Fast 100 Milliarden Dollar auf der hohen Kante Apple weiß nicht, wohin mit dem Geld

Das wertvollste Unternehmen der Welt hat ein Luxus-Problem: Es hat zu viel Geld, gestand jetzt der Apple-Chef Cook. Damit steigt der Druck, die Aktionäre mit einer Dividende zu beglücken. Doch das hatte Cooks Vorgänger Steve Jobs immer kategorisch ausgeschlossen.

Von Bastian Brinkmann

Apple hat richtig viel Geld - zu viel Geld. "Ehrlich gesagt: Wir haben mehr Cash, als wir brauchen", offenbarte Apple-Chef Tim Cook vor Aktionären. Es war sein erster Auftritt vor den Apple-Eigentümern als CEO seit dem Tod von Steve Jobs. Der Konzern hat mittlerweile Reserven in Höhe von 98 Milliarden Dollar angehäuft. Damit könnte Apple jedem Amerikaner mehr als 300 Dollar schenken. Das weckt Begehrlichkeiten.

Steve Jobs gründete Apple - der Konzern hat enorme Rücklagen.

(Foto: Bloomberg)

Großaktionäre von Apple wie etwa die Pensionskasse der öffentlichen Angestellten Kaliforniens erhöhen den Druck auf den Konzern. Sie wollen eine Dividende sehen: Apple soll den jährlichen Gewinn an die Eigentümer ausschütten. Doch Cook hält dagegen - bislang. Das Management überlege sehr vernünftig, was im Interesse der Aktionäre sei, betont er seit Wochen. Hoffnungen auf eine Milliarden-Ausschüttung dämpfte er recht deutlich: "Wir werden jetzt nicht loslegen und eine Toga-Party schmeißen."

Damit setzt Cook die Politik seines Vorgängers Steve Jobs fort. Der hielt nichts von Dividenden und benutzte die Cashmacht des Hauses lieber, um neue Produktkategorien zu entwickeln, die dem Konzern immer wieder Rekordumsätze bescherten - Stichwort iPhone und iPad. Das war den Aktionären in der Vergangenheit auch recht. Denn Apples Aktienkurs und damit ihr Vermögen stieg und stieg und stieg seit Jahren, wie auch Apples Reserven.

Jobs schaffte die Dividendenzahlung ab, als er Ende der 1990er ins Unternehmen zurückkam. Nun muss sich Apples neuer Chef Cook positionieren: Was macht Apple mit seinen Milliarden-Reserven? Zwar distanziert er sich davon, jetzt Geld auszuschütten. Doch er schließt eine Zahlung auch nicht kategorisch aus: "Die hohen Geldreserven sind für mich keine Glaubensfrage, da bin ich nicht religiös."

Zuletzt gab es 1995 eine Ausschüttung

Das letzte Mal zahlte Apple 1995 eine Dividende. Jobs war zu der Zeit nicht an Bord, er hatte das Unternehmen in den 1980er Jahren verlassen. Mitte der 1990er lief bei Apple einiges schief: Umsatz- und Gewinnprognosen korrigerte der Konzern scharf nach unten; Kunden mussten Wochen auf ihre Macs warten, weil der Konzern nicht liefern konnte; es gab eine Rückrufaktion, nachdem die Batterie zweier Vorführmodelle in Flammen aufging; im Marktkampf gegen Microsoft ging es keinen Schritt vorwärts.

Wenn Konzerne die Aktionäre nicht mit einer Wachstumsgeschichte zufriedenstellen können, versuchen sie manchmal, mit Ausschüttungen die Anteilseigner bei Laune zu halten. Steht eine Aktie etwa bei 90 Euro und ein Konzern schüttet 4,50 Euro aus, entspricht alleine die Dividende einer Zinszahlung von fünf Prozent - das freut Investoren.

Wer bekommt das Geld? Anleger, Mitarbeiter, Zulieferer?

Finanzanalysten von Morgan Stanley haben schon mal nachgerechnet, wie Apple sein Geld an die Aktionäre ausschütten könnte. Sie halten eine jährliche Dividende von 1,9 bis 3,8 Prozent allein aus dem Gewinn möglich. Auch eine Einmalzahlung von 25 Dollar pro Aktie wäre denkbar.

Bleiben noch die Mitarbeiter. Apple zahlt im Silicon Valley nur marktübliche Gehälter und kann ausnutzen, dass die Angestellten bereits dadurch sehr motiviert sind, bei einem so erfolgreichen, ja coolem Konzern zu arbeiten.

Und dann sind da noch die Zulieferer, vor allem Foxconn in China. Hier werden Apple-Produkte äußerst billig zusammengeschraubt: Für ein iPhone kostet das gerade einmal 6,50 Dollar - das entspricht nur 3,6 Prozent der Herstellungskosten, die 2009 Volkswirte der Asiatischen Entwicklungsbank auf rund 180 Dollar taxiert haben.

Die Löhne bei Foxconn sind sehr niedrig, auch wenn sie für die chinesische Landbevölkerung noch attraktiv erscheinen. Der Stundenlohn liegt etwa bei 2,20 Euro. Foxconn hat vor kurzem im US-Fernsehen versprochen, die Löhne zu erhöhen, wenn Apple mehr zahlt.

Linktipp: Maureen Tkacik kratzt am Mythos von Apple-Gründer Steve Jobs. Im Reuters-Debattenblog rechnet die US-Journalistin mit ihm ab. Sie erzählt von seinem Umgang mit Frauen, seinem Schwärmen für den LSD-Rausch - und seinem angeblichen Körpergeruch.