IW-Mittelstandsexperte Klaus-Heiner Röhl über die Heimatverbundenheit von Familienunternehmen und Standortdefizite.
Nicolas Maier-Scheubeck ist in guter Gesellschaft. Trotz steter Klagen halten viele Familienunternehmer ihrem Stammsitz die Treue. Das hat emotionale Gründe, wie Klaus-Heiner Röhl, Mittelstandsexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, in einer Studie herausfand. Die Verbundenheit zur Region zeige sich ganz gut am gesellschaftlichen Engagement.
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Viele Familienunternehmen haben ihren Sitz in kleineren Städten oder auf dem Land. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Röhl, die deutschen Familienunternehmen klagen viel über die Nachteile des Standortes Deutschland: zu hohe Steuern, zu viel Bürokratie, unflexible Arbeitsmärkte. In Ihrer jüngsten Studie über die Zukunft der Familienunternehmen haben Sie herausgefunden, dass die inhabergeführten Firmen dennoch überaus heimatverbunden sind. Ist das Gejammer grundlos?
Röhl: Nein. Gerade weil die Familienunternehmen weniger stark internationalisiert sind als Nichtfamilienunternehmen, leiden sie stärker unter den Standortdefiziten in Deutschland. Die Konzerne gehen einfach ins Ausland.
SZ: Unter welchen Defiziten leiden die Firmen am stärksten?
Röhl: Die Angst ist groß, dass die Reformen, die gemacht wurden und in die richtige Richtung wiesen, wieder zurückgedreht werden und man am Ende wieder im gleichen Schlamassel sitzt wie 2002 vor der Agenda 2010.
SZ: Woher rührt die Heimattreue?
Röhl: Die Treue der Familienunternehmen gilt nicht unbedingt Deutschland, sondern vielmehr der Region oder sogar ihrem Heimatort. Das hat emotionale Gründe.
SZ: Welche?
Röhl: Die Vorfahren haben dort die Firma gegründet. Deshalb fühlen sich auch die Nachkommen dem Standort verbunden. Das sieht man ganz gut am Spendenverhalten. Familienunternehmen spenden viel und engagieren sich stark gesellschaftlich. Anders als Großunternehmen, die das als Teil ihrer globalen Imagekampagne sehen, spenden die Firmeneigentümer regional, etwa für Schulen oder soziale Projekte.
SZ: Fließen die Spenden wirklich freiwillig oder steht dahinter nicht der gesellschaftliche Druck und die Erwartung, Verantwortung für die Region zu zeigen, aus der die Mitarbeiter kommen und in der die Firma das Geld verdient?
Röhl: Das mag es geben. Aber Familienunternehmer sind häufig eigenwillige Typen, die nicht auf gesellschaftlichen Druck reagieren, sondern ihren eigenen Kopf haben. Viele hängen ihr gesellschaftliches Engagement gar nicht an die große Glocke, sondern spenden anonym. Die Imagewirkung spielt keine Rolle.
SZ: Ist die Heimatverbundenheit nicht aus der Not geboren, denn für viele Familienunternehmen kommt eine Expansion ins Ausland schon wegen der Größe nicht in Frage?
Röhl: Viele kleine Unternehmen haben in der Tat nicht die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Aber unsere Studie hat gezeigt, dass auch die größeren und industriellen Familienunternehmen ab einem Umsatz von 50 Millionen Euro dem Standort stärker verbunden sind. Das dürften insgesamt etwa 1200 sein. Sie machen knapp ein Drittel aller Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro aus.
Lesen Sie auf der nächsten Seite übere weitere Gründe, warum Familienunternehmen aus Deutschland selten ins Ausland expandieren.
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