Facebook-Börsengang Bürgerlicher Hacker im Kapuzenpulli

Niemand hat sich ein solches Debakel vorstellen können. Nicht einmal die vielen Kritiker, die auf das große Einmaleins verwiesen und erklärten, Facebook könne wohl kaum mehr als das Hundertfache des Jahresgewinns wert sein. Es half nichts: Das Chaos um erteilte und stornierte Orders führte gleich beim Börsenstart zu gravierenden Software-Problemen. Wer da einstieg, musste mit einstürzenden Kursen leben. All die Hausfrauen und Hobby-Börsianer, die etwas vom Boom abhaben wollten, kamen zu spät. Der Rahm war abgeschöpft. Die Profis waren schon da.

Die Sache liegt anders als etwa im Fall der deutschen Blendfirma EM.TV vor 15 Jahren in der New Economy. Die hatte klein begonnen, ehe sie das Fantasieren anfing, und wer in den ersten zwei Jahren dabei blieb und rechtzeitig verkaufte, konnte sich ein Eigenheim im Grünen leisten. Etwas Vergleichbares wird bei Facebook nicht so schnell passieren. Keiner weiß, ob der Umsatz weiter stark wächst oder ob er eben fällt, weil die Leute mit Facebook keine Werbung auf ihre Handys geschickt bekommen wollen. Keiner weiß, ob der Börsenneuling aus dem Silicon Valley nicht den Weg von MySpace gehen wird: Die einst beliebte Plattform ist nach unten durchgereicht worden, sie hat kaum noch Fans.

Der Fall Facebook bestätigt das Schlimmste am Finanzkapitalismus. In einer Situation, in der weltweit die Börsenkurse unter Druck stehen, liefert er das Beispiel für organisierte Gier. Das bringt die beteiligten Banken in Misskredit. Darunter ist JP Morgan - ein Institut, das gerade mindestens zwei Milliarden Dollar, vielleicht auch fünf Milliarden mit Spekulationen am Kapitalmarkt verloren hat.

Zuckerbergs Abkassiermodell passt ebenso nicht recht zu einer Klientel, die sich gerne anti-kapitalistisch gibt, ein wenig anarchisch und piratenhaft, mit Freude am Diskurs und an Kampagnen, die grenzenlose Freiheiten reklamiert, zum Beispiel beim Urheberrecht. Facebook will in dieser Welt für eine Neuordnung sorgen, für ein persönliches Netz, eine Art Poesiealbum für alle.

Jenseits des Zuckerberg-Gesäusels, wonach es seine Mission sei, "unsere Welt offener zu machen und stärker miteinander zu vernetzen", zeigt sich: Der Chef ist ein Spekulant. Es geht ihm um den Reibach. Er ist ein bürgerlicher Hacker, der im Kapuzenpulli vor den Bankern erschien und die Börsen-Milliarden nach Art der Programmierer feierte, mit Red Bull und DJ. Sein Griff in den Geldbeutel der Aktionäre ist nichts anderes als finanzielles Hacking. Auch Mark Zuckerberg ist ein Pirat, freilich ein extrem reicher.