmittelbare Rückwirkungen auf die Frage, wo sich Fintechs ansiedeln können. "Angelsächsische Investoren verstehen die Zurückhaltung deutscher Aufseher nicht", sagte Krautscheid. Sie hätten wenig Verständnis dafür, dass Fintechs für ihre Geschäftsmodelle keine Vorabauskunft für Genehmigungen erhielten.

Die Bafin tut sich damit jedoch weiterhin schwer. "Auch Fintechs werfen regulatorische und aufsichtliche Fragen auf, die wir beantworten müssen", sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld. Dazu gebe es zwar einen Dialog mit den jungen Unternehmen, aber keinen Welpenschutz. "Gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regeln", sagte er. Immerhin: Auf ihrer Internetseite will die Bafin die Fintechs nun besser informieren.