Über den Einstieg Fiats bei Chrysler waren die Italiener begeistert. Dass der Konzernchef nun zugleich bei Opel mitmischen will, schürt allerdings Sorgen um die Jobs.
Neues Spiel, neues Glück. Nur die Bedingungen haben sich für den Fiat-Chef gründlich geändert. Nach dem Erfolg vor fünf Tagen bei Chrysler empfange Sergio Marchionne in Berlin "nun intensives Sperrfeuer", informierte der Historiker und Deutschland-Kenner Gian Enrico Rusconi die Leser des Fiat-Hausblatts La Stampa am Montag.
Sergio Marchionne - "intensives Sperrfeuer" in Berlin (© Foto: ddp)
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Doch auch in Italien, das den mit dem Segen der US-Regierung eingefädelten Chrysler-Einstieg überschwänglich feierte, mischen sich in die Anbetung von "Turbo-Marchionne" nun Sorgen um die heimischen Arbeitsplätze.
Marchionne stellte sich prompt auf sein neues Spielfeld ein. Wenige Stunden vor dem Abflug nach Berlin trommelte er die Fiat-Verwaltungsratsmitglieder zusammen. Der USA-Rückkehrer ließ sich "volle Unterstützung" geben für sein Vorhaben, eine Fusion des Fiat-Autogeschäfts mit Chrysler und der europäischen GM-Tochter zu betreiben.
Sein Ziel, einen globalen Autokonzern mit einer Jahresproduktion von sechs Millionen Autos zu schaffen, hätte Marchionne damit erreicht. Die verschmolzenen Autohersteller würden gemeinsam 80 Milliarden Euro umsetzen und hinter Toyota zur Nummer zwei auf dem Weltmarkt aufsteigen.
Für diese "Hochzeit im Himmel" (Marchionne) brachen die Fiat-Räte ein Tabu. Ausdrücklich billigten sie die Ausgliederung der Fiat-Auto-Gruppe in ein neues Börsenunternehmen, das mit GM Europe und Chrysler-Anteilen fusioniert würde. Über die Abspaltung des Turiner Autogeschäfts war schon seit Jahren spekuliert worden.
Hoffnung auf neues Kapital
Die Abspaltung soll den Avancen in Berlin Glaubwürdigkeit verleihen. Vom Börsengang der fusionierten Autosparten noch im Sommer verspricht man sich bei Fiat Zugang zu frischem Kapital. Denn die auf 7,4 Milliarden Euro angewachsenen Schulden im industriellen Geschäft gelten als Ausweis der Finanzschwäche der Italiener. Die Mailänder Börse reagierte am Montag begeistert. Der Kurs der Fiat-Aktie stieg bereits zu Handelsbeginn um sieben Prozent. Die Anleger trauten dem strategisch flexiblen Marchionne schon in den vergangenen Monaten viel zu. Seit Jahresbeginn legte der Fiat-Kurs um 75 Prozent zu.
Für den 110 Jahre alten Familienkonzern wäre der neue Kurs ein Umbruch. Das Autogeschäft mit Fiat, Lancia und Alfa Romeo trägt die Hälfte zum Konzernumsatz von 60 Milliarden Euro bei. Nach der Ausgliederung blieben der Nutzfahrzeughersteller Iveco, die Land- und Baumaschinentochter CNH, die beiden Sportwagenmarken Ferrari und Maserati sowie Anlagenbau- und Zuliefererfirmen zurück. Rückendeckung für seine Übernahmepläne hat Marchionne von den Agnelli-Erben. Schon vergangene Woche signalisierte Großaktionär John Elkann, die Fiat-Gründerfamilie Agnelli nähme eine Verwässerung ihres 30-Prozent-Anteils in Kauf. "Wir sind dazu bereit, in einem gewachsenen Ganzen zu schrumpfen", sagte der 32-jährige Agnelli-Enkel und Fiat-Vizepräsident.
