Mittelständische Firmen hadern mit den Regeln des Aktienmarktes. Nur für wenige lohnt sich der Aufwand wirklich.
Rückblickend sieht es aus wie ein schlechtes Omen: Ausgerechnet das mittelständische Bestattungsunternehmen Ahorn aus Berlin gab im Januar seine Börsenpläne auf. Es folgten viele andere, und so ist der Neuemissionsmarkt derzeit ein Fall für Ahorn - mausetot. "Seit Sommer 2007 hat sich der Mittelstand wegen der Finanzkrise kaum mit dem Thema Börsengänge befasst", sagt Wolfgang Hartmann, Chef des mittelständischen Unternehmernetzwerkes TEC International.
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Mittelständische Firmen hadern mit den Regeln des Aktienmarktes. Nur für wenige lohnt sich der Aufwand wirklich. (© Foto: AP)
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In diesem Jahr gab es in Deutschland im regulierten Markt überhaupt noch keinen Börsengang. Zuletzt verschob am Dienstag das Softwareunternehmen GK sein Debüt, einen Tag vor dem geplanten Börsenstart.
Dabei hatte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) noch im November letzten Jahres in einer Studie ermittelt, dass fast ein Viertel der mittelständischen Unternehmen einen Börsengang grundsätzlich in Erwägung ziehe. Doch es ist wohl auch eine Prise Zweckoptimismus im Spiel, wenn das selbsterklärte Förderinstitut deutscher Aktienkultur "unter den mittelständischen Unternehmen ein hohes Potential für den Börsengang" sieht.
Zwar schafften in den vergangenen Jahren klassische familiengeführte Firmen wie Wacker Chemie, Wacker Construction und der Baumaschinenhersteller Bauer den Sprung auf das Parkett. Doch viele mittelständische Börsenträume endeten in der Vergangenheit mit Ernüchterung. Experten halten einen Gang an den Aktienmarkt denn auch nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen für sinnvoll.
Strenge Voraussetzungen
"Für den klassischen familiengeführten Mittelstand ist die Börse eher eine nachrangige Option bei der Kapitalbeschaffung", sagt Peter Conzatti, Fondsmanager für kleine und mittlere deutsche Unternehmen bei Lupus alpha. Oft könnten diese Firmen ihr Wachstum aus Eigenmitteln finanzieren. "Die Firmen, die bei Investoren am gesuchtesten wären, haben es oft nicht nötig, an die Börse zu gehen." Conzatti sieht vor allem zwei Anlässe, den Aktienmarkt anzuzapfen: "Eine typische Situation für einen Börsengang ist, wenn ein Nachfolger gesucht wird oder ein Wachstumsschub finanziert werden muss."
Die an der Börse interessierten Firmen selbst geben laut DAI-Umfrage vor allem die Wachstumsfinanzierung als Motiv an. Oft mischen sich auch beide Gründe: So veräußerten beim Baumaschinenhersteller Bauer die Altgesellschafter (das war neben der Gründerfamilie vor allem der Finanzinvestor Deutsche Beteiligungs AG) im Jahr 2006 einen Teil ihrer Anteile. Außerdem wollte der Konzern das Wachstum im Ausland forcieren. "Wir als Investor sehen es gerne, wenn der Eigentümer selbst beteiligt bleibt, weil er dann mit den Aktionären in einem Boot sitzt", sagt Conzatti.
Attraktiv für institutionelle Anleger
Bei Bauer akzeptierten die Anleger den Teilausstieg der Alteigentümer. Seit dem Börsengang hat der Aktienkurs sich fast vervierfacht. Abgesehen davon, dass der Baumaschinenhersteller von der guten Baukonjunktur profitierte, erfüllte er aber noch eine Reihe anderer Kriterien, die Investoren bei einem Börsengang erfüllt sehen wollen. "Entscheidend ist letztlich, dass eine Aktie an der Börse liquide ist, also rege gehandelt wird", sagt Richard Markus, Geschäftsführer der Investmentbank Jefferies in Deutschland.
Voraussetzung hierfür sei, dass die Aktie attraktiv für institutionelle Anleger ist. Ziehe eine Firma an der Börse nicht dauerhaft genug institutionelles Interesse auf sich, könne sie dort auch kein weiteres Kapital aufnehmen. "Dann verdienen an dem Börsengang vielleicht noch die Altaktionäre, aber die Börsennotiz bringt dem Unternehmen selber mittelfristig wenig", sagt Markus.
Lesen Sie im zweiten Teil, wie sich Unternehmen auf den Börsengang vorbereiten sollten.
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