Interview: Marc Beise, Karl-Heinz Büschemann

Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), klagt im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung über Unternehmenschefs, die ihrer sozialen Verantwortung nicht gerecht werden.

Jürgen Thumann, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) beklagt das schlechte Image der Manager. Er sei "regelrecht wütend", über das "krasse Fehlverhalten einiger, durch die die ganze Gruppe der Manager und Unternehmer in Misskredit gerät", sagte er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Er verurteile "das Fehlverhalten der Reichen und und Einflussreichen deshalb so scharf, weil gerade der Unternehmer eine besondere Vorbildfunktion hat."

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SZ: Herr Thumann, sind Sie mit dem Image deutscher Manager und Unternehmer in der Öffentlichkeit zufrieden?

Jürgen Thumann: Natürlich nicht. Wir kommen ja fast nur noch im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung oder Maximalgehältern vor. Dabei gibt es Tausende von Familienunternehmern und Managern, die sich vorbildlich verhalten, die ihrer Verantwortung als herausgehobene Akteure in der Gesellschaft gerecht werden, Unternehmen erfolgreich führen und Arbeitsplätze schaffen.

SZ: Ist die Wirtschaft vielleicht selbst schuld an ihrem miserablen Image?

Thumann: Natürlich sind die schwarzen Schafe verheerend für das Ansehen der Manager. Die Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen den ehemaligen Postchef Zumwinkel sind sehr belastend. Und die Stimmung dreht sich ja nicht nur gegen die Manager, sie richtet sich gegen die soziale Wirtschaft. Wir brauchen doch einen Grundkonsens in Wirtschaft und Gesellschaft und ich frage mich, ob wir den noch haben. Wir kommen an der Wertediskussion nicht vorbei. Da müssen die Unternehmer offensiver sein.

SZ: Welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?

Thumann: Ein Unternehmer muss Vorbild sein. Die Mitarbeiter sehen in ihren Eigentümern oder Managern Leitfiguren. Wenn der Mann an der Spitze Fehlverhalten zeigt, wird er besonders kritisch gesehen. Wenn er aber sogar gegen Gesetze verstößt, ist das Ergebnis ein miserables Ansehen.

SZ: Also: Der Chef muss Vorbild sein. Welche Werte sind noch gefragt?

Thumann: Anstand, Ehre und Gewissen. Ich erinnere an das Verhalten des ehrbaren Kaufmanns. Das müssen wir hoch halten.

SZ: Warum hinterziehen Menschen, die soviel Geld verdienen, noch Steuern?

Thumann: Es beginnt ja im Kleinen, und kann dann in die Millionen gehen. Wir neigen in der Gesellschaft dazu, angeblich geringe Regelverstöße zu akzeptieren. Von der Schwarzarbeit ist es kein weiter Weg mehr zum Schwarzgeld ...

SZ: Jetzt lenken Sie ab.

Thumann: Überhaupt nicht. Ich will da auch nicht ausweichen: Ich verurteile das Fehlverhalten der Reichen und Einflussreichen deshalb so scharf, weil gerade der Unternehmer eine besondere Vorbildfunktion hat. Wer Recht bricht, gehört vor Gericht. Der muss bestraft werden und ich hoffe, dass dann vor dem Richter alle gleich sind.

SZ: Sie wären also gegen eine Einstellung der Steuerverfahren bei Zahlung einer hohen Summe, wie es häufig vorkommt?

Thumann: Es wäre schlecht für das Ansehen der Manager, wenn der Eindruck entstünde, es würde mit unterschiedlichem Maß gemessen.

SZ: Sind Sie von Herrn Zumwinkel, der ja ein regelmäßiger Gesprächspartner war, persönlich enttäuscht?

Thumann: Ich möchte nicht über den Einzelfall reden, es gilt ja die Unschuldsvermutung. Ich will generell sagen: Wer Recht bricht und Steuern hinterzieht, der muß die Folgen tragen, der gehört nicht mehr dazu.

SZ: Es sind ja nicht nur die ungesetzlichen Taten, die Anstoß erregen, sondern auch legale. Ein Imageproblem haben die Manager auch wegen der rasant gestiegenen Einkommen. Sind die Gehälter noch mit der Vorbildfunktion zu vereinbaren, die Sie einfordern?

Thumann: Diese Gehälter entstehen doch nicht durch Selbstbedienung. Sie werden durch Aufsichtsräte und Personalausschüsse genehmigt - in denen übrigens auch Gewerkschaftsvertreter sitzen. Ich kann nur an die Aufsichtsräte appellieren, dass sie dafür Sorge tragen, dass die Aktionäre, die ja die Eigentümer der Unternehmen sind, stärker in diese Frage einbezogen werden.

SZ: Passen die Aufsichtsräte nicht genug auf?

Thumann: In einigen Fällen hätten die Aufsichtsräte Fehlentwicklungen verhindern können.

SZ: Warum verdienen Manager so viel?

Thumann: Das hängt ursächlich mit der Veränderung ihrer Aufgaben zusammen. Die durchschnittliche Verweildauer von Spitzenmanagern in ihren Aufgaben liegt inzwischen unter vier Jahren. Da versucht mancher, bei seinem Engagement möglichst viel rauszuholen.

Lesen Sie auf Seite zwei, was die soziale Verantwortung der Manager mit deren kurzer Verweildauer in den Unternehmen zu tun hat.

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