Unternehmen verlagern nicht nur die Produktion, sondern auch Forschung und Entwicklung immer häufiger aus Deutschland weg ins Ausland. Eine bislang unveröffentlichte Studie zeigt, warum.
Es war wohl nur eine Frage der Zeit: Zuerst exportierten die deutschen Unternehmen lediglich ihre Waren. Dann verlagerten sie auch die Produktion ins Ausland. Und nun wandern nach und nach auch Forschung und Entwicklung ab. Zwar liegt Deutschland, gemessen an der Zahl der angemeldeten und erteilten Patente, immer noch weit vorne in der Welt. Auch sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (knapp 56 Milliarden Euro im Jahr 2005) immer noch mehr als doppelt so hoch wie in China.
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Noch nicht ins Ausland verlagert worden: Philips Semiconductors in Hamburg - dort werden Mikrochips entworfen. (© Foto: ddp)
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"Aber ein Grund zur Beruhigung ist das nicht", sagt Axel Schröder, Chef der gleichnamigen Unternehmensberatung aus Holzkirchen bei München. "In China verlassen jedes Jahr 15-mal so viele Ingenieure die Universitäten wie in Deutschland. In zwei Jahren werden es 20-mal so viele sein." Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wachsen in China mit hohen zweistelligen Raten, wenn auch von einer deutlich niedrigeren Basis aus.
In kleinen Firmen wird noch "zu Hause" geforscht
"Die Verlagerung von Forschung und Entwicklung ist bereits fortgeschritten", fand Schröder in einer Umfrage heraus. An der bislang unveröffentlichten Studie haben sich rund 240 Industrieunternehmen beteiligt. Die meisten von ihnen sind mittlere und größere Betriebe, hauptsächlich aus den Branchen Automobil-, Maschinenbau und Elektronik.
Ein zentrales Ergebnis der Befragung: Je größer das Unternehmen, desto stärker die Verlagerung. In Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern wird noch eher "zu Hause" geforscht und entwickelt; nicht mal ein Fünftel der Mitarbeiter, die an Innovationen tüfteln, sitzt im Ausland. Über alle Firmengrößen und Branchen hinweg betrachtet, befinden sich bereits 45 Prozent der Forscher und Entwickler im Ausland.
Spitzenreiter: Elektronik-Industrie
Osteuropa und China sind die neuen Ziele dieser Verlagerungen. Verglichen mit traditionellen Auslandsstandorten wie Nordamerika und Japan stecken sie allerdings noch in einer frühen Phase der globalen Arbeitsteilung, wie Schröder analysiert: Während in den alten Zielländern auf dem gleichen Niveau geforscht und entwickelt werde wie hier, sei das in den neuen Regionen noch nicht so. Auch Vorentwicklungen, Machbarkeitsstudien und Innovationen würden nicht geleistet: "Dort werden einfache Teile konstruiert oder länderspezifische Anpassungen vorgenommen." Aber die Schwellenländer holen schnell auf, merkt Schröder an.
Lesen Sie weiter: Die wichtigsten Gründe für die Verlagerung.
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"Selbst wenn all diese Faktoren berücksichtigt werden, sind die beiden Regionen günstiger als Deutschland, wo die Lohnkosten im Schnitt 72 Euro je Stunde betrugen. Für Osteuropa errechnete Schröder einen Lohnkostenvorteil von fast 30 Euro je Stunde, für China sogar von gut 35 Euro - und das trotz der deutlich geringeren Produktivität dort."
250 Arbeitstage incl. Urlaub mal 7,5h/Tag (bezahlte, Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten) bei Lohnkosten von 72/h wäre ein Jahresgehalt von 135.000.
Ein normaler Ingenieur verdient als außertariflicher Mitarbeiter bestenfalls 65.000/Jahr (Jungingenieure träumen davon), was incl. Arbeitgeberanteilen auf 80.000 p.a. hinausläuft. Mir deucht, der Verwaltungsoverhead, der in diesen Kosten mit drin stecken muss birgt einiges an Einsparpotenzial. Oder die Jungs buchen viele Umlagen mit auf Entwicklung, welche normalerweise zum Overhead gehören würde - Vertriebskosten sowie Vertriebsinnendienst z.B., das braucht eine Entwicklungsabteilung nicht.