Fahrpreiserhöhung bei der Bahn Abzocker Mehdorn

Es lebe der pflegeleichte Kunde, der seine Tickets im Internet kauft und dazu auch noch höhere Preise klaglos hinnimmt. Und all das nur, weil Bahnchef Mehdorn an die Börse strebt.

Ein Kommentar von Nina Bovensiepen

Eiligen Zugreisenden bietet die Deutsche Bahn einen angenehmen Service: Sie können ihr Ticket beim Schaffner kaufen. Kostet allerdings zehn Prozent mehr. Wer Zeit hat, kann seinen Fahrschein im Reisezentrum erwerben. Dafür muss er demnächst aber einen Bedienzuschlag von 2,50 Euro zahlen. Das ist, neben neuen Fahrpreiserhöhungen, die jüngste Nachricht von der Bahn.

Als Nächstes könnte die Meldung kommen, dass etliche Reisezentren geschlossen werden, weil der Betrieb sich nicht mehr rechnet.

Denn vermutlich werden bald nur noch jene Menschen an den Schalter gehen, die mit dem - gebührenfreien - Kauf am Automaten nicht zurechtkommen. Alte, hilfebedürftige Kunden etwa.

Rückenwind für Skeptiker

Doch auf die Hilfsbedürftigkeit ihrer Fahrgäste kann die Bahn keine Rücksicht mehr nehmen. Das ist zumindest das Signal, das der Konzern mit der neuen Preiserhöhung kurz vor seiner Privatisierung sendet. Bahnchef Hartmut Mehdorn bestärkt damit all jene Skeptiker, die schon immer befürchtet haben, der Börsengang des Unternehmens solle nur Mehdorns persönlichen Ruhm und den Ertrag der Aktionäre mehren, nicht aber den Kunden nutzen.

Es ist unklug von Mehdorn, dass er diese Skepsis ignoriert und trotzdem höhere Preise für Fahrscheine und Bahncards ankündigt. Da mögen sich noch so gute Begründungen für die Verteuerung finden lassen, die gestiegenen Kosten für Energie etwa oder die höheren Gehälter für die Lokführer.

Doch es lassen sich eben auch Gründe finden, warum die Bahn auf diesen Schritt hätte verzichten können. Zum Beispiel jener, dass der Gewinn der Bahn in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um zehn Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gestiegen ist.