Melitta-Gesellschafter Thomas Bentz über Kaffeefilter, seine Großmutter und den Preiskampf der Röstereien.
Als eine kraftvolle Persönlichkeit hat Thomas Bentz seine Großmutter Melitta in Erinnerung. Sie hat vor hundert Jahren den Kaffeefilter erfunden und das Unternehmen gegründet. Söhne und Enkel haben daraus einen Konzern mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz gemacht.
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Thomas Bentz, der Enkel von Melitta Bentz: Die Erfinderin erhielt vor 100 Jahren das Patent für ihren Filtrierapparat. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Bentz, vor hundert Jahren hat Ihre Großmutter Amalie Auguste Melitta in Dresden den Kaffeefilter mit Papiereinsatz erfunden. Können Sie sich noch an Ihre Großmutter erinnern?
Thomas Bentz: Klar. Ich war sechs Jahre alt, als sie 1950 starb. Sie wohnte hier in Minden und wir haben sie oft besucht.
SZ: Was war sie für eine Frau?
Bentz: Für uns Enkel war sie eine ganz normale Großmutter, gütig und wohlwollend. Ich erinnere mich noch genau an ihre Stimme. Sie war eine sehr kraftvolle, lebhafte Persönlichkeit. Sie hatte eine enorme Willenskraft, großes Durchhaltevermögen und einen unbändigen Drang, unabhängig zu bleiben.
SZ: Ende der zwanziger Jahre wurde der Firmensitz von Dresden nach Minden verlegt. Was gefiel Ihrer Großmutter denn an Minden so gut?
Bentz: Das war reiner Pragmatismus: In Dresden war es meinen Großeltern auch mit Hilfe der Stadt nicht gelungen, ein passendes Grundstück zu finden, und sie brauchten dringend Platz. Hier in Minden gab es eine leerstehende Schokoladenfabrik mit einem großen Grundstück, auf das sie aber eher zufällig gestoßen sind.
SZ: Wie das?
Bentz: Wenn meine Großeltern von Dresden zu unserem Papierlieferanten ins Rheinland reisten, übernachteten sie immer in Minden im König von Preußen. Das Hotel gibt es nicht mehr. Bei einem ihrer Aufenthalte in Minden haben meine Großeltern von der alten Fabrik erfahren. Und dem Angebot der Stadtväter, ihnen fünf Jahre die Realsteuern zu erlassen, wenn sie nach Minden ziehen und Arbeitsplätze schaffen, konnten sie nicht widerstehen.
Lesen Sie weiter: Wie Melitta den Kampf um den Kaffeepreis kompensiert.
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