Fahrzeugindustrie in der Euro-Krise Autoland Deutschland rostet

In der Euro-Krise kaufen so wenig Deutsche wie seit 20 Jahren einen neuen Wagen. Auch prestigeträchtige Autos sind gefährdet. Die Hersteller sind ratlos.

Ein Kommentar von Thomas Fromm

Autos gehören zu den Produkten, die warten können. Solange der alte Wagen noch fährt, braucht man eigentlich keinen neuen. Schon gar nicht jetzt, mitten in der Euro-Krise. Das denken sich nicht nur Menschen, die in den Krisenländern Südeuropas leben. So entscheiden auch viele Deutsche, die an Südeuropa, den Euro und ihre eigene Zukunft denken. Sie beschließen, ihren zehn Jahre alten Golf noch etwas länger zu fahren.

Dem Autoland Deutschland gehen so die Kunden aus - so wenig PKWs wie zurzeit wurden zuletzt vor 20 Jahren verkauft. Die Hersteller sind ratlos, und außer schädlichen Preisnachlässen gibt es derzeit kein Rezept gegen die Misere.

Diejenigen, die es zuerst trifft, sind Europas Massenhersteller. Die Fiats, Opels, Peugeots. Je länger die Krise dauert, desto ungewisser wird ihre Zukunft. Gut durch die Zeiten kommen derzeit noch die Edelboutiquen, Audi, BMW, Daimler, Porsche. Sie alle haben reiche Kunden in den USA und Asien. Und: Sie verdienen nicht an der schieren Masse. Sie verdienen am Marken-Prestige ihrer teuren Autos. Der Premiumaufschlag ist es, der aus ihren Oberklassenfahrzeugen Gewinnmaschinen macht.

Nur immun gegen das, was derzeit in Europa passiert, sind auch sie nicht. Hersteller wie BMW machen noch immer rund die Hälfte ihres Geschäfts in der alten Welt. Ohne Europa können auch sie langfristig nicht leben.