EZB-Direktor Asmussen wechselt ins Arbeitsministerium

Jörg Asmussen verlässt die Europäische Zentralbank (EZB).

Von der Zentralbank ins Bundesarbeitsministerium: EZB-Direktor Jörg Asmussen wechselt als Staatssekretär ins neue Ministerium von Andrea Nahles - aus privaten Gründen. Seinen bisherigen Posten wird nach SZ-Informationen die Bundesbank-Vizepräsidentin Lautenschläger übernehmen.

Von Cerstin Gammelin, Brüssel, und Claus Hulverscheidt, Frankfurt

Erneut scheidet ein deutscher Vertreter vorzeitig aus dem Direktorium der Europäischen Zentralbank aus. EZB-Direktor Jörg Asmussen wechselt in die Regierung, er wird beamteter Staatssekretär unter Sozial- und Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll ihm Sabine Lautenschläger im Direktorium der EZB nachfolgen.

Lautenschläger ist derzeit Vizepräsidentin der Bundesbank. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss den Wechsel noch bestätigen. Bafin-Chefin Elke König wurde ebenfalls für das Amt gehandelt. Asmussen macht private Gründe für seinen Wechsel geltend. Er hatte den Posten bei der Europäischen Zentralbank erst 2011 angetreten, seine Familie war jedoch in Berlin geblieben.

Jörg Asmussen kehrt also mit seiner neuen Funktion an seinen Wohnsitz Berlin zurück. Das Arbeitsministerium ist für ihn allerdings Neuland. Er war bisher stets im Finanzministerium tätig gewesen, bevor er nach Frankfurt wechselte. Sein schneller Abgang nach nur zwei Jahren ist ungewöhnlich. Er selbst will Spekulationen vorbeugen und sagte: "Der Dienstsitz Frankfurt und die häufigen Dienstreisen sind mit dem Familienwohnsitz Berlin und insbesondere meinen beiden sehr jungen Kindern auf Dauer nicht zu vereinbaren. Andere Gründe als diese familiären gibt es definitiv nicht."

Die Personalie hat nicht nur in Berlin Überraschung ausgelöst, sondern auch in Brüssel. So twitterte der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold: "Jörg Asmussens Wechsel in die zweite Reihe der Bundesregierung ist unter Wert und schadet der Glaubwürdigkeit des Euros und der EZB." Er spielte damit auf die kurze Verweildauer von Asmussen in Frankfurt an - und darauf, dass Asmussen zeitweise als Finanzminister gehandelt worden war.

Lautenschläger könnte für Draghi ein Problem lösen

EZB-Chef Mario Draghi bedauert das Ausscheiden von Asmussen. In einem Statement sagte er, dass dieser in den zwei Jahren eine enorme Hilfe gewesen sei. Und: "Ich werde ihn persönlich sehr vermissen."

Wechselt Lautenschläger in das Gremium, dann könnte das jedoch ein anderes Problem für Draghi lösen: Dann würde nach längerer Pause zumindest eine Frau im Führungsgremium der Notenbank vertreten sein. Im Moment sitzen 23 Männer im EZB-Rat. Lautenschläger ist seit 2011 Vizepräsidentin der Bundesbank und dort für die Bankenaufsicht zuständig. Diese Aufgabe hatte sie schon zuvor bei der Finanzaufsicht Bafin in Bonn. Ihre Karriere hat die Juristin 1995 bei einer Vorläuferorganisation der Bafin begonnen, dem Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen.

Zieht sie in die EZB um, dann könnte das im sechsköpfigen Direktorium die Karten völlig neu mischen. Aufgrund ihrer breiten Erfahrung als Bankenaufseherin wäre es gut möglich, dass EZB-Chef Mario Draghi ihr die Zuständigkeit für die neue EU-Bankenaufsicht unter dem Dach der Notenbank überantwortet. Deren Chefin wird zwar die Französin Daniele Nouy, der Posten des Vize-Chefs der Aufsicht muss jedoch mit einem Direktor besetzt werden. Bisher hatten sich dafür Vitor Constancio, Peter Praet und Yves Mersch interessiert. Wenn nun ausgerechnet Lautenschläger in den Eurotower wechselt, dürfte sie beste Chancen auf diesen Posten haben