Fahrradversicherungen Nicht nur in der Dämmerung

Wer sein Fahrrad liebt, der sollte es mit einem vernünftigen Schloss anketten - sonst nützt unter Umständen auch die beste Versicherung nichts.

(Foto: Johannes Simon)

Fahrraddiebe sind schnell und gewitzt und fahren schon mal mit dem Lieferwagen vor. Meist werden die Täter nicht gefasst. Radbesitzer können sich gegen Schäden wappnen.

Von Nina Nöthling, Köln

Schnell und unauffällig sind die Diebe. Selbst am helllichten Tage laden sie Fahrräder in den Lieferwagen, wenn diese nicht fest am Laternenpfahl oder einem Fahrradständer angeschlossen sind. Selten werden sie dabei beobachtet. Das Rad wiederzufinden - fast aussichtslos. Nicht selten verschachern die Täter die Zweiräder für gutes Geld nach Osteuropa. Auch die Polizei ist meistens machtlos. Einer offiziellen Kriminalstatistik zufolge wurden 2015 insgesamt 335 174 Drahtesel gestohlen, gerade einmal jeder zehnte Fall wird aufgeklärt. Eine Fahrradversicherung kann den Schaden mildern.

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Fahrrad zu versichern?

Ein Fahrrad kann über die Hausratpolice versichert werden. Denn solange es in der Wohnung oder in einem abgeschlossen Raum steht, zum Beispiel im Keller, zählt es zum Hausrat und ist innerhalb der entsprechenden Police abgesichert, erläutert Petra Schindler, bei der Gothaer zuständig für das Produktmanagement Hausrat. Die meisten Fahrräder werden jedoch nicht bei einem Einbruch gestohlen, sondern unterwegs, zum Beispiel vor dem Supermarkt. "Dann reicht die einfache Hausratpolice unter Umständen nicht aus", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Damit das Fahrrad auch außerhalb des Hauses versichert ist, muss die sogenannte Fahrradklausel in der Hausratpolice enthalten sein. Bei einigen Anbietern ist das automatisch der Fall, bei anderen muss sie zusätzlich gebucht werden, sagt Schindler.

Was ist versichert?

Über die Fahrradklausel sind neben dem gesamten Fahrrad auch einzelne Teile versichert. Dazu gehören Reifen, Gepäckträger und Sattel. Nicht versichert sind hingegen lose Teile wie Gepäcktaschen. Versicherer leisten bei einem Diebstahl nur dann, wenn das Fahrrad mit einem Schloss gesichert war. "Auch auf dem Hof muss das Fahrrad abgeschlossen sein", so Boss. Dabei reicht ein Rahmenschloss am Fahrrad nicht aus. Bei anderen Schlössern geben Versicherer keine genauen Vorgaben. Schindler von der Gothaer empfiehlt, sich beim Kauf an der Zertifizierung der Prüfstelle VdS Schadenverhütung zu orientieren, die zum Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gehört.

Ob das Gefährt auch an einer Laterne, einem Fahrradständer oder einem Zaun angeschlossen werden muss, um versichert zu sein, hängt von der Gesellschaft ab. "Unser Schutz gilt nur dann, wenn Ihr Drahtesel an einem ortsfesten Gegenstand angeschlossen ist", heißt es etwa bei der Arag. Bei der Gothaer reicht es aus, wenn das Schloss nur am Fahrrad selbst angebracht ist und damit das Wegfahren verhindert.

Sind auch Pedelecs über die Hausratpolice versicherbar?

Ja, solange das Gefährt nicht schneller als 25 Kilometer pro Stunde fährt. Außerdem muss sich der Motor abstellen, sobald der Fahrer aufhört zu treten.

Wie hoch ist die Versicherungssumme?

Die Deckungssumme legt der Besitzer beim Abschluss der Police fest. Sie beträgt meistens zwischen einem und drei Prozent der Versicherungssumme der Hausratversicherung. Bei einer Police mit 50 000 Euro Deckung wären das also 500 Euro. Bei der Arag hingegen kann der Kunde die Deckungshöhe frei in 100-Euro-Schritten festlegen. Der niedrigste Wert beträgt 300 Euro, der höchste 5000 Euro. Die Hausratversicherung versichert grundsätzlich den Neuwert des Fahrrads. Das bedeutet, wird das Fahrrad gestohlen, bezahlt der Versicherer ein gleichwertiges, neues Fahrrad zum aktuellen Marktpreis. "Das gilt sowohl wenn das Modell heute günstiger ist als auch wenn es heute teurer ist", erklärt Bianca Boss vom BdV.

Wie viel kostet der Vertrag?

Die Kosten variieren je nach Anbieter. Bei der Gothaer beispielsweise muss der Schutz zusätzlich gebucht werden und kostet für eine Fahrraddeckung von 500 Euro 13,79 Euro pro Jahr. Bei der Arag richtet sich der Preis nach dem Wohnort. In Köln kostet eine Police mit 500 Euro Deckungssumme 92 Euro im Jahr, im thüringischen Neustadt an der Orla hingegen 45,99 Euro.

Worauf muss ich beim Abschluss achten?

Boss vom BdV warnt vor der "Nachtzeitklausel". Diese besagt, dass das Fahrrad zwischen 22 Uhr und sechs Uhr nicht versichert ist, wenn es draußen abgestellt ist.

Was muss ich im Schadenfall tun?

Um ein geklautes Zweirad ersetzt zu bekommen, muss der Besitzer auf jeden Fall bei der Polizei Anzeige erstatten. Außerdem müssen der Kaufbeleg oder die Rahmennummer beim Versicherer eingereicht werden. "Ohne Belege und wenn die Fahrradmerkmale nicht anderweitig nachgewiesen werden können, zahlen wir höchstens 150 Euro", sagt Gothaer-Fachfrau Schindler. Boss vom BdV empfiehlt, direkt nach dem Kauf Fotos des Fahrrads und des Kaufbelegs zu machen, um bei einem Diebstahl Nachweise zu haben. Eine Alternative ist es, das Gefährt direkt bei der Polizei zu registrieren.

Wann lohnt sich eine spezielle Fahrradpolice?

Für Spezialräder und besonders teure Räder kann eine reine Fahrradpolice, also ein sogenanntes Stand-Alone-Produkt, sinnvoll sein. Solche Policen haben eine höhere Versicherungssumme, sagt Bianca Boss. "Hausratpolicen sind eher für Alltagsräder." Fahrradpolicen haben außerdem ein zusätzliches Kaskoelement und greifen nicht nur bei Diebstahl, sondern auch bei Schäden durch Stürze, erklärt Schindler. "Anders als bei der Hausratversicherung ist bei Stand-Alone-Produkten meistens nur ein bestimmtes Fahrrad versichert", gibt sie aber zu bedenken. Es kann sinnvoll sein, die Police beim Fahrradkauf abzuschließen, weil der Händler im Schadenfall alles mit dem Versicherer regelt.