Fehlendes Geld Griechische Banken bitten um Hilfe

  • Zwei große griechische Banken haben dem Bericht einer Athener Zeitung zufolge bei der Zentralbank des Landes einen Antrag auf finanzielle Nothilfen gestellt.
  • Es soll sich um einen Betrag in der Höhe von fünf Milliarden Euro handeln.
  • Auch die Europäische Zentralbank müsste diese Hilfen bewilligen.
Von Christiane Schlötzer, Athen

Die Erschütterung war fast in ganz Athen zu spüren. Es war ein kurzer Schock, ein leichtes Erdbeben am Freitagmorgen, wie die Seismologen mitteilten. Auch die übrigen Nachrichten waren nicht gerade beruhigend. Zwei große griechische Banken sind offenbar in Nöten. Sie haben nach Angaben der Zeitung Kathimerini bei der Griechischen Zentralbank Emergency Liquidity Assistance (ELA) in Höhe von rund fünf Milliarden Euro beantragt. Um solche Nothilfe bitten Kreditinstitute, denen es an flüssigem Geld mangelt. Das Blatt berief sich auf Notenbank-Kreise.

Am 25. Januar wird in Griechenland ein neues Parlament gewählt, und die Aussicht auf einen Regierungswechsel - von den Konservativen zur Linksallianz Syriza - verunsichert viele Griechen. Das sorgt wie schon 2012 dafür, dass viele ihr Geld ins Ausland schaffen. Im Dezember waren dies rund drei Milliarden Euro, und bis Mitte Januar nach Informationen aus Bankenkreisen noch einmal rund zwei Milliarden. Der Abfluss ist jedoch geringer als vor zwei Jahren, auch weil viele Griechen in der Krise ihre Konten aufgezehrt haben.

Die Banken mussten zudem auf Druck der Regierung zuletzt Staatsanleihen erwerben. In Athen wird damit gerechnet, dass in den nächsten Tagen weitere Kreditinstitute um Geldspritzen bitten werden. ELA muss von der Europäischen Zentralbank (EZB) genehmigt werden. Die wird darüber voraussichtlich am kommenden Mittwoch beraten. Die Liquiditätsnothilfe ist mit einem Zins von etwa 1,55 Prozent für die Banken deutlich teurer als die direkte Geldaufnahme bei der EZB für 0,5 Prozent. Dafür aber müssten die Banken ausreichende Sicherheiten bieten.

178 Prozent der Wirtschaftsleistung - diese Zahl verdeutlicht, wie sehr Griechenland verschuldet ist. Zu Beginn der Krise im Jahr 2009 lag die Schuldenquote noch bei 127 Prozent. Die Rezession ließ sie weiter steigen.

Die meisten Griechen wollen den Euro

Eine aktuelle Umfrage des griechischen Meinungsforschungsinstituts Alco sieht die Linkspartei von Alexis Tispras bei 32,4 Prozent, gut drei Prozent vor den Konservativen von Premier Antonis Samaras. Damit hat sich Abstand zuletzt sogar leicht zu Gunsten von Tsipras vergrößert. Etwa jeder zehnte Wähler aber ist unentschieden. In der Syriza-Führung wird deshalb schon spekuliert, die Partei könnte gar ohne Koalitionspartner auskommen. Für die absolute Mehrheit müsste sie allerdings, je nachdem wie viele Parteien es über die Drei-Prozent-Hürde ins Parlament schaffen, zwischen 34 und 38 Prozent erhalten. Der bisherige Koalitionspartner von Samaras, die Pasok-Sozialisten, sind vom Spaltpilz betroffen. Die Demoskopen sehen sie nur noch bei 3,7 Prozent.

Tsipras hat mehrfach versichert, dass er Griechenland im Euro halten will. Dies wünschen sich auch drei Viertel der Griechen. Während Tsipras seine Botschaften inzwischen deutlich gemäßigter vorträgt, versprechen Syriza-Bewerber, die absolute Mehrheit im Blick, den Wählern nun alles Mögliche: Sparprogramme sollen gelockert werden, neue Steuern zurückgenommen und entlassende Staatsbedienstete wieder beschäftigte werden. Die Kandidatin Rachil Makri, die bislang für die rechtskonservative Anel im Parlament saß und nun für Syriza antritt, erregte gar mit der Idee Aufsehen, Griechenland könne in Geldnot auch 100 Milliarden Euro "drucken".