Facebook geht an die Börse Alles auf blau

Facebook geht an die Börse und mit ihm das Geschäftsmodell des 28-jährigen Mark Zuckerberg. Er lässt Nutzer mit ihrem Privatleben statt mit Geld zahlen. Hat das Online-Netzwerk genug Substanz oder ist alles nur ein kurzfristiger Hype? Ist der Schritt Zeichen einer neuen Internet-Blase? Und kann sich jeder eine Facebook-Aktie kaufen?

Fragen und Antworten zum spektakulärsten Börsengang des Jahres. Von Jannis Brühl

Es ist ein Milliarden-Spiel mit dem Privatleben von fast 900 Millionen Menschen. Wenn Mark Zuckerberg an diesem Freitag mit seinem Unternehmen Facebook in New York an die Börse geht, geben Investoren auch den persönlichen Vorlieben einen Preis.

Die Nutzer pumpen Zuckerbergs soziales Online-Netzwerk voll mit Informationen: Status-Updates von "Bin im Freibad" bis zu "Kopfweh wegen gestern". Kommentare unter Fotos von Freunden. "Likes" unter Musikvideos, die gefallen. Wer die blaue Aktie kauft, geht eine Wette ein: Dass es funktioniert, wenn Nutzer nicht mit Geld bezahlen, sondern mit privaten Daten.

Investoren hoffen, nach dem Facebook-Börsengang Traumgewinne zu erzielen, die mit anderen Aktien unmöglich sind. Andere glauben, dass das Unternehmen nicht genug Substanz hat, um den Hype zu rechtfertigen und langfristig Geld abzuwerfen. Doch ob Kritiker oder Optimisten, an diesem Freitag blicken sie alle gebannt nach New York, auf den spektakulärsten Börsengang des Jahres.

Was passiert beim Börsengang?

Facebook verkauft seine Aktien zum anvisierten Höchstpreis von 38 Dollar an die Investoren, wie das Unternehmen kurz vor dem Börsengang mitteilte. Damit wurde das obere Ende der vorgesehenen Preisspanne von 34 bis 38 Dollar erreicht. Insgesamt nehmen das Unternehmen und seine Alteigentümer damit etwa 16 Milliarden Dollar ein. Die Zahl der Papiere, die Anleger kaufen können, wurde noch einmal aufgestockt: Jetzt will Zuckerberg 421 Millionen Aktien statt 340 Millionen ausgeben. Das käme nahe an die bisher größten Börsengänge heran: 2008 hatte Visa 17,9 Milliarden Dollar eingenommen. Der sanierte Autokonzern General Motors nahm bei seiner Rückkehr an die Börse im Jahr 2010 sogar mehr als 20 Milliarden Dollar ein.

Der Börsengang bedeutet aber nicht, dass das Unternehmen nun schlagartig komplett auf dem Markt gehandelt wird. Den Großteil der Aktien behalten Zuckerberg und die anderen bisherigen Besitzer. Rechnet man den Ausgabepreis vom Börsengang auch auf ihre Anteile um, könnte sich ein Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar ergeben.

Gab es schon vor dem Börsengang Facebook-Aktien?

Bisher verkaufte eigentlich nur eine Gruppe von Menschen Anteile an Facebook: ehemalige Mitarbeiter der Firma. Wenn sie mit Aktien des - noch nicht börsengehandelten - Unternehmen bezahlt wurden, konnten sie diese auf sogenannten Zweitmärkten an professionelle Investoren wie große Fonds abgeben. Die Anteile gingen gewöhnlich für mehr als 30 Dollar weg. Die Nachricht vom geplanten Börsengang trieb den Kurs um mehr als 25 Prozent in die Höhe. Mit dem Börsengang werden Facebook-Aktien öffentlich handelbar. Das heißt, dass sie jeder kaufen kann - zumindest theoretisch.

Können Kleinanleger Aktien von Facebook kaufen?

Anleger hoffen, dass sich das Börsenmärchen von Google wiederholt. Der Suchmaschinenbetreiber verkaufte seine Aktien beim Börsengang für 85 Dollar pro Stück. Heute sind sie mehr als 600 Dollar wert. Im Falle von Facebook dürften aber viele Kleinanleger vorerst leer ausgehen. Denn der Großteil der Aktien ist schon vor dem Börsengang an professionelle Investoren verteilt worden. Nur sie können zum Start Aktien zeichnen - also vorbestellen. Denn sie sind Kunden der Investmentbanken, die den Börsengang betreuen und ihnen die Aktien zugesagt haben. Beobachter rechnen damit, dass maximal 25 Prozent der Papiere für Kleinanleger zu zeichnen sind. Die zuständigen Investmentbanken wollen sich nicht äußern, welche ihrer Kunden Aktien zeichnen konnten.

Gezeichnet werden kann auch über einige US-Brokerfirmen, doch die Anforderungen sind hoch: Sie verlangen mindestens 100.000 Dollar im Depot oder eine Mindestanzahl von Aktien, die Investoren kaufen müssen. Indirekt können Anleger Facebook-Papiere kaufen, indem sie Anteile an Fonds kaufen, die auch Facebook-Aktien enthalten. Ab etwa 17 Uhr*) sollen die Aktien regulär an der US-Börse Nasdaq gehandelt werden, entsprechend dann auch am deutschen Aktienmarkt. Denkbar ist allerdings, dass sich die ersten Notierungen etwas verspäten.