Die Zukunft der Financial Times Deutschland ist vorerst gesichert: Gruner + Jahr übernimmt die zweiten 50 Prozent und gliedert das börsentäglich erscheinende Blatt in den Bereich Wirtschaftsmedien ein.
Achim Twardy, Vorstand bei Gruner+Jahr, war persönlich in der Redaktionskonferenz der Financial Times Deutschland (FTD) erschienen. Was er an diesem Mittwoch verkündete, sorgte erst einmal für Erleichterung: G+J wird künftig 100 Prozent an der FTD halten. "Das ist eine gute Lösung für uns", meint FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann. "Damit ist die Hängepartie endlich vorbei", sagt einer aus der Redaktion.
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Seit Monaten hatte Mitgesellschafter Pearson (Financial Times) einen Käufer für den 50-Prozent-Anteil an der defizitären FTD gesucht, deren Markenzeichen das rosafarbene Papier ist. Verhandelt wurde unter anderem mit dem Spiegel-Verlag, aber die bestimmende Mitarbeiter-KG des Spiegel fand das Geschäft viel zu riskant. Manche fürchteten gar die Einstellung der FTD, die im Februar 2000 erstmals erschien. Jetzt griff G+J zu, der Bestand der FTD ist wohl vorerst gesichert. Die Hamburger zahlen angeblich knapp acht Millionen Euro in bar und nochmal den gleichen Betrag für die Nutzung der Namensrechte über zehn Jahre. Wie es dann weitergeht, ist offen.
Synergien im Anzeigenverkauf
Die FTD wird in den Bereich Wirtschaftsmedien der Bertelsmann-Tochter eingegliedert, hier erscheinen bereits Capital, Impulse und das Anlegermagazin Börse Online. Die Redaktionen an den Standorten in Köln (Capital, Impulse), München (Börse Online) und Hamburg (FTD) arbeiteten weiter unabhängig, heißt es. Ein Personalabbau sei bei den Journalisten nicht geplant. Der Verlag dagegen zieht von Köln nach Hamburg um. Etwa 30 der insgesamt 120 Stellen im Verlagsmanagement sollen im Rahmen der Zusammenführung mittelfristig abgebaut werden, teilte G+J mit. Christoph Rüth bleibe FTD-Geschäftsführer. Synergien erhofft sich der Verlag vor allem im Anzeigenverkauf. Eine verstärkte Zusammenarbeit der Titel werde auch im Internet geprüft, sagte Klusmann.
Der G+J-Bereich Wirtschaftsmedien sieht sich nun nicht mehr weit vom Hauptkonkurrenten Holtzbrinck, der mit dem Handelsblatt und der Wirtschaftswoche am Markt ist. Durch die Übernahme und die Neugliederung erwartet G+J laut Branchenkreisen, dass die FTD, die derzeit eine Auflage von 104.000 Stück erzielt, spätestens im kommenden Jahr endlich Gewinne macht.
Dieses Ziel war mehrmals verfehlt worden. Pearson will sich künftig auf die britische Financial Times konzentrieren. Auch künftig gebe es einen Austausch von Artikeln zwischen FT und FTD, teilte Pearson mit.
(SZ vom 31.01.2008/mah)