In den Jubelchor über die geplante Chrysler-Übernahme mischen sich in Italien jedoch zunehmend Misstöne. Guglielmo Epifani, Chef des linken Gewerkschaftsbundes CGIL, hatte das US-Geschäft noch als "vortrefflich" gelobt. Bei den Opel-Verhandlungen ist ihm längst nicht so wohl. Sie könnten zu stärkerer Konkurrenz führen und Auswirkungen auf die Beschäftigung in Italien haben, fürchtet Epifani. "Das Schicksal der italienischen Fabriken darf nicht am seidenen Faden hängen", mahnte er.
Der Turiner Chef der Metallgewerkschaft FIOM, Gianni Rinaldini, tritt weniger diplomatisch auf. "Das von Fiat gezeichnete Bild ist paradox. Es fehlt nicht mehr viel, und Marchionne wird heilig gesprochen. Dabei muss der Großteil der Beschäftigten kurzarbeiten", schimpfte der Metallgewerkschafter. Auch Industrieminister Claudio Scajola will Marchionne in die Pflicht nehmen. "Fiat muss klarmachen, was es mit seinen Unternehmen in Italien vorhat", erklärte der Parteifreund von Regierungschef Silvio Berlusconi im italienischen Radio.
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(SZ vom 05.05.2009/hgn)
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Die Regierung sollte meines Erachtens für Opel gar kein Geld zur Verfügung stellen, weil sich Opel dadurch sowieso nicht "retten" lässt.
Opel könnte allenfalls durch den Markt gerettet werden, d.h. nur dann, wenn sich genügend Käufer für ihre Autos finden lassen. Dazu braucht man attraktive Produkte zu einem fairen Preis. Gibt es die derzeit bei Opel? Der Opel Insignia mag ja ganz schick aussehen, er hat aber funktionelle Mängel (Raumangebot, Übersichtlichkeit, etc.), keine aktuellen Techniken zur Verbrauchsreduzierung und er ist fast so teuer wie ein Audi oder BMW.
Was Fiat mit Opel vorhat, ist angesichts der weltweiten Überkapazitäten in der PKW-Produktion evident, siehe dazu auch den Bericht in der heutigen FAZ.
Fiat wird Opel auf die gleiche Art und Weise retten wie BENQ die Handysparte von Siemens.
"Es wäre schön, wenn unsere Regierung diese simple Prognose beherzigen und für einen solchen Deal kein Geld zur Verfügung stellen würde."
Wem sollte die Regierung Geld zur Verfügung stellen, d.h. wer könnte die Opel Arbeitsplätze retten.
Und woher nehmen Sie die Information, dass Fiat die Opel Werke schliessen wird?
Die aktuellen Auftritet von Marchionne erinnern an das Märchen "Der Wolf und die 7 Geißlein", in dem der Wolf Kreide frisst, um seine Stimme zu verstellen und so seine wahre Existenz und und seine wahren Absichten zu verschleiern.
Egal, was der FIAT-Chef derzeit in Berlin und anderenorts treuherzig erzählt:
Einziges Ziel von FIAT ist, sich mit Unterstützung der deutschen Steuerzahler Opel einzuverleiben und dann Opel nach Ablauf einer gewissen "Schamfrist" dicht zu machen.
Damit hätte sich FIAT elegant und kostengünstig eines Hauptwettbewerbers entledigt.
Es wäre schön, wenn unsere Regierung diese simple Prognose beherzigen und für einen solchen Deal kein Geld zur Verfügung stellen würde.
dass einige Akteure sich, wenn die Hütte so richtig lichterloh brennt, aus den noch unbeschädigten Teilen der Volkswirtschaften zu billigsten Preisen bedienen können.
Darum ist es selbstverständlich auch Unsinn, anzunehmen, dass die gegenwärtige Krise so etwas wie ein Unfall ist, der trotz größer Achtsamkeit nun einmal leider doch "passiert" ist.
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