Fiktive Kosten Großkonzerne nutzen belgisches Steuerschlupfloch

Schokolade, Bier - und fiktive Eigenkapitalzinsen: Belgien bietet attraktive Vorteile. Mit einem ungewöhnlichen Trick können Konzerne ihre Gewinne ganz legal kleinrechnen. Das nutzen auch Dax-Konzerne.

Belgien lockt mit allerlei schönen Dingen: die edle Schokolade, die vielen verschiedenen Biere, die Architektur. Auch für Unternehmen hat der Staat etwas im Angebot - den fiktiven Eigenkapitalzinsabzug. Der Trick mit dem schwierigen Namen hilft Konzernen, ihre Steuern zu drücken. Das Gesetz biete eine "der innovativsten Maßnahmen der Steuervergünstigungen", wirbt Belgien auf einer Website, die sich an ausländische Investoren richtet.

Ein offizieller Werbeprospekt (PDF) rechnet vor, wie ein Unternehmen seine Steueranteil von 33,99 Prozent, dem Standardwert, auf 8,5 Prozent drücken kann. Der Trick dahinter klingt ziemlich ungewöhnlich: Konzerne dürfen für ihr Eigenkapital fiktive Zinsen in Höhe von 3,0 Prozent berechnen. Den entsprechenden Betrag darf das Unternehmen dann als Kosten gegen echte Gewinne gegenrechnen - voilà, weniger Geld ist zu versteuern. Die Unternehmensberater von PricewaterhouseCoopers (PwC) nennen den Trick "attraktiv und leicht umzusetzen", er führe zu "substantiellen Steuerersparnissen". Diese Konstruktion sei zudem eine schöne Alternative, um Zukäufe in Europa steuergünstig zu managen.

Der Spiegel hat bei der belgischen Zentralbank nachgeschaut, wie viel Steuern deutsche Unternehmen in Belgien zahlen:

  • Bayer hat in Belgien 2011 für einen Vorsteuergewinn von 254,8 Millionen Euro nur 10,8 Millionen Euro an den Fiskus gezahlt. Dafür habe Bayer 2011 das Eigenkapital seiner belgischen Tochter auf über acht Milliarden Euro verdoppelt, um vom fiktiven Eigenkapitalzinsabzug zu profitieren, so der Spiegel.
  • Die VW-Konzerntochter Volkswagen Group Services mit Sitz in Brüssel konnte dem Bericht zufolge 2012 einen steuerfreien Gewinn von 153 Millionen Euro, im Vorjahr seien 141 Millionen Euro steuerfrei gewesen.
  • Eine BASF-Tochter im belgischen Antwerpen zahlte 2011 dem Magazin zufolge nur 2,6 Prozent an Steuern